Margos Spuren

Letztes Jahr war es „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ nun kommt mit „Margos Spuren“ die nächste Verfilmung eines Romans von John Green in die Kinos. Erneut geht es um Freud und Leiden von Teenagern, um die großen Fragen des Lebens, um die Suche nach sich selbst. Klassische Themen, auf mitreißende Weise erzählt.

Webseite: www.margosspuren-derfilm.de

Paper Towns
USA 2015
Regie: Jake Schreier
Buch: Scott Neustadter, nach dem Roman von John Green
Darsteller: Cara Delevingne, Nat Wolff, Halston Sage, Justice Smith, Austin Abrams, Cara Buono, Caitlin Carver
Länge: 108 Minuten
Verleih: FOX
Kinostart: 30. Juli 2015

FILMKRITIK:

Streng genommen ist Margo nicht die Hauptfigur von „Margos Spuren“, aber es macht Sinn, dass ihr Name im Titel vorkommt und nicht der von Quentin (Nat Wolff) genannt Q., der eigentlichen Hauptfigur. Denn seit Margo einst im Haus gegenüber einzog, ist sie das Zentrum seines Universums, auch wenn sich der Kontakt zwischen der allseits beliebten Margo (Cara Delevinge) und dem introvertierten Q. inzwischen nur noch auf Blicke im Korridor der High School in Orlando, Florida beschränkt. Zusammen mit seinen beiden Freunden Ben (Austin Abrams) und Radar (Justice Smith) bereitet sich Q. auf das Ende seiner Schulzeit vor, seine Noten sind ausgezeichnet, der Lebensweg scheint vorgezeichnet: Studium, Beruf, Familie, Kinder. Und dann bist du glücklich? Fragt ihn Margo eines Nachts, als sie Q. aus seinem Schlafzimmer geholt, ihn aus der geregelten Bahn geworfen hat.
 
Eine Nacht folgt Q. Margo, die ihrem Freund eine Lektion erteilen will und dafür Q.’s Hilfe braucht. Ängstlich ist Q. am Anfang, voller Sorge etwas könnte passieren, sein sorgfältig geplantes Leben aus den Fugen geraten. Doch als er am Ende der Nacht mit Margo über den Dächern Orlandos steht, glaubt er, dem Sinn des Lebens ganz nahe zu sein. Als Margo dann am nächsten Tag verschwunden ist, versteht Q. dies als Zeichen: Margo will, dass er sie findet, dass er ihr und sich beweißt, dass er bereit ist, ein Risiko einzugehen, dass er in der Lage ist, seine Komfortzone zu verlassen. Als er dann auch noch versteckte Hinweise auf Margos Aufenthaltsort findet, beginnt er zusammen mit Ben und Radar der Spur zu folgen. Um dann am Ende etwas ganz anderes zu finden, als er erwartet hatte…
 
Auf vielfältige Weise geht es in „Margos Spuren“ um Geschichten, um Träume, um Vorstellungen, um die Welt, wie man sie sieht, sich ausmalt und nicht unbedingt, wie sie wirklich ist. Als Mysterium bezeichnet Q. Margo zu Beginn, als Ideal eines Lebens, das er nicht hat, dass er aber zu verlangen glaubt. Als Margo dann verschwindet, sieht Q. dies als Teil einer Geschichte, an deren Ende er mit Margo zusammen sein wird. Es braucht lange, bis Q. realisiert, dass er am Ende der Suche, die der Film beschreibt, nicht Margo findet, sondern sich selbst, dass er nicht Teil einer fremden Geschichte sein kann, sondern seine eigene schreiben muss.
 
Die Selbstfindung an der Schwelle zum Erwachsensein ist ein klassisches Thema von Büchern bzw. Filmen für Jugendlichen, die leicht allzu didaktisch werden kann. Doch die Qualität der Bücher von John Green, die von Drehbuchautor Scott Neustadter und Regisseur Jake Schreier kongenial auf die Leinwand übertragen wurde, verhindern dies: Mitreißend ist Q.’s Sinnsuche inszeniert, treffend die Träume und Wünsche, aber auch die Missverständnisse und Probleme von Jugendlichen eingefangen. Und im Kern steht die Metapher der Paper Towns – wie der Originaltitel lautet – Städte, die nur auf dem Papier existieren, die eigentlich eine Illusion sind, so wie manche Vorstellungen eines vermeintlich richtigen Lebens eine Illusion sind. Ein passendes Bild für die Suche nach einem Leben, das nicht den Konventionen entspricht, sondern den eigenen Vorstellungen.
 
Michael Meyns