Mond und andere Liebhaber, Der

Auch in seinem zweiten Kinospielfilm vertraut Regisseur Bernd Böhlich der hauptdarstellerischen Kraft von Katharina Thalbach. „Der Mond und andere Liebe“ ist erneut ein melancholisches Märchen über eine Frau jenseits der 50, die mit ihren zahlreichen Schicksalsschlägen trotz ursprünglich positiver Denke nicht mehr umzugehen weiß. In seiner Mischung aus Tragik, Komik und Gefühlsduselei trägt der auch fürs Drehbuch verantwortliche Böhlich jedoch eine Spur zu dick auf.

Webseite: www.neuevisionen.de

Deutschland 2008
Regie: Bernd Böhlich
Darsteller: Katharina Thalbach, Fritzi Haberlandt, Birol Ünel, Andreas Schmidt, Steffen Scheumann
101 Minuten
Verleih: Neue Visionen
Kinostart am 24.7.08

PRESSESTIMMEN:

 

Regisseur Bernd Böhlich gelingt ein tragikomischer Spätsommernachtstraum.
Der Spiegel

…mit so poetisch schönen Bildern, mit so großen Momenten der Komik und des Leidens, mit so viel Liebe, das man sich am Ende nur wünscht, solches Kino würde es in Deutschland häufiger geben."
KulturSPIEGEL

Dieser Frau sieht man gern zu, obwohl sie nicht mehr jung ist und auch nicht auf der Höhensonnenseite des Lebens anzutreffen. Hanna ist um die fünfzig, ziemlich klein und pummelig, und dann hat sie auch nicht immer einen Job, und wenn sie einen hat, dann ist es keiner, bei dem man heutzutage etwas hermacht. Würstchen verkaufen in der Tankstelle, im Call-Center für dubiose Gewinnspiele werben – das hat keinen Glanz. Und doch strahlt Hanna oft wie von innen; wenn es ihr gut geht, kann sie alles sein: überschwänglich, mädchenhaft, kraftvoll, verführerisch. Ihr Leben in der kleinen Stadt ist klein, aber ihre Lebendigkeit ansteckend. Der Regisseur Bernd Böhlich erzählt Hannas Geschichte in seinem neuen Film "Der Mond und andere Liebhaber", und er hat großes Glück, weil Katharina Thalbach die Hauptrolle spielt: Sie leitet nicht nur Hanna durch das mannigfaltige Unglück, das dieser Frau zustößt, sondern trägt gleich einen ganzen Film. 
Berliner Zeitung

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FILMKRITIK:

Nach seinem im Plattenbaumilieu spielenden und von Arbeitslosigkeit handelnden Spielfilmdebüt „Du bist nicht allein“ hat sich Bernd Böhlich ein weiteres Mal einer Geschichte aus dem Kleinbürgermilieu angenommen. Verortet hat er sie in der Kleinstadt Grimma (Sachsen), wo soeben eine Kosmetikfabrik in die Luft gesprengt wurde und Hanna (Katharina Thalbach) und ihrer Freundin Dani (Fritzi Haberlandt) die Arbeit entzogen ist. Während die jüngere Dani an diesem Schicksalsschlag fast verzweifelt, scheint die Lebensfreude der etwa 50-jährigen Hanna ungebremst. Bei einem Konzert der Rockband Silly (auch für den Soundtrack verantwortlich) lässt sie sich treiben, schmeißt sich gar dem Gitarristen an den Hals. Nicht genug des Glücks: sie gewinnt auch noch eine Reise in die Türkei. Dass es dort regnet, lässt sie unbeeindruckt. 

