Maria Mafiosi

Skurril-abgründige Kriminalfälle, die in der Provinz spielen, haben Konjunktur. Mit waschechtem bayerischem Lokalkolorit im deftigen Krimi-Gewand und herrlichem Timing inszeniert Regisseurin Jule Ronstedt ihre unterhaltsame bayerisch-italienische Mafiakomödie. Im Mittelpunkt ihres originellen Debütfilms steht die patente, hochschwangere Dorfpolizistin Maria Moosandl. Ihre amourösen Verwicklungen rufen selbst Mafiapaten aus Palermo auf den Plan und entlarven gleichzeitig das lokalpolitische Amigo-System. Hauptdarstellerin Lisa Maria Potthof bringt die starke, witzige Frauenfigur überzeugend auf die Leinwand. Selbst wenn die turbulente Komödie um manches Klischee nicht herumkommt, bietet sie vergnügliche Kinokost.

Webseite: www.maria-mafiosi.de

Deutschland 2017
Regie & Drehbuch: Jule Ronstedt,
Drehbuch: Jule Ronstedt
Darsteller: Lisa Maria Potthoff, Serkan Kaya, Alexander Held, Tommaso Ragno, Monika Gruber
Länge: 95 Minuten
Verleih: Universum Filmverleih
Kinostart: 15.6.2016

FILMKRITIK:

Vom Nannerl in Joseph Vilsmaiers „Brandner Kasper“ bis zum Luxus-Callgirl reicht die Palette von Lisa Maria Potthoff. Doch die in München aufgewachsene Wahlberlinerin brilliert besonders in Rollen, in denen sie ihre bayerische Prägung ausspielen kann. Nicht umsonst setzt sie als Dauerfreundin Susi in den Kultkrimis von Rita Falk Akzente. „Immer geht’s um was anderes, nur nicht um mich!“, schmetterte sie da freilich ihrem Gspusi, dem grantelnden Dorfpolizisten Eberhofer noch entgegen. Das hat sich nun drastisch geändert. In der spritzigen weißblauen Mafiakomödie ist die Blondine mit den blitzblauen Augen die Hauptfigur, die mit ihren amourösen Verwicklungen für Aufruhr sorgt.
 
Amore, Pasta, Pizza und bald noch ein Bambino. Maria Moosandl (Lisa Maria Potthoff) hat alles im Griff. Denkt die 32jährige hochschwangere Polizistin im oberbayerischen Landsberg am Lech. Sie trifft sich zwar immer noch verstohlen mit ihrem Rocco (Serkan Kaya), dessen Vater Silvio Pacelli (Tommaso Ragno) die ortsansässige Pizzeria „Il Paradiso“ betreibt. Doch demnächst will sie das Geheimnis lüften und ihrem Vater Jürgen (Alexander Held), dem hiesigen Polizeichef, die freudige Nachricht präsentieren. Was sie nicht ahnt, wie sehr der „Pacelli-Clan“ in mafiöse Machenschaften verstrickt ist.
 
Probleme in der Familienzusammenführung sind da quasi vorprogrammiert. Und bald schon säumen Leichen den schwierigen Weg zueinander. Eine davon fischen sie und ihr Kollege völlig unerwartet aus einer Jauchegrube. Während die Schwiegerväter bereits mehr verbindet, als nur das gemeinsame Enkelkind. Denn das lokalpolitische „Amigo-System“ funktioniert prächtig. Von Polizeichef bis zum Bürgermeister Fröschl (Sigi Zimmerschied) wäscht hier eine Hand die andere. Als dann noch aus Neapel ihre Nebenbuhlerin Donatella (Rosetta Pedone), die schöne Tochter eines mächtigen italienischen Mafiabosses, im weißen Maserati aufkreuzt, greift Maria zu drastischen Methoden.
 
Souverän verwurstet Regisseurin Jule Ronstedt alle gängigen Mafia-Klischees, ohne das Genre zu sehr zu strapazieren. Das hat durchaus Potential. Einmal mehr beweist sie, dass Gewalt in diesem Milieu ein konditionierter Reflex ist. Den Reiz ihrer urig-charmanten Inszenierung bezieht die 46jährige Münchnerin, die in der vielfach ausgezeichneten bayerischen Kult-Komödie „Wer früher stirbt, ist länger tot” noch vor der Kamera stand, aus dem Lokalkolorit sowie ihren schrägen und amüsanten Charakteren. Schon vor etlichen Jahren wechselte die Mutter einer 15jährigen Tochter, der Schauspielerei und Regie gleichermaßen liegen, zeitweise die Seiten. So übernahm sie die Regie für einige ihrer Theaterstücke wie „Andere Baustelle“ an den Münchner Kammerspielen.
 
Ihr bis in die Nebenrollen gut besetztes Ensemble zeigt sich in bester Spiellaune und trägt maßgeblich zum Vergnügen bei. Gerne hätte man mehr von Bayerns Ausnahmekabarettistin Monika Gruber auf der Leinwand gesehen. Doch selbst ihr kurzer Auftritt als Stiefmutter Irmi Moosandl und neue Frau des Polizeichefs, macht Freude. Und auch der „italienische Zweig“ wartet mit authentischen Darstellern auf, wie etwa der gebürtigen Römerin Antonella Attili. Die inzwischen 53jährige feierte ihren Durchbruch mit „Cinema Paradiso“, der oscarprämierten, nostalgischen Hommage an die Magie des Kinos. Schon in Fatih Akins Duisburger Familiensaga „Solino“ hielt sie als „Mamma“ die Familie zusammen. Und nachdem Bayern und Italien, schon immer auch die Geschichte einer großen Liebesbeziehung war, funktioniert die schräge weißblaue Komödienkost bestens.
 
Luitgard Koch