Monsieur Robert kennt kein Pardon

Was als schräge Farce beginnt, hätte eine prachtvolle Klamauk-Komödie werden können, entwickelt sich aber eher zum freundlichen Familienfilm.
Es geht um einen pensionierten Grundschullehrer, grandios gespielt von Christian Clavier („Monsieur Claude“), der mit Hilfe seiner Mutter (Isabelle Nanty) einen Rachefeldzug gegen eine Kinderbande führt, die ihn in der Vergangenheit gequält hat.

 

Über den Film

Originaltitel

Les vengeances de Maître Poutifard

Deutscher Titel

Monsieur Robert kennt kein Pardon

Produktionsland

BEL, FRA

Filmdauer

81 min

Produktionsjahr

2023

Regisseur

Martin-Laval, Pierre-François

Verleih

24 Bilder Film GmbH

Starttermin

05.03.2026

 

Der Grundschullehrer Robert Poutifard lebt bei seiner Mutter, obwohl er schon kurz vor der Pensionierung steht. Er ist immer noch Junggeselle, und schuld daran ist eine Kinderbande, die vor mehr als 20 Jahren verhindert hat, dass er seine große Liebe Claudine (Jennie-Anne Walker) heiraten konnte. Inzwischen sind die Kinder von damals erfolgreiche Erwachsene. Die kesse Audrey, das Gehirn der Bande, ist heute ein umjubelter Popstar (Kézia Quental), aus ihrem Banknachbarn Anthony, einem Jungen mit Engelsgesicht und teuflischem Charakter, wurde ein berühmter Sternekoch (Roby Schinasi), und die dussligen Zwillinge Mélanie und Camille (Noémie Chicheportiche und Salomé Partouche) – laut Poutifard: zwei Köpfe, aber nur ein Gehirn – machen Karriere als Influencerinnen. Poutifard möchte die Existenz der vier ehemaligen kleinen Bestien zerstören, und seine jahrzehntelang heimlich gehegten Rachepläne werden schließlich auch von seiner Mutter unterstützt, die ihm in nichts nachsteht, wenn es um Gemeinheit und Tücke geht.

Los geht’s mit Bildern aus Poutifards „Tagebuch der Demütigungen“, und das ist sehr hübsch und liebevoll gemacht. Poutifard erweist sich keineswegs als engagierter Lehrer, sondern eher als das Gegenteil. Er leidet unter seinem Beruf und ist ein willkommenes Opfer für Schulstreiche. Der einzige Hoffnungsschimmer im Leben des geplagten Paukers ist die Begegnung mit seiner neuen Kollegin Claudine (Jennie-Anne Walker). Die beiden verlieben sich, und für kurze Zeit blüht Poutifard auf, manchmal verzieht er seine grimmige Standardmiene sogar zu einem kleinen Lächeln. Doch seine Schülerin Audrey schwört: „Ich werd dich fertigmachen, Poutifard!“, und tatsächlich gelingt es ihr mit Unterstützung der anderen drei Bratzen, die Verlobung des Liebespaares zu verhindern.

Viele Jahre hat Poutifard seine Rachegedanken mit sich herumgetragen, jetzt ist er pensioniert und kann endlich die Revanche in Angriff nehmen. Als Erster ist Anthony dran, ein Meisterkoch, der seine Angestellten im Sternerestaurant genauso quält wie seinerzeit seinen Lehrer. Mit Unterstützung von Rambo, einem riesigen Kampfhund, zerlegt der Ex-Pauker das Restaurant.

Doch leider ist danach die Luft aus der Komödie erstmal raus. Was mit den Influencerinnen passiert, ist nicht halb so komisch wie die Saalschlacht mit Rambo. Und schließlich entdecken Poutifard nebst Mama auch noch ihr Herz, als es dem Popstar O’Drey an den Kragen gehen soll. Sie erfahren, dass Audrey ein schweres Schicksal zu tragen hat – ihr Sohn ist schwer krank. Da bleibt nur noch eins: Es muss ein Happy End her, und das wirkt dann doch ziemlich gezwungen.

Nicht einmal Christian Clavier kann daran etwas ändern. Er zieht immerhin alle Register seines komödiantischen Könnens, und das gilt auch für Isabelle Nanty, die im 60er-Jahre-Look mit aufgeplusterter Spray-Frisur seine Mutter spielt. Da stimmt die Chemie, während die übrigen Figuren als Charaktere eher grob geschnitzt sind und ihre comicmäßige Gestaltung nicht konsequent durchgeführt wird. Offenbar wurde hier versucht, den Stoff, der auf einem in Frankreich sehr bekannten Kinderbuch basiert, für ein möglichst großes Publikum zu aktualisieren und an den eher braven Zeitgeist anzupassen. Dabei bleibt leider der schräge Witz etwas auf der Strecke, und auf einen herrlich boshaften und temporeichen Start folgt ein allzu freundlicher, versöhnlicher Schluss.

 

Gaby Sikorski

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