My Sweet Pepper Land

Eine anfangs groteske, später zunehmend ernste Geschichte über Politik und die Liebe in Kurdistan, irgendwo im Grenzgebiet zwischen Irak, Iran und der Türkei erzählt Hiner Saleem in seinem neuesten Film. Viele gesellschaftlich relevante Themen werden in „My Sweet Pepper Land“ angerissen, die Schönheit der Landschaft zelebriert und die Hoffnung auf Veränderung beschworen.

Webseite: www.rapideyemovies.de

Frankreich, Deutschland, Kurdistan 2013
Regie, Buch: Hiner Saleem
Darsteller: Golshifteh Farahani, Korkmaz Arslan, Suat Usta, Mir Murad Bedirxan, Feyyaz Duman, Tarik Akreyi
Länge: 95 Minuten
Verleih: Rapid Eye Movies
Kinostart: 27. März 2014

PRESSESTIMMEN:

„Ein kurdischer Western, stilvoll inszeniert vor malerischer Bergkulisse“
Frankfurter Rundschau

„…ein Western, der die Figuren und Themen des Genres im irakisch-türkischen Grenzgebiet erfrischend neu in Szene setzt.“
DIE ZEIT online

„Hiner Saleem hat mit seiner außergewöhnlichen Melange aus verschiedenen Genrestilen einen hoch spannenden und emotionalen Film geschaffen“
Kölnische Rundschau

„Angesiedelt in grandioser Landschaft mit weiten Tälern schwelgt der Film in großen Kinobildern.“
Tip Berlin

FILMKRITIK:

Jahrelang hat Baran (Korkmaz Arslan) für die kurdische Unabhängigkeit im Irak gekämpft, jetzt ist er des Kampfes überdrüssig. Doch zu Hause kommt er nicht zur Ruhe, denn seine Mutter stellt ihm ständig unverheiratete Frauen vor, damit Baran endlich eine Familie gründet. Da kommt das Angebot gerade recht, in einem abgelegenen Bergdorf Polizeichef zu werden und dem Schmuggel in der Grenzregion zwischen Irak, dem Iran und der Türkei einzudämmen.
 
Gleichzeitig mit Baran kommt auch eine andere Person in das Dorf: Die junge Lehrerin Govend (Golshifteh Farahani), die ihren Vater erst nach langer Diskussion, mit der Kraft ihrer Argumente dazu überreden konnte, sie alleine, als unverheiratete Frau in das Dorf zu lassen. Dort empfängt man sie mit skeptischem Blick, nicht nur, weil sie eine allein stehende Frau ist, sondern auch, weil sie Bildung und Wissen in ein Dorf am Ende der Welt bringen will.
Herrscher über das Dorf ist nicht etwa das Gesetz, sondern Aziz Aga (Tarik Akreyi), der Pate, der mit seine Lakaien zu jedem losschickt, der seine Ordnung in Frage stellt.
 
Doch davon will Baran nichts wissen: Der neue Sheriff im Dorf stellt sich nicht nur gegen Aziz Aga und seine Leute, sondern unterstützt auch eine Gruppe von Freiheitskämpferinnen, die sich in den umliegenden Gebirgen versteckt halten und mit ihren Aktionen die Schmuggelrouten gefährden. Schnell muss Baran jedoch feststellen, dass Aziz nicht so leicht beizukommen ist, zumal auch der Richter auf seiner Gehaltsliste steht. Dass zudem Gerüchte über eine angebliche Liaison zwischen Baran und Govend in Umlauf gebracht werden, macht die Sache nicht leichter.
 
Als kurdischen Western bezeichnet der im Irak geborene Hiner Salem, der schon lange in Frankreich lebt und mit Filmen wie „Vodka Lemon“ und Kilomètre Zéro“ international bekannt geworden ist, seinen Film. Und manches an „My Sweet Pepper Land“ erinnert auch an das klassischste der amerikanischen Genres: Die Einsamkeit einer Grenzregion, ein neuer Polizist bzw. Sheriff, der sich allein gegen die ungesetzliche Macht eines selbsternannten Herrschers stellt. Nicht zuletzt betonen Saleem und sein Kameramann Pascal Auffray mit eindrucksvollen Bildern der kurdischen Landschaft, aber auch von Männern auf ihren Pferden, die Affinität zum Western.
 
Vor allem jedoch ist „My Sweet Pepper Land“ klassisches Arthouse-Kino, das manchmal vielleicht etwas zu sehr den Mustern dieses Genres folgt: Allerlei soziale Probleme werden angerissen, von der Korruption, über die patriarchalischen Strukturen, bis hin zur Betonung der Bedeutung von Bildung für die Entwicklung einer funktionierenden Zivilgesellschaft. So deutlich bewegt sich Saleem auf diesen politisch korrekten Pfaden, dass er durch das Übermaß der Stereotype wieder etwas Eigenes schafft: Einen stark gefilmten, gut gespielten Abenteuerfilm im doch noch immer ziemlich wilden Kurdistan.
 
Michael Meyns