Mein bester Feind

Eine deutsch-jüdische Verwechslungskomödie erzählt der eher für seine Krimis bekannte Wolfgang Murnberger in „Mein bester Feind.“ Das Sujet Zweiter Weltkrieg, Nationalsozialismus, Judenverfolgung ist bekanntermaßen heikel und so nötigt sich der Regisseur bedauerlicherweise zu solcher Zurückhaltung, dass die eigentlich interessante Geschichte, trotz starker Schauspieler, allzu zahm daher kommt.

Webseite: www.meinbesterfeind.de

Österreich 2010,
Regie: Wolfgang Murnberger
Buch: Wolfgang Murnberger, Paul Hengge, nach seinem Roman
Darsteller: Moritz Bleibtreu, Georg Friedrich, Udo Samel, Marthe Keller, Ursula Strauss, Uwe Bohm
Länge: 109 Minuten
Verleih: Neue Visionen
Kinostart: 1. September 2011

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Wien, 30er Jahre. Victor Kaufmann (Moritz Bleibtreu) ist Sohn eines wohlhabenden jüdischen Ehepaares, das mit Antiquitäten und Kunst zu Geld gekommen ist. Sein bester Freund ist der Österreicher Rudi Smekal (Georg Freidrich). Zwischen ihnen steht Lena (Ursula Strauss), die mit Victor liiert ist, aber auch von Rudi begehrt wird. Die Zeit vergeht, der Anschluss Österreichs ans Dritte Reich beginnt die Situation für die jüdische Familie immer prekärer werden zu lassen. Und auch Rudi verändert sich. Schon lange ist er Mitglied der NSDAP und hofft durch seine Uniform endlich den Respekt zu bekommen, den er bislang vermisst hat. Langsam entwickeln sich aus den einst besten Freunden erbitterte Gegner, lässt Rudi Victor seine Macht spüren und zwingt ihn auf Druck des SS-Mannes Widriczek (Uwe Bohm) schließlich gar dazu, den familieneigenen Michelangelo herauszugeben. Doch die Zeichnung stellt sich als Fälschung heraus, das Original scheint verschollen und so beginnt eine Verwechslungskomödie, die bald den Juden Victor in SS-Uniform, bald den Nazi Rudi in KZ-Häftlingskleidung auftreten lässt.

Vielleicht ist es nur einem komplett unbeteiligten wie Quentin Tarantino möglich, das Dritte Reich, die Nazi Verbrechen und die Judenverfolgung wie in „Inglourious Basterds“ geschehen, in eine satirische, vollkommen respektlose Form zu pressen. Wenn sich Deutsche oder zumindest deutschsprachige Österreicher an dieses heikle Thema wagen, kommen mehr oder weniger unentschlossenen Filme wie „Jud Süss“, „Mein Kampf“ oder „Mein Führer – Die wirklich wahrste Wahrheit über den Führer“ dabei heraus, die so vorsichtig mit dem Thema umgehen, das sowohl die tragischen, dramatischen Momente abgeschliffen sind, als auch jeglicher satirische Ansatz im Keim erstickt wird. Bedauerlicherweise fällt auch Wolfgang Murnbergers Film in diese Kategorie. Bedauerlich vor allem deswegen, da Murnberger gerade mit seinen Krimi-Verfilmungen wie „Komm, süßer Tod“ oder zuletzt „Der Knochenmann“ viel Gespür und große Lust an bitterböser Komik bewiesen hat. In „Mein bester Feind“ ist davon nur selten etwas zu spüren.

Ganz bieder entwickelt sich die Geschichte, mehr als vorhersehbar läuft das Verwirrspiel ab, dessen Pointen alle bis auf die klischeehaft gezeichneten Nazischergen durchschauen. Zumindest als Klamotte hätte der Film funktionieren können, doch dafür ist ein Schauspieler wie Georg Friedrich viel zu vielschichtig, wird seine Nazi-Figur viel zu menschlich. Moritz Bleibtreu dagegen gibt einmal mehr den stets souveränen, lässigen Typen, den er zwar immer wieder gut, inzwischen aber doch etwas häufig gespielt hat. Aber auch dieser Aspekt passt ins Gesamtbild von „Mein bester Feind“: Nie wirklich misslungen, aber auch nicht wirklich treffend.