Sich treiben lassen: nach diesem Prinzip ist Hanna bisher nicht schlecht gefahren. Irgendwie ging das Leben eben immer weiter. Doch nun wird die naive, leichtgläubige, leidenschaftliche und sinnliche Frau aus ihrer Umlaufbahn katapultiert. Nachdem sie ihrer Tochter (Sarah Blaßkiewitz) ihr Auto verweigert hat, kommt diese bei einem Verkehrsunfall im Wagen einer Freundin um. Hanna fühlt sich innerlich schuldig, auch wenn sie es nicht zeigt. Was ihr fehlt, ist ein Mann, der sie stützt. Doch jener, den sie auf einem Markt kennen lernt (Birol Ünel) ist schon vergeben. Und jener, den sie überraschend heiratet (Steffen Scheumann), ihr menschlich nicht ebenbürtig. 

„Der Mond und andere Liebhaber“ erzählt von Hoffnungen und Träumen im Leben von Menschen, die sich oftmals nicht erfüllen. Katharina Thalbach hat ihre Hanna vielleicht etwas zu überschwänglich angelegt, gleich zu Beginn denkt man: wie eine Kopie ihrer Figur in Böhlichs Vorgängerfilm „Du bist nicht allein“, wo sie eine verängstigte Nachtwächterin spielte. Thalbach nun wieder mit großem Mundwerk und träumerischen wie rollenden Augen dem Schicksal entgegentreten zu sehen, erscheint aber oft überstrapaziert. 

Böhlich provoziert hier freilich auch, schafft herbe Gegenpole zu umgekehrt romantisch-witzigen Situationen. Als Hanna am Bahnhof ein Buch mitgehen lässt, fällt der Satz „Jetzt wird man schon im eigenen Land von Russen beim Klauen erwischt.“ Den ihre Personalien aufnehmenden Kioskbesitzer lässt das ziemlich dumm dastehen. In einer Szene mit Birol Ünel wiederum muss Hanna die Kunst des Handelns lernen. In ihrer Leichtgläubig- und Lebhaftigkeit schießt sie gegenüber dem Rest des Personals immer wieder übers Ziel hinaus. Der Gipfel des Dramaturgischen ist schließlich eine Situation, die mit dem Ausspruch „lieber arm dran als Arm ab“ wenigstens noch sarkastisch beschrieben wäre. Für Hanna ist sie schmerzhafter.

 

Thomas Volkmann

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Es muss die Midlife-Krise sein, die Hanna (Katharina Thalbach) so durcheinander wirbelt. Sie scheint nicht immer recht unterscheiden zu können, was Gefühl ist, was Liebe, was Leben.

Als ihr Betrieb Pleite macht, arbeitet sie an einer Tankstelle, versucht es später vergeblich in einem Call-Center, und auch als Geschirrspülerin ist sie tätig. Sie lässt sich von Freunden (Fritzi Haberlandt und Andreas Schmidt) die Übernahme einer Kneipe aufschwatzen, doch dauert es nicht lange, bis sie bankrott ist.

Sie liebt Gansar (Biro Ünel) aus Kaschmir, aber der ist gebunden. Sie heiratet einen Apotheker (Steffen Scheumann), die Ehe hält nicht viel länger als einen Tag.

Sie lacht, weint, will sich das Leben nehmen, als sie ihre Tochter Karla verliert, räsoniert dann wieder und fasst den Entschluss, jetzt Ordnung in ihr Leben zu bringen und es zu meistern, nicht auf den Bauch zu hören, sondern auf den Kopf. Es hat den Anschein, als sähe sie in stillen Nachtstunden den Mond als ihren Verbündeten an. Mit ihrem Vorsatz, „normal“ zu leben, kommt sie nicht weit. Schon wieder schlägt sie einen Haken.

Als Lebensmärchen fasst Regisseur Bernd Böhlich diese Geschichte auf. Der Ablauf ist alltäglich oder dramatisch, voller Pessimismus und dann wieder voller Zuversicht, voller kleiner Romantik und dann wieder voller Schmerz.

Wie immer dies einem gefallen mag, der Film hat einen großen Trumpf: Katharina Thalbach als Hanna. Ihr Gesicht ist allgegenwärtig, ihre Ausdrucksfähigkeit außergewöhnlich. Die Mimik beherrscht alle Regungen, das Freudestrahlen ist ebenso da wie der Mut zur Hässlichkeit.

Thomas Engel