Meine Wunderkammern

Wir leben in einer Zeit immer neuer autoritärer Regierungen, wachsender sozialer Unsicherheit und steigender Kinderarmut. Was bedeutet das alles für die Schwächsten in unserer Gesellschaft: Kinder und Jugendliche? Welche Sorgen und Wünsche haben sie? Machen die Probleme unserer Zeit etwas mit dem Kindsein? Die ehrliche Doku „Meine Wunderkammern“ verfolgt einen außergewöhnlichen, interessanten Ansatz um sich diesen Fragen zu nähern. Und sorgt für einen unbekümmerten, kreativen Ausflug in die Phantasie der Allerjüngsten.

Website: www.eksystent.com/meine-wunderkammern.html

Dokumentarfilm
Deutschland 2021
Regie: Susanne Kim
Drehbuch: Susanne Kim
Länge: 78 Minuten
Verleih: Eksystent
Kinostart: 04.11.2021

 

Über den Film

Originaltitel

Meine Wunderkammern

Deutscher Titel

Meine Wunderkammern

Produktionsland

DEU

Filmdauer

78 min

Produktionsjahr

2021

Produzent

Taddiken, Holm

Regisseur

Kim, Susanne

Verleih

Starttermin

03.11.2021

 

FILMKRITIK:


Wenn Kindheit ein Ort ist, wo befindet er sich und wie fühlt es sich dort an? Und was kann man dort entdecken? In dem dokumentarischen Kinderfilm „Meine Wunderkammern“ nehmen vier Kinder zwischen 11 und 14 Jahren den Zuschauer mit in ihre innerste Welt. Eine Welt ohne Mobbing, Hass, Rassismus und Armut. Dafür gibt es jede Menge zu entdecken: Phantastische Tiere, bunte Farben, Planeten und große Abenteuer. „Meine Wunderkammern“ zeigt die Sicht auf das Leben und unsere Welt aus Sicht der Kinder und Jugendlichen.

Es ist eine bunte, phantasievolle Welt, in die Regisseurin und Drehbuchautorin Susanne Kim mit ihrem Film entführt. Die Dresdenerin, die in der DDR und in Syrien aufwuchs, kennt das Gefühl der Ausgrenzung. Auch der Kampf um Akzeptanz und Anerkennung ist ihr nicht fremd. All dies teilen auch ihre vier jungen Protagonisten. Darunter der kamerunische, unter seinen Aggressionsproblemen leidende Junge Wisdom oder Joline, die niemals erwachsen werden will. Hinzu kommt der unter Autismus leidende Elias, der sich oft in seine Welt zurückzieht und Roya, die vor fünf Jahren aus dem Iran nach Deutschland kam.

Alle vier fühlen sich oft abgehängt, einsam oder einfach anders als die Personen um sie herum. Aber es handelt sich bei ihnen ebenso um hoffnungsfrohe junge Menschen, die bei all den Sorgen viele Momente des Glücks erleben und große Träume haben. Und: die Fähigkeit, mit Hilfe der Fantasie und kindlichen Vorstellungskraft die Welt um sich herum auszublenden. Dies vermittelt „Meine Wunderkammern“ durch liebevolle, einfallsreiche Animationen, darunter Tiere, die unerwartet auftauchen und plötzlich Teil des Geschehens werden.

Hin und wieder bevölkern animierte Meerschweinchen einen fernen Planeten, Katzenmenschen tauchen auf und bizarre Krabbelkäfer sind zu sehen. Und zwischendurch fliegen Zeichentrick-Ventilatoren durchs Bild. Klar ist: Hier stehen das Spielerische und Unbekümmerte im Zentrum. Einen klassischen inhaltlichen roten Faden gibt es ebenso wenig wie gängige dramaturgische Mittel oder bekannte Dokumentarfilm-Elemente wie Off-Kommentare oder einordnende Interviews von Wissenschaftlern oder externen Experten.

Wer sich aber auf den in den ersten Minuten etwas ungewohnten, fast experimentellen Ansatz des Films einlässt und langsam versteht, dass wir hier gewissermaßen direkt in die Köpfe und in die Seele der Protagonisten schauen, wird definitiv Gefallen an „Meine Wunderkammern“ finden. Zumal wieder einmal klar wird, dass Kinder und Jugendliche mit gesellschaftlichen Zuschreibungen und „Labels“ wie Migrant, Flüchtling oder Autist nicht viel anfangen können.

Lieber drücken sie ihr Innerstes in anderer Art und Weise als in gesprochenen Worten aus, zum Beispiel durch Zeichnen oder Musik. Deshalb enthält „Meine Wunderkammern“ auch viele gesungene Passagen und Lieder, deren Texte sehr passend die Befindlichkeiten und Sehnsüchte von Wisdom, Joline, Elias und Roya auf den Punkt bringen. Und die von ihnen selbst geschrieben und komponiert wurden. „Mir wird ganz schwindelig so ohne Gleichgewicht“, heißt es zum Beispiel in einem Lied. In einem anderen: „Ich wünschte, ich könnte mich unsichtbar machen.“

Einen Einblick in den Alltag der Porträtierten erhalten wir durch Kims Kamera, die voller Neugierde ihre vier jungen Darsteller in der Schule, beim Spielen, Gaming und Tagträumen beobachtet und durch den Tag folgt. Und auf diese Weise eine große Nähe entstehen lässt.

Björn Schneider

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