Marty Supreme

Josh Safdies neuer Film „Marty Supreme“ hat echten Hype entwickelt, der sich nicht nur in sieben Oscar-Nominierungen widerspiegelt. Es ist auch ein guter Film, aber keiner, der diesem Hype wirklich gerecht werden würde, weil es zu viele Baustellen gibt, die einfach nicht angegangen werden. Punkten kann der Film aber mit dem starken Ensemble. 

 

Über den Film

Originaltitel

Marty Supreme

Deutscher Titel

Marty Supreme

Produktionsland

USA

Filmdauer

149 min

Produktionsjahr

2025

Regisseur

Safdie, Josh

Verleih

Tobis Film GmbH

Starttermin

26.02.2026

 

Marty ist Schuhverkäufer, möchte aber weit mehr sein als das. Er ist ein exzellenter Tischtennisspieler und möchte an den Weltmeisterschaften nicht nur teilnehmen, sondern auch gewinnen, weil er davon träumt, den Sport in die USA zu bringen und so groß wie andere Sportarten zu machen. Dafür eckt er überall an und macht sich nicht nur Freunde, aber seine Passion treibt ihn voran. Er kann gar nicht anders, auch wenn sein erster Wettbewerb nicht so gut läuft wie erwartet …

 

Der Film ist lose inspiriert von einem echten Menschen, einem Amerikaner, der in den Fünfzigerjahren an Tischtennis-Meistershaften teilnahm. Die Geschichte darum, aber auch die Figur selbst sind jedoch fiktiv. Wo Safdie punkten kann, ist die Darstellung der Fünfzigerjahre. Die Designs, die Autos, die Kleidung, die Frisuren – das wirkt alles sehr authentisch. Aber dann unterlegt er seinen Film mit Songs aus den Achtzigerjahren, die nicht nur überlaut tönen, wenn Szenen eigentlich eine kontemplative Ruhe benötigten, sondern ein anachronistischer Fremdkörper sind, der nicht in den Film zieht, sondern schlichtweg aus ihm herausreißt. Wann immer die Musik ertönt, wird die so sorgsam aufgebaute Realität eines längst vergangenen Jahrzehnts brachial eingerissen.

 

„Marty Supreme“ ist mit einer Laufzeit von zweieinhalb Stunden auch schlichtweg zu lang. Es gibt zu viele Szenen, bei denen man sehen und spüren kann, wo Potenzial zum Einkürzen bestanden hätte. Aber es scheint, als hätte sich Safdie von nichts trennen können, als sei er zu sehr in die Geschichte, die Figur und seinen Film verliebt. Ein anderes Problem ist die Figur. Timotheé Chalamet spielt Marty hervorragend, aber es ändert nichts daran, dass dies ein zutiefst unsympathischer Mensch ist. Man wird mit Marty nicht warm, entsprechend interessiert es auch nicht, ob er seinen Traum von der Tischtennis-Karriere nun erfüllen wird oder nicht.

 

Trotz allem ist „Marty Supreme“ kein schlechter, er ist nur eben auch kein überragender Film. Allerdings versteckt sich irgendwo darin ein wirklich großer Film. Es hätte nur eines Filmemachers bedurft, der in der Lage ist, dies auch herauszuarbeiten. Bei Josh Safdie hätte man das erwartet, sein Film „Der schwarze Diamant“ ist eine Perle, die alles richtigmacht, was hier schiefgelaufen ist. Aber es sollte nicht sein: Ein echter Oscar-Kandidat ist „Marty Supreme“ nicht. 

 

Peter Osteried

Mehr lesen

Neuste Filmkritiken

ℹ️ Die Inhalte von programmkino.de sind nur für die persönliche Information bestimmt. Weitergabe und gewerbliche Nutzung sind untersagt. Nachdruck nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Redaktion. Filmkritiken dürfen ausschließlich von Mitgliedern der AG Kino-Gilde für ihre Publikationen verwendet werden.