Morgen sind wir frei

1979 war das Schicksalsjahr für die iranische Gesellschaft: Nach der Revolution verwandelte Religionsführer Ruhollah Chomeini den Iran in einen rückwärtsgewandten, islamistischen Gottesstaat und überzog das Land mit Terror und Folter. Das historische, auf Tatsachen basierende Drama „Morgen sind wir frei“ erzählt von einer idealistischen Familie aus der DDR, die in die Wirren jener Ereignisse gerät. Ein Film über den bedingungslosen Kampf um Freiheit, schwerwiegende Entscheidungen und politische Umwälzungen, deren Folgen bis heute spürbar sind.

Webseite: www.littledream-entertainment.com

Deutschland 2019
Regie & Drehbuch: Hossein Pourseifi
Darsteller: Reza Brojerdi, Katrin Röver, Luzie Nadjafi, Zar Amir Ebrahimi
Länge: 97 Minuten
Kinostart: 14. November 2019
Verleih: Little Dream Pictures

FILMKRITIK:

Februar 1979: Die „Islamische Revolution“ fegt über den Iran hinweg. Mittendrin befinden sich die Chemikerin Beate (Katrin Röver) und ihr iranisch-stämmiger Ehemann Omid (Reza Brojerdi), die vor kurzem in Omids Heimat zurückgekommen sind. In den letzten Jahren lebten die Beiden gemeinsam mit ihrer achtjährigen Tochter Sarah (Luzie Nadjafi) in der DDR. Nach dem Ende der Monarchie hofft die Kleinfamilie auf einen gelungenen Neustart für sich und das Land. Doch nach der anfänglichen Aufbruchsstimmung verschlimmert sich die Lage immer weiter – vor allem für Beate und Sarah.

„Morgen sind wir frei“ ist das Langfilm-Debüt von Hossein Pourseifi, der bislang vor allem Kurzspielfilme drehte. Er verfilmt die auf wahren Begebenheiten beruhende Geschichte einer Familie, die die dramatischen Konsequenzen der Revolution am eigenen Leib erfuhr. In den Hauptrollen besetzte er mit Katrin Röver und Reza Brojerdi zwei erfahrene Darsteller: Röver wirkte in etlichen öffentlich-rechtlichen (Ko-) Produktionen wie „Call me god“ und „SOKO Leipzig“ mit, Brojerdi kennt man aus Produktionen wie „Tatort“ und „Notruf Hafenkante“.

Als Zuschauer erlebt man am Beispiel der Kleinfamilie die erschütternden Ereignisse im Iran ab den späten 70er-Jahren hautnah mit. So erhält man einen eindringlichen, authentischen Eindruck dessen, wie es zur Machtergreifung der Mullahs kam. Damit weist der Film gleichzeitig eine hohe Aktualität auf, denn das Mullah-Regime begeht bis heute Menschenrechtsverletzungen und geht radikal gegen Andersdenkende vor. Doch am Anfang steht die Hoffnung.

Diese manifestiert sich etwa im Verhalten von Omid in dem Moment, als er in den Nachrichten vom Sturz des alleinherrschenden Schahs durch die Revolutionäre erfährt. Jubelnd und überschäumend vor Glück steht Omid da und lässt seine Frau sogleich wissen, dass einer Rückkehr in seine Heimat nun nichts mehr im Wege stehe. Schon früh im Film baut Pourseifi immer wieder Original-Aufnahmen jener Tage in seine Handlung ein – so auch in diesem Moment der aufkeimenden Zuversicht. Zu sehen sind Straßenproteste und Interviews mit dem religiösen Führer Ruhollah Chomeini, der islamischen Symbolfigur. Chomeini kam aus dem französischen Exil zurück und versprach bessere Lebensbedingungen und Wohlstand. Tatsächlich aber verwandelte er den Iran in einen autarken, fundamentalistischen „Islamischen Staat“.

Diese die realen Ereignisse aufzeigenden TV-Ausschnitte und Amateur-Aufnahmen verleihen „Morgen sind wir frei“ eine dokumentarische Aura. Und sie ergänzen auch im weiteren Verlauf der Handlung die Spielszenen perfekt. Wenn der Familie, die sich im Iran eine sorgenfreie Zukunft in einem demokratischen Staat erträumt hat, langsam klar wird, dass Chomeini seine theokratische Gewaltherrschaft installiert, kippt auch die Stimmung im Film. Optimismus und Hoffnung weichen einer allumfassenden Atmosphäre der Gefahr, Bedrohung und Verfolgung.

Schonungslos und ungeschönt zeigt der dicht und geradlinig inszenierte Film die dramatischen Folgen für die Bevölkerung auf, allen voran für die Frauen. Von der Steinigung und Folterung abertausender Oppositioneller, dem landesweiten Kopftuchzwang bis hin zur willkürlichen Verhaftung von Frauen, die sich den steinzeitlichen, rückständigen Gesetzen und Vorschriften wiedersetzten. Dabei profitiert „Morgen sind wir frei“ jederzeit vom aufrichtigen und kraftvollen Spiel seiner Darsteller, die ihre Rollen mit unbändiger Energie verkörpern. Allen voran die beiden Hauptdarsteller.

Björn Schneider