Michael Meyns

Wien in den späten 30er Jahren. Victor und Rudi sind die besten Freunde, die man sich denken kann. Victor ist der Sohn der begüterten jüdischen Galeristenfamilie Kaufmann, Rudi der Sohn der dortigen Haushälterin.

Etwas ganz Kostbares besitzen die Kaufmanns, nämlich eine Moses-Zeichnung von Michelangelo. Rudi, der aus seinem niedrigen gesellschaftlichen Stand heraus will, hat sich überraschend den Nazis angeschlossen und ist SS-Mann geworden. Er ist es auch, der seinen neuen „Kameraden“ das Versteck zeigt, in dem die Zeichnung aufbewahrt wird. In Berlin steht der Besuch Mussolinis an. Das Verhältnis zwischen ihm und Hitler ist derzeit nicht das Beste. Mit der Michelangelo-Zeichnung soll der Duce versöhnt werden.

Also rückt die SS an und raubt den Kaufmanns das Bild. Dass Jakob, Victors Vater, eine Kopie hat anfertigen lassen, weiß niemand.

Ein Experte stellt fest, dass es sich bei dem geraubten Bild nicht um das Original handelt. Katastrophe.

Victor muss dazu vor hohen SS-Führern in Berlin aussagen und wird quasi als Gefangener vom SS-Mann Rudi im Flugzeug dorthin gebracht. Das Flugzeug wird beschossen und stürzt ab. Victor und Rudi überleben.

Und nun beginnt ein Vexierspiel, das immer grotesker und absurder wird, aber glänzend gebaut ist. Sträflings- und SS-Uniform werden ständig gewechselt, einmal ist Victor der Gefangene, ein anderes Mal Rudi. Und so kommt es, dass einmal der Rudi den Victor malträtiert und verhört und dass es das nächste Mal wieder umgekehrt ist. Das hin und her dauert eine ganze Zeit lang. In der obersten Militär-, SS- und Reichsführung ist die Verwirrung total und das Tohuwabohu groß.

Bei den Kaufmanns ist das nicht anders. Jakob ist im KZ gestorben, die Mutter wird im KZ gefangen gehalten. Rudi will sich Victors Verlobte Lena aneignen. Zu einem Kompromiss will sich Victor nur hergeben, wenn seine Mutter in die Schweiz ausreisen darf, wo angeblich die Moses-Zeichnung aufbewahrt wird.

Dann ist der Krieg zu Ende. Die echten Identitäten werden endlich geklärt. Rudi will groß herauskommen, wird aber von Victor aufs Kreuz gelegt. Der Moses ist jetzt wieder in den Händen derer, denen er gehört.

Teils Drama, teils Tragödie, teils Komödie – der österreichische Autor und Regisseur Wolfgang Murnberger versteht sich auf so etwas. Das hat er in erfolgreichen Filmen des Genres bewiesen. Alles ist natürlich rein fiktiv, unrealistisch und erfunden, aber die doppelbödige Dramaturgie klappt. Die Behandlung des Phänomens „Sein und Schein“ bekommt hier einen gewissen filmischen und künstlerischen Rang.

Mit Vergnügen schaut man zu, wie Moritz Bleibtreu (Victor) und Georg Friedrich (Rudi) spielen. Beide entwickeln sich zu Spitzendarstellern. Uwe Bohm als SS-Offizier ist auf erschreckende Weise gut. Und nach langer Zeit Marthe Keller (Victors Mutter) wieder auf der Kinoleinwand zu sehen, ist höchst erfreulich.

Thomas Engel