Nicht mein Tag

In “Nicht mein Tag“ gerät das geordnete Leben eines braven Bankberaters nach einem nicht ganz geglückten Banküberfall vollkommen aus der Bahn. Peter Thorwarth, der Ende der 1990er Jahre mit dem Gaunerstück „Bang Boom Bang – Ein todsicheres Ding“ nicht nur im Ruhrgebiet Kultstatus erlangte, meldet sich mit der Verfilmung des Bestsellers von Ralf Husmann („Stromberg“) zurück. In den Hauptrollen agieren Axel Stein und Moritz Bleibtreu als ungleiches Duo, das sich mit der Polizei, einer albanischen Bande und anderen schrägen Typen anlegt. Das Ergebnis ist eine rasante Gangsterkomödie, der es jedoch gelegentlich an Esprit und Eigenständigkeit mangelt.

Webseite: www.nichtmeintag.de

D 2013
Regie: Peter Throwarth
Drehubuch: Peter Thorwarth, Stefan Holtz nach dem Roman von Ralf Husmann
Darsteller: Moritz Bleibtreu, Axel Stein, Anna Marie Mühe, Jasmin Gerat, Nele Kiper, Ben Ruedinger, Ralf Richter
Laufzeit: 115 Minuten
Kinostart: 16.1.2014
Verleih: Sony

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Im Leben von Till Reiners (Axel Stein) hat alles seine Ordnung. So akkurat und aufgeräumt wie sein Schreibtisch ist auch das Leben des Bankangestellten und Familienvaters. Man könnte es auch langweilig nennen und in Till den Prototypen des deutschen Spießers sehen, der Tag für Tag in der immergleichen Routine gefangen scheint. Während seine Frau (Anna Maria Mühe) versucht, sich als Designerin zu verwirklichen, geht er seinem biederen, meist ereignislosen 9-to-5-Job nach. Auch seiner Ehe fehlt schon länger jede Leidenschaft. Da trifft es sich gut, dass Gelegenheitsgangster Nappo (Moritz Bleibtreu) dringend Geld braucht und sich diese bei einem Banküberfall besorgen möchte. Till scheint elektrisiert von der Gefahr, die plötzlich über sein Leben hereinbricht. Ohne lange zu überlegen bietet er sich Nappo als dessen Geisel und Fluchtwagenfahrer an.

Welche Kette aberwitziger Ereignisse er damit in Gang setzt, ahnen weder er noch sein neuer Freund, der mit der Situation alsbald überfordert scheint. Eigentlich will Nappo nur auf seine Freundin (Jasmin Gerat) mit einer neuen, schicken Karre und einer spontanen Urlaubsreise Eindruck machen. Doch das sagt sich so leicht mit einer Geisel im Kofferraum und der Polizei im Nacken. Die Erkenntnis, dass der Banküberfall keine so gute Idee war, teilt der Möchtegern-Bankräuber schon bald mit dem Zuschauer, der ahnt, welche Wendungen die Geschichte im weiteren Verlauf noch nehmen wird. Denn letztlich funktioniert „Nicht mein Tag“ nach den Prinzipien der meisten erfolgreichen Gangsterkomödien, in denen das kontrollierte Chaos die Akteure von einem Fettnapf zum nächsten stolpern lässt.

Till und Nappo geben sich dann auch alle Mühe, kein noch so absurdes Missgeschick auszulassen. Höhepunkt ihrer Fettnapf-Kaskade ist ein von Alkohol und anderen Rauschmitteln begleiteter Amsterdam-Trip, der von Regisseur Peter Thorwarth – genre-erfahren seit dem kultigen Ruhrpott-Gaunerstück „Bang Boom Bang“ – in ein ekstatisches Schnitt- und Bildgewitter verpackt wird. Auch wenn „Nicht mein Tag“ dabei jedes erdenkliche Amsterdam-Klischee bedient, läuft der ansonsten etwas zu zahme Film hier zur Hochform auf. Zu verdanken ist diese Energieleistung vor allem Axel Stein, der zudem in den ruhigeren Szenen beweist, dass er sein altes Blödel-Image komplett abstellen kann. Die Rolle des biederen Bausparers und treusorgenden Familienvaters füllt er mehr als überzeugend aus, wobei ihm sicher die radikale Veränderung seiner Statur dabei hilft. Und doch hat es Steins Kollege Moritz Bleibtreu vom Start weg deutlich einfacher. Seit „Knockin’ on Heaven’s Door“ war er schon desöfteren in recht ähnlichen Rollen zu sehen. Der überforderte Ganove mit dem Herz am rechten Fleck ist für ihn daher ein Selbstläufer und für uns Zuschauer eine weitgehend durchschaubare Figur.

Basierend auf dem Bestseller von „Stromberg“-Autor Ralf Husmann navigiert Peter Thorwarth die Story auch ansonsten meist entlang unserer Erwartungen. „Nicht mein Tag“ folgt stets dem Konzept einer klassischen Gnagster-/Buddy-Komödie. Dazu gehören natürlich reichlich schräge Nebenfiguren – in Gastrollen sind unter anderem Thorwarths alte „Bang Boom Bang“-Weggefährten Ralf Richter und Christian Kahrmann zu sehen –, dosierte Action, eine Portion Lokalkolorit und durchaus treffsichere Pointen. Dennoch ist Husmanns trockener Humor, sein Blick für die Absurditäten des (Arbeits-)Alltags, im Film viel zu selten spürbar. So grotesk wie die zu Beginn inszenierte Jubiläumsfeier in der Bank, die natürlich an „Stromberg“ erinnern soll, wird es später leider nie mehr. Obwohl Thorwarth das Tempo in der zweiten Hälfte nochmals anzieht, stellen sich früher oder später doch gewisse Längen und Abnutzungserscheinungen ein. Man wird das Gefühl nicht los, das alles schon einmal gesehen zu haben. Dafür braucht es noch nicht einmal den Vergleich mit englischen oder skandinavischen Gangsterfilmen. Es reicht schon ein Blick auf Thorwarths eigene Arbeiten, um von „Nicht mein Tag“ leise enttäuscht zu sein.

Marcus Wessel