Mitgefühl, Weisheit und Humor

Stetiger Beliebtheit erfreut sich der Buddhismus gerade in Deutschland, wo der Dalai Lama zu den beliebtesten Persönlichkeiten zählen dürfte. Andere bedeutende Figuren der Religion bleiben da oft außen vor, so etwa Sogyal Rinpoche, Autor des Lehrbuchs „Das tibetische Buch vom Leben und von Sterben“. Boris Penths Film versucht Rinpoche Lehre vorzustellen, kommt aber nicht über Allgemeinplätze hinaus und ist wenig mehr als ein Werbefilm für den Buddhismus.

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Deutschland 2009, 100 Minuten
Regie: Boris Penth
Drehbuch: Janine Schulz, Boris Penth
Dokumentation
Verleih: Tao Cinemathek
Kinostart: 12. November 2009
 

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Sogyal Rinpoche wurde 1948 in Tibet in eine wohlhabende Familie geboren, die sich schon lange der Förderung des Buddhismus verschreiben hatte. Schon als Kind kam Rinpoche in das Kloster seines späteren Meisters Jamyang Khyentse Chökyi Lodrö, der ihn später als Reinkarnation des Lehrers des 13. Dalai Lamas erkannte. Zusammen mit dem gegenwärtigen 14. Dalai Lama, floh Rinpoche 1959 nach Indien, als die chinesischen Besatzer eine freie Religionsentfaltung in Tibet zunehmend unmöglich machten. Er führte ein geradezu westlich geprägtes Leben, studierte in Cambridge, diente als Übersetzer und bereitete Besuche des Dalai Lamas im Westen vor. 1992 schließlich veröffentlichte er „Das tibetische Buch vom Leben und Sterben“, das auf den alten Lehren des Tibetischen Totenbuches basiert. Bis heute wurde dieser Bestseller rund zwei Millionen Mal verkauft und hat Rinpoche zu einem Star-Autoren des Buddhismus gemacht. Doch darum geht es in Boris Penths Film nicht. Auch nicht um Rinpoches Rolle in Bernardo Bertoluccis Buddhismus-Kitsch-Films „Little Buddha.“ Und erst recht nicht um die schwerwiegende Anklage, der sich Rinpoche 1994 gegenübersah: Im wurde vorgeworfen über Jahre Schülerinnen mit seiner Position als Meister zum Sex verführt zu haben. Die Klage wurde schließlich außergerichtlich beigelegt, was einigen Raum zur Spekulation lässt.

Was Penth in seinem blumig betitelten Film tut, ist Rinpoche und seine Lehren in den höchsten Tönen loben, ihn als weisen Mann dazustellen, der den Weg zum Glück kennt und ihn mittels Bücher und Seminaren aufzuzeigen versteht. Prinzipiell ist natürlich nichts dagegen zu sagen, einen buddhistischen Lehrer wie Sogyal Rinpoche in einem Dokumentarfilm zu porträtieren. Auch dass dabei die buddhistischen Lehren nur äußerst oberflächlich angerissen werden können kann wenig verwundern. Immerhin erfährt man, das Lachen gesund ist, weswegen wohl Monty Python-Komiker John Cleese als Interviewpartner gewonnen wurde, was aber auch nicht eine wirklich bemerkenswerte Erkenntnis ist. Über das Leben von Rinpoche erfährt man nicht wirklich viel, umso mehr aber über den in Südfrankreich situierten Tempel Lerab Ling. Immer wieder wird dieser mit vom weichen Sonnenlicht beleuchteten Zeitlupenaufnahmen in Szene gesetzt, sieht man Jünger aus aller Welt, die von der tollen Zeit berichten, die sie dort, den Lehren Rinpoches folgend, verbracht haben. Hier wirkt der Film dann endgültig wie ein Werbefilm: „Die Lehren Rinpoches haben mir geholfen mit dem Tod meines Vaters umzugehen“ berichtet eine Dame und fast erwartet man da eine Telefonnummer eingeblendet zu sehen, bei der man Rinpoches Buch bestellen kann. Bei all dieser unkritischen Lobhudelei bleibt der Erkenntnisgewinn dieses Films sehr bescheiden und wird der Komplexität des wahren Buddhismus, jenseits des westlichen Pop-Buddhismus, in keiner Weise gerecht.

Michael Meyns

Von den vier großen Weltreligionen Judentum, Christentum, Islam und Buddhismus scheinen sich in den letzten Jahren vor allem die beiden letztgenannten im Auftrieb zu befinden.

Um den Buddhismus geht es in diesem Dokumentarfilm, genauer gesagt darum, was der führende Lama und Buddhismus-Theoretiker Sogyal Rinpoche, Autor der Erfolgsschrift „Das tibetische Buch vom Leben und Sterben“ dazu zu sagen hat.

Klöster und Mönche, Gebete und Riten, Tempel und Landschaft bilden den Rahmen, im Mittelpunkt aber steht, was Rinpoche berichtet: beispielsweise über seine Kindheit, die Flucht aus Tibet und die Aufnahme in die königliche Familie von Sikkim; über seine westliche Ausbildung in Cambridge, wo er Vergleichende Religionswissenschaften studierte; über die Reinkarnation, besonders diejenige buddhistischer Lamas, Lehrer und Meister; über das eminent wichtige Verhältnis zwischen Meister und Schüler; über die spirituelle Leitidee Buddhismus, die dazu bestimmt ist, den Geist zu zähmen, ihn nicht zu manipulieren, Leid für andere zu vermeiden, Gutes zu tun; darüber, wie der Buddhismus „alte Weisheiten für die moderne Welt“ parat hält; über den Buddhismus als „Geschenk an die Welt“; darüber, dass Gutes, Göttlichkeit und Buddha-Natur ein und dasselbe sind; darüber, dass „liebende Güte zu vermehren“ sei; über die Meditation; darüber, was Gier anzurichten imstande ist; über die Verdrängung des Todes in der westlichen Welt; über den Tod als natürliches Gegenstück zum Leben, ja geradezu als dessen Fortsetzung.

Wer der Lehre Buddhas und der Buddhismus-Idee aufgeschlossen gegenüber steht, kann aus diesem formal eher nüchternen Dokumentarfilm, in dem sich Sogyal Rinpoche gerne ein wenig in den Vordergrund stellt, zweifellos Nutzen ziehen.

Eine umfassende buddhistische Lehrstunde.

Thomas Engel