Max Manus

Max Manus gehört zu den schillerndsten Figuren des norwegischen Widerstandes gegen die deutsche Besetzung im Zweiten Weltkrieg. Als Mitglied einer Gruppe junger Leute unternahm er zahlreiche Sabotageakte, darunter auch spektakuläre Sprengungen von deutschen Schiffen. Das norwegische Historiendrama schildert seine Taten als spannendes Heldenepos.

Webseite: www.capelight.capevision.com

D/Norwegen 2008
Regie: Joachim Roenning, Espen Sandberg
Darsteller: Aksel Hennie, Agnes Kittelsen, Nicolai Cleve Broch, Ken Duken
Kinostart: 11.2. 2010
Verleih: Capelight Pictures
 

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Mehr als 60 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges haben Filme über den Widerstand gegen die Nazis in Europa Hochkonjunktur. In der Niederlande und in Dänemark wurde die Zeitspanne dazu genutzt, um kritisch mit der eigen Rolle umzugehen. Von der differenzierten Sichtweise solcher Filme wie Paul Verhoevens „Black Book“ und Ole Christian Madsens „Tage des Zorns“ ist der norwegische Film „Max Manus“ allerdings weit entfernt. Der junge Norweger Max Manus gehörte zu den unumstrittenen Heldenfiguren des norwegischen Widerstands, dem hier mit großem Aufwand ein filmisches Denkmal gesetzt wird. Für Spannung ist aber dennoch gesorgt, denn die Aktionen des legendären Widerstandskämpfers werden im Stile eines echten Thrillers umgesetzt.

Alles beginnt im Sommer 1940. Max Manus (Aksel Hennie) gehört zu einem Kreis junger Männer, die sich nicht mit der Besetzung Norwegens durch die Nazis abfinden wollen. Außer Manus verfügt allerdings keiner der Männer über militärische Erfahrung. Die ersten Aktionen verlaufen noch recht amateurhaft und erste Unvorsichtigkeiten sorgen dafür, dass die Deutschen unter Führung des Gestapo-Offizier Fehmer (Ken Duken) einige Mitglieder in ihre Finger bekommen. Max Manus selber wird schwerverletzt verhaftet, doch ihm gelingt die Flucht aus dem bewachten Krankenhaus. Max setzt sich nach Schottland ab, wo der norwegische Widerstand militärisch geschult und koordiniert wird. Gemeinsam mit seinen Kameraden, darunter sein bester Freund Gregers, kehrt Max per Fahlschirm nach Norwegen zurück. Diesmal gilt es deutsche Frachter und Kriegsschiffe zu sprengen, die streng bewacht im Hafen von Oslo vor Anker liegen. Erste spektakuläre Erfolge gelingen und werden von den Deutschen mit brutalen Strafaktionen beantwortet. Die Reihen um Max lichten sich, nur er selber scheint einen Schutzengel zu haben, der ihn sicher aus den größten Gefahren bringt. Dass er soviel Glück hat, während viele Freunde ihren Kampf mit dem Leben bezahlen, führt ihn in eine persönliche Krise. Sein Alkoholkonsum steigt und mit ihm, die Bereitschaft, sein Leben zu opfern. Und so meldet er sich für ein letztes Himmelfahrtskommando, mit dem am Ende des Krieges die Verlegung deutscher Soldaten an die Westfront sabotiert werden soll.

Die psychologischen Probleme des Widerstandskämpfers gewinnen im Laufe des Filmes zwar an Dramatik, dennoch stehen bei dem Regiegespann Espen Sandberg und Joachim Roenning die spannenden Sabotageaktionen im Zentrum des Geschehens. Vor allem die eindringlichen Szenen im Osloer Hafen bilden mit ihrer atmosphärischen Dichte und der knisternden Spannung den Höhepunkte des Filmes. Im Vergleich zu dem omnipräsenten Hauptdarsteller Aksel Hennie, bleiben die anderen Akteure etwas blass. Dass auch Agnes Kittelsen als seine Geliebte Tikken ebenso wenig Akzente setzen kann, wie Ken Duken in der Rolle des smarten Nazi-Schergen Fehmer, ist dem etwas eindimensionalen Drehbuch geschuldet.

Bei den Norwegern kam das actionlastige Heldenepos überaus gut an. Mit 1,2 Millionen Zuschauern haben ein Viertel der Bevölkerung mit Max Manus mitgefiebert. Beim deutschen Betrachter, der die Vita des berühmten Norwegers nicht kennt, ist der Spannungsfaktor, ob Manus das Kriegsende erleben wird, noch höher. Für alle, denen Quentin Tarantinos „Inglourious Basterds“ etwas zu comichaft ausgefallen ist, bietet der klassische Historienthriller jedenfalls eine dankbare Alternative.

Norbert Raffelsiefen

Der größenwahnsinnige kranke Hitler wollte die ganze Welt erobern, er machte auch vor Skandinavien nicht halt. In diesem Fall geht es um Norwegen. Gegen die deutsche Besatzung aber formierte sich bald Widerstand. Junge Männer waren es, die ihr Land liebten und alles für seine Befreiung vom Nazi- und SS-Joch tun wollten.

Es gab sicherlich viele Gruppen; hier ist von der Oslo-Gruppe um Gunnar Sönsteby und Max Manus die Rede. Diese norwegischen Widerstandskämpfer bauten zur Absicherung ihrer Aktivitäten Beziehungen zu zwei Ländern auf: zu Großbritannien, wo sie sich ausbilden ließen, und zu dem neutralen Schweden, wo sie sich teilweise organisierten und in das sie sich absetzten, wenn sie sich nach ihren Sabotageakten in Sicherheit bringen mussten.

Die Spezialität der Manus-Mannschaft: in Tauchgängen an im Dienste der Deutschen im Hafen liegenden Schiffen Sprengstoffladungen anbringen und sie zeitlich günstig explodieren lassen. Der größte Coup: Mitte Januar 1945 die Sprengung der mit Kriegsmaterial, Munition und Truppenteilen voll beladenen „Donau“.

Natürlich sahen die deutschen Besatzer dem nicht tatenlos zu. Vor allem der Gestapo-Offizier Fehmer hing sich an die Fersen der Norweger. Und er leistete ganze Arbeit. Viele aus dem Manus-Team mussten dies mit dem Leben bezahlen. Max Manus selbst bedauerte sein ganzes restliches Leben (1914 – 1966), dass andere geopfert wurden und nicht er selbst. Zeitweise war er später ein nervliches, alkoholabhängiges Wrack. Gerettet wurde er durch seine Liebe zur Norwegerin Tikken, die seinerzeit von der britischen Botschaft in Oslo aus den Widerstand mit koordinierte.

Ein solide gemachter Widerständler- und Kriegsfilm. Ausführlich, präzise und mit einer Riesenausstattung wird alles berichtet. Grundlage für den Film waren die autobiographischen Aufzeichnungen von Max Manus.

Handwerklich wurde mit Sorgfalt gearbeitet. Thematisch ist das natürlich ein nachträgliches Hohelied auf das mit großen Opfern erkaufte Freiheitsstreben des norwegischen Volkes.

Der Zuschauererfolg in dem Land war entsprechend. Preise gab es ebenfalls schon.

Eine sehr beachtliche schauspielerische Leistung bieten Aksel Hennie als Max Manus, Ken Duken als Gestapo-Chef Fehmer und auch Agnes Kittelsen als Tikken.

Thomas Engel