Mandela – der lange Weg zur Freiheit

Ein Filmepos über Nelson Mandela, den letzten noch lebenden Volkshelden des 20. Jahrhunderts, der gegen die Apartheid kämpfte und damit für die Gleichberechtigung aller Menschen, ganz gleich welcher Hautfarbe.
Dies ist ein wichtiger Film und ein richtiger Film – sowohl als historische Aufbereitung, aber auch in seinem Anliegen, den charismatischen Politiker ebenso wie den Privatmann Nelson Mandela mit all seinen Ecken und Kanten zu zeigen. Dass dies gelingt, liegt vor allem an den herausragenden Darstellern Idris Elba und Naomie Harris als Nelson und Winnie Mandela.

Webseite: mandela.senator.de

Originaltitel: Mandela: Long Walk to Freedom
UK 2013
Regie: Justin Chadwick
Drehbuch: William Nicholson
Kamera: Lol Crawley
Darsteller: Idris Elba, Naomie Harris, Tony Kgoroge, Riaad Moosa, Fana Mokoena
152 Minuten
Verleih: Senator
Kinostart: 30. Januar 2014

PRESSESTIMMEN:

"Eine konventionelle, aber kompetente Lebenslauf-Nacherzählung über eine der größten Persönlichkeiten unserer Zeit."
KulturSPIEGEL

FILMKRITIK:

Nelson Mandela wächst in Südafrika auf. Dort herrscht die weiße Minderheit und mit ihr das System der Apartheid, das Menschen anderer Hautfarbe entrechtet. Als junger Anwalt schließt sich Nelson Mandela dem ANC an, einer anfangs kleinen Gruppe, die sich für den Widerstand gegen die Apartheid einsetzt. Der Film zeigt Mandela als leidenschaftlichen Kämpfer, aber auch als Ehemann und Vater, der aufgrund seiner politischen Tätigkeit und vor allem wegen seiner langjährigen Inhaftierung kaum Gelegenheit hat, ein Familienleben aufzubauen. Am Ende steht der späte Triumph des inzwischen alten Mannes – er erhält den Friedensnobelpreis und wird zum ersten schwarzen Präsidenten von Südafrika gewählt.

Anfang der 40er Jahre beginnt Mandelas Weg in die Politik. In den schwarzen Townships formiert sich Widerstand gegen die Apartheid. Es folgt das Verbot des ANC und die Arbeit im Untergrund. Aus dem humorvollen, pfiffigen Juristen, auf den die Frauen fliegen, wird ein Verfolgter, der kaum noch Kontakte zu seiner Familie hat. Sensibel und liebevoll schildert der Film die Beziehung zu Nelsons großer Liebe Winnie, seiner zweiten Frau, die ihren Mann kompromisslos unterstützt. Sie wird ebenfalls inhaftiert und hat jahrelang keine Kontakte zur Außenwelt. In diesem Film wird auch sie gewürdigt, die sonst oft von Nelson Mandelas Wirken überstrahlt wird. Naomie Harris spielt Winnie Mandela als mutige, kluge Frau, die zerbrechlich erscheint, aber erschütternd viel Wut und Härte zeigt und deren Radikalisierung schließlich auch die private Trennung von Nelson Mandela bedeuten wird. Idris Elba ist optisch ihr genaues Gegenteil: ein Bär von einem Mann, dem die Intelligenz aus den Augen blitzt. Die Wandlung vom Draufgänger zum geduldigen Pazifisten, der am Ende seinen Unterdrückern verzeiht und diese Botschaft weitergibt, wird dank Idris Elba zur nachvollziehbaren Entwicklung. Mit seiner wuchtigen, kämpferischen Eleganz gibt er der alles überstrahlenden Präsenz Mandelas einen mehr als glaubwürdigen Rahmen.

In epischer Breite lässt der Film das Publikum teilhaben am Leben des Volkshelden Nelson Mandela, nicht ohne auch die Schattenseiten seiner Persönlichkeit zu zeigen: die Gewalt gegenüber seiner ersten Frau und seine Leichtfertigkeit im Umgang mit der ehelichen Treue. Das wird manchmal etwas schwerfällig und langatmig erzählt, ist aber nie langweilig. Die Geschichte an sich bleibt spannend, die Bilder sind aufwändig gestaltet und zutiefst berührend. Allein die Szenen in den 40er Jahren, wenn Menschen aufgrund ihrer Hautfarbe ausgegrenzt und unterdrückt werden, wirken in ihrer Selbstverständlichkeit wie ein schreckliches Märchen aus einer anderen Welt. Die Verwendung von Originalbildern aus den 70er und 80er Jahren, als die Weltöffentlichkeit die Freilassung Mandelas und seiner Mithäftlinge forderte, schafft den gelungenen Übergang zur endgültigen Freilassung und Rehabilitierung Mandelas, wobei die Vorgeschichte durchaus spannend und einigermaßen absurd ist: Der Häftling Nelson Mandela wird zunächst zu geheimen Treffen mit dem damaligen südafrikanischen Präsidenten Botha gebracht …

Trotz seiner Länge – zweieinhalb Stunden – bringt der Film das Beste mit, was zu einem Monumentalepos gehört: Großartige Bilder und eine breit angelegte, spannende Handlung gehören zu diesem Biopic, in dem historische Genauigkeit und authentische Charaktere wichtiger sind als effekthascherische Action. Nelson Mandela hat die Welt verändert und ein würdiges filmisches Denkmal verdient. Hier ist es.

Gaby Sikorski