Insel der Abenteuer, Die

Auf einer einsamen Insel im Pazifik lebt Nim mit ihrem Vater Jack ein unbeschwertes Leben zwischen Tieren und Natur. Wichtigste Verbindung zur Außenwelt ist die Romanfigur Alex Rover, die Nim um Hilfe bittet, als zunächst ein Sturm und dann eine Horde Touristen die Idylle zu zerstören drohen. Bis am Ende der Frieden wieder hergestellt ist, muss Nim in diesem hübschen, aufwändig produzierten Kinderfilm abwechslungsreiche Abenteuer überstehen.

Webseite: www.insel-der-abenteuer-film.de

OT: Nim’s Island
USA 2007
Regie: Mark Levin & Jennifer Flackett
Buch: Mark Levin, Jennifer Flackett, Paula Mazur & Joseph Kwong
Darsteller: Abigail Breslin, Jodie Foster, Gerard Butler, Christopher Baker, Peter Callan, Michael Carman
96 Minuten, Format: 1:2,35 (Scope)
Verleih: Universal Pictures International
Kinostart: 19. Juni 2008

PRESSESTIMMEN:

…auf film-zeit.de

FILMKRITIK:

Als Nim (Abigail Breslin) ein kleines Mädchen war, starb ihre Mutter auf hoher See. Zusammen mit ihrem Vater, dem Meeresbiologen Jack (Gerald Butler), entfloh Nim daraufhin der Zivilisation und fand auf einer kleinen Insel im Pazifik ein neues zu Hause. Fernab von anderen Menschen lebt sie dort in einem Haus voller Spielereien, ausgefallenen Geräten und vielen Tieren. Besonders mit dem Leguan Fred, der Seelöwin Selkie und dem Pelikan Galileo pflegt sie ein freundschaftliches Verhältnis, das Ersatz für fehlende menschliche Beziehungen ist. Ihre Schule ist das Leben und die vielen Bücher, die sie mit ihrer Phantasie zum Leben erweckt. So auch die Abenteuer von Alex Rover – einer Version von Indiana Jones (ebenfalls gespielt von Gerald Butler) – die Nim mit der anderen Frauenfigur des Films verbindet. Denn fernab von der Insel lebt in San Francisco die Autorin Alexandra Rover (Jodie Foster) und brütet an ihrem Computer über dem neuesten Alex Rover Abenteuer. Sie ist das genaue Gegenteil von Nim: Die Natur ängstigt sie, Kontakt zu fremden Menschen, der schmutzigen Welt sucht sie so weit es geht zu vermeiden, ihr Haus hat sie seit Monaten nicht verlassen. Natürlich wird das nicht so bleiben und das kommt so: Auf der Suche nach einem neuen Sujet für ihren Roman, stößt Alexandra auf einen Artikel von Jack und kontaktiert ihn per email. Doch Jack ist gerade mit seinem Boot unterwegs und nach einem Sturm in Seenot. Nim, die glaubt es mit dem echten Alex Rover zu tun zu haben, bittet ihn bzw. sie, ihr zu Hilfe zu kommen. Angestachelt von Alex Rover, der für Alexandra ebenso real ist wie für Nim, macht sie sich auf den Weg in den Pazifik, mit dem Ziel Nim zu retten.

Die hat derweil noch andere Sorgen. Nicht nur, dass ihr Vater sich seit Tagen nicht meldet, nun legt auch noch ein Kreuzfahrtschiff mit einer Horde ausgelassener Touristen auf der vermeintlich verlassenen Insel an. Nim sieht ihr Paradies bedroht und beginnt – in bester „Kevin, allein zu Haus“-Manier – mit der Vertreibung der Eindringlinge. Gleich drei Handlungsstränge laufen also parallel, was ein bisschen viel ist für einen Kinderfilm, aber so muss das heutzutage wohl sein. Während die Geschichte des Vaters, der auf hoher See auf seinem fahruntüchtigen Boot den Elementen trotzt, etwas außen vor und blas bleibt, macht besonders der Gegensatz zwischen Nim und Alexandra Spaß. Während Nim langsam akzeptieren muss, dass es auch eine Welt jenseits ihrer Phantasie gibt, lernt Alexandra auf haarsträubende Weise mit der Natur zu leben und verlässt ein für alle Mal die Enge ihres Puppenhauses.

Das Ganze hat das Regisseursduo Mark Levin und Jennifer Flackett solide in Szene gesetzt, mit schönen Aufnahmen der wilden Natur, den heutzutage unvermeidlichen Computereffekten, aber auch etlichen originellen Bildeinfällen. Besonders Gerald Butler hat in seiner Doppelrolle – vor allem als Abenteurer Alex Rover – ganz offensichtlich viel Spaß am aufgekratzten Spiel, das aber immer die Balance zwischen Klamauk und Emotionen hält. Und Abigail Breslin zeigt nach „Little Miss Sunshine“ erneut ihr Talent als ausdrucksstarke Jungschauspielerin jenseits der typischen Hollywood Klischees.

Michael Meyns

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Nim ist ein aufgewecktes Mädchen, das mit seinem Vater, einem nach Algen forschenden Wissenschaftler, derzeit auf einer Südseeinsel lebt. Die beiden sind komfortabel eingerichtet, sie planen offenbar einen längeren Aufenthalt.

Der Vater wird mit seinem Boot auf dem Meer von einem Hurrikan überrascht, gerät in Seenot, kommt zunächst nicht mehr zurück. Nim ist jetzt mit ihren Tieren, darunter ein Pelikan, eine Echse und ein riesiger Seelöwe, ganz allein. Sie liest, spielt, vertreibt sich die Zeit mit den Tieren, sie klettert, sie versucht, einen großen, lärmigen, ungehobelten Touristenschwarm abzuwehren, der die Insel aufgesucht hat. Sie hält auch immer wieder nach ihrem Vater Ausschau. Manchmal fürchtet sie sich und braucht Hilfe.

Könnte sie die, imaginär oder real, von Alex(andra) Rover erhalten, der furchtsamen, hypernervösen, überkandidelten, zurückgezogen lebenden Autorin ihrer Lektüre oder von deren alter Ego, das im Hintergrund ebenfalls eine wichtige Rolle spielt und zum Beispiel allen Beteiligten gute Ratschläge erteilt? Kommt Alex gar zu ihr auf die Insel? Kehrt der Vater endlich wieder zurück? Entsteht möglicherweise sogar eine neue Familie?

Ein realitätsferner, auf einer literarischen Vorlage von Wendy Orr fußender reiner Phantasie-Stoff. Erfindung, Spiel, Abenteuer, Digitalkino und Dramatik sind zwar ein wenig willkürlich gemischt, Märchen- und Gefühlsliebhaber könnten das aber eventuell trotzdem goutieren.

Jodie Foster spielt die Alexandra Rover. Sie gilt als Spitzenschauspielerin, jedoch wäre bei ihrer Darstellung der leicht verrückten Schriftstellerin weniger zweifellos mehr gewesen. Qualitativ einigermaßen angehoben wird der Film durch die Art und Weise, wie die junge Abigail Breslin die Figur der Nim verkörpert. Die kleine Schauspielerin ist talentiert, liebenswert und hübsch. Um ihre künstlerische Zukunft braucht sich keiner Sorgen zu machen.

Thomas Engel