Mein neues altes Ich – Eine Reise in das Mysterium der Menopause

„Wie ein Staatsgeheimnis“, über das nie gesprochen werde. So bezeichnet eine Wissenschaftlerin in „Mein neues altes Ich“ die Wechseljahre und ihre Folgen für den weiblichen Körper. Damit bringt sie eine elementare Botschaft der Doku auf den Punkt, die besagt, dass eines der größten Probleme im Zusammenhang mit den Wechseljahren das Schweigen darüber ist. Der präzise umgesetzte, erhellende Film betrachtet, was im Leben – vor allem im Körper – einer Frau um die 50 passiert. Er informiert umfassend über ein Thema, das die Hälfte der Weltbevölkerung betrifft und manche Frauen so stark beeinträchtigt, dass die Alltagsbewältigung kaum mehr gelingt.

 

Über den Film

Originaltitel

Am I Losing My Mind?

Deutscher Titel

Mein neues altes Ich – Eine Reise in das Mysterium der Menopause

Produktionsland

DEN, DEU, NOR

Filmdauer

77 min

Produktionsjahr

2025

Regisseur

Kjeldsen, Louise Unmack

Verleih

Rise And Shine Cinema UG

Starttermin

12.03.2026

 

Die Menopause ist die letzte Monatsblutung einer Frau. Zuvor kommen die Wechseljahre – eine Phase des Übergangs, die für viele Frauen mit erheblichen Beschwerden einhergeht. Und für manche Betroffene halten die Symptome über viele Jahre an. Trotzdem ist über die Wechseljahre, die irgendwann jede Frau betrifft, vergleichsweise wenig bekannt. Dies nimmt Regisseurin Louise Unmack Kjeldsen zum Anlass, um endlich (wissenschaftliche) Antworten auf dringliche Fragen zu finden.

Wie beeinflusst der drastische Rückgang des Hormons Östrogen die Gesundheit von Frauen? Welche Symptome können sich zeigen? Und was passiert generell im Gehirn und Körper während der Wechseljahre und Menopause? Diese und ähnliche Fragen sind die Antriebsfeder für Kjeldsens sehr persönliche dokumentarische Reise, auf die sie den Zuschauer mitnimmt. Die 62-jährige Dänin leidet selbst stark unter den Folgen der Wechseljahre und befragt Leidensgenossinnen zu ihrem Leben und Alltag mit den zum Teil verheerenden gesundheitlichen Auswirkungen.

In den Interviews mit den Frauen, die aus allen Teilen der Welt stammen, zeigt sich vor allem eines: Wie sehr das Thema „Wechseljahre“ totgeschwiegen wird. Ausnahmslos alle interviewten Frauen, die sich sehr offen und direkt äußern, berichten davon, dass in ihren Familien nie darüber geredet wurde. Noch nicht einmal von ihren Ärzten bekamen viele der Befragten die erhofften Informationen und damit die dringend benötigte Hilfe. Im Verlauf des Films lernen wir Frauen kennen, die aufgrund der Wechseljahre-Symptome arbeitsunfähig geworden sind – mitten im Leben stehend, mit Anfang 50.

Vier Milliarden Menschen sind betroffen und dennoch fehlt es an Wissen und Aufklärung. Ändern wollen dies unter anderem jene Wissenschaftlerinnen, die Kjeldsen für ihren Film aufsucht. Darunter eine Work-Life-Forscherin und eine junge US-amerikanische Wissenschaftlerin, die sich einer ganz speziellen Thematik widmet: Sie geht der Frage nach, wie durch die Menopause hervorgerufene Hitzewallungen den Schlaf (und damit die Allgemeingesundheit) beeinträchtigen. Eine andere Frau forscht zur Frage, wie die Wechseljahre und ein höheres Alzheimerrisiko zueinander im Verhältnis stehen. Denn schon lange deuten Studien darauf hin, dass während und nach der Menopause das Risiko für Alzheimer erhöht sein könnte.

Haarsträubendes fördert Kjeldsen in ihrem aufwendig recherchierten Film zu Tage, wenn sie in die Geschichte, genauer: in die Medizingeschichte, zurückblickt. Bis vor 200 Jahren gab es noch nicht einmal ein Wort für die Wechseljahre, geschweige denn für die mit diesen einhergehenden körperlichen Veränderungen und gesundheitlichen Risiken. Die Verachtung für die Frau mittleren Alters wird deutlich, wenn Kjeldsen Auszüge aus medizinischen Publikationen und Fachbüchern jener Zeit präsentiert. Frauen wurden menschenverachtenden Therapien und Behandlungen unterzogen, um sie von den Symptomen der – damals noch namenlosen –Wechseljahre zu „heilen“.

Im Mittelalter galt die Menopause vielen als nicht natürlicher biologischer Prozess. Frauen in ihren Wechseljahren wurden häufig gesellschaftlich geächtet, da sie durch den Verlust der Fruchtbarkeit ihren Wert für die Gesellschaft verloren. Andere landeten, als Hexen oder Besessene gebrandmarkt, auf dem Scheiterhaufen.

Mit zunehmender Dauer wird die Doku immer detaillierter und widmet sich bestimmten Themen sowie Teilbereichen expliziter. Ausführlicher schaut sich Kjeldsen etwa einen zentralen Aspekt an, der seit Ende der 60er-Jahre viele, besonders stark unter den Wechseljahren leidende Frauen betrifft: die Langzeitfolgen der Hormontherapie (Stichwort: Brustkrebs-Risiko). Die Filmemacherin vermittelt ihre Erkenntnisse und Inhalte jederzeit in einem adäquaten Tempo und gut konsumierbar, was nicht zuletzt am angenehmen, ruhigen Sprech- bzw. Erzählstil der Off-Kommentatorin (Schauspielerin Maren Kroymann) liegt.

 

Björn Schneider

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