Messner

Vieles ist schon über den Extrembergsteiger Reinhold Messner (67) veröffentlicht worden. Seine Lebensleistung ist nicht hoch genug einzuschätzen. Wie kein anderer hat er – ausgestattet mit einem unbändigen Willen – Grenzen überschritten. Das ist allgemein bekannt. Aber wer ist Reinhold Messner eigentlich? Warum suchte er so extreme Herausforderungen wie das Besteigen aller vierzehn Achttausender – zum Teil im Alleingang? Was hat ihn zu diesen Höchstleistungen getrieben? Das versucht Regisseur und Produzent Andreas Nickel in seinem halbdokumentarischen Film "Messner" herauszufinden. Ein beeindruckendes Porträt über den berühmten Südtiroler.

Webseite: www.messner-derfilm.de

Deutschland 2012
Buch und Regie: Andreas Nickel
mit Reinhold Messner, Prof. Dr. Helmut Messner/Bruder, Dr. Hubert Messner/Bruder, Dr. Hans-Jörg Messner/Bruder, Dr. Ursula Grether-Endres, Hans Kammerlander, Peter Habeler
Darsteller: Florian Riegler, Martin Riegler, Hubert Niederwolfsgruber, Brunhilde Schatzer, Philipp Mantinger, Patrik Mantinger, Gabriel Messner, Aaron Messner, Maxime Belleville
Länge: 108 Min.
Verleih: Movienet Film
Kinostart: 27. September 2012

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Die erste Einstellung ist schon beeindruckend – und symbolhaft. Ein schneebedeckter Berggipfel in den Südtiroler Alpen, auf dem aus der Hubschrauberperspektive ein winzig wirkender Mensch zu sehen ist, der den Grat zum Gipfel entlangstapft. Ausdruck für das Verhältnis Mensch und Natur. Es ist Reinhold Messner. Ist er von nahem zu sehen, hat man einen in sich ruhenden, selbstbewußten Zeitgenossen vor sich, der scheinbar keine Angst hat. Woher das Phänomen innerer Stärke kommt, um solche Extremleistungen zu bringen, versucht Autor und Regisseur Andreas Nickel in seinem Porträt herauszufinden. Ein eindringliches Psychogramm ist daraus entstanden, das noch lange nachwirkt.

Nickel hat bei seiner Spurensuche zum Konzept des gemischten Films gegriffen – ein Mix aus authentischen Szenen und Gesprächen sowie nachgestellten Sequenzen. Wir lernen Reinhold Messners Heimat in und um Villnöß und seine Geschwister, es waren mal insgesamt neun, kennen. Aber nur Reinhold und Bruder Günther wollten später Berufsbergsteiger werden. Die anderen Geschwister sind interessanterweise Ärzte, Therapeuten oder Pädagogen geworden, sogar mit Professorentitel wie sein Bruder Helmut. Damit die Gesprächsanteile lebendig veranschaulicht werden und mehr Spannung in das Geschehen kommt, sind immer wieder Rückblenden mit den Darstellern der Protagonisten oder Szenen aus dem Himalaja, der Arktis und Antarktis zu sehen. Die fantastischen Bergaufnahmen vom Mount Everest, K2, Nanga Parbat, Annapurna, Kongchenjunga, Manaslu, Makalu, Lhotse, Broad Peak und den anderen Achttausendern faszinieren und berühren. Da ist es leicht nachzuvollziehen, welcher Wille vorhanden sein muß, um derartige mentale wie physische Herausforderungen zu bestehen und Grenzen zu überwinden, aber auch mit dem Scheitern zurechtzukommen. Viele Vorhaben scheiterten und mußten wieder neu angeschoben werden.

Bei einem Wagnis ging das leider nicht mehr. Reinhold Messner hat seinen jüngeren Bruder Günther 1970 bei der Besteigung des Nanga Parbat verloren. Dieser hatte offensichtlich nicht mehr die Kraft zum Abstieg gehabt. Erst 2005 wurden seine sterblichen Überreste gefunden. Die genauen Umstände lagen lange im Dunkeln. Reinhold Messners Angaben über mögliche Hilfe seitens des Expeditionsteams unter Dr. Karl Maria Herrligkoffer waren und sind bis heute umstritten. Offensichtlich war Günther höhenkrank und wurde von einer Eislawine begraben. Er sei ihm ohne Absprache gefolgt, bemerkt Reinhold, der damals die Erstbesteigung des Nanga Parbat im Alleingang ohne Sauerstoffhilfe schaffte und damit den Alpinismus revolutionierte. Danach folgte auf die gleiche Weise die Erklimmung des Mount Everest und K2. Den Nanga Parbat hat er nochmals bestiegen. Nach seinen Himalaja-Abenteuern folgten Reisen auf Skiern und Schlitten zum Nord- und Südpol und eine Durchquerung der Wüste Gobi. Immer getrieben von der Sehnsucht nach Freiheit und Grenzenlosigkeit. Eine Sinnsuche in einer nahezu sinnentleerten Welt – von einem modernen Sisyphos. Der Soundtrack kommt deshalb nicht von ungefähr. Es sind Songs von Bob Dylan, die zu hören sind. Reinhold Messner mag ihn und schreibt selbst, keine Lieder, aber Bücher, hält Vorträge, engagiert sich für Umweltschutz und für Kinderprojekte in Nepal. Und er wohnt nicht mehr beengt, sondern auf Schloss Duval bei Meran.

Heinz-Jürgen Rippert

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