Nouvelle Vague

Jean-Luc Godards „Außer Atem“ gilt als einer der großen Klassiker der Nouvelle Vague, der die Technik des Kinos auch beeinflusste, weil der Regisseur auf holprige Jump-Cuts setzte, aber so eine eigene Bildsprache entwickelte. Der Film findet sich in den Besten-Listen des internationalen Kinos regelmäßig weit oben. Auch Regisseur Richard Linklater war und ist von dem Film beeindruckt. Er huldigt ihm mit seinem Werk „Nouvelle Vague“, der in französischer Sprache gedreht ist, obwohl Linklater die Sprache nicht versteht. Er bezeichnete Französisch als den „Ton des Kinos“. Sein Film sei so gestaltet, dass er mit Untertiteln funktioniert.

 

Über den Film

Originaltitel

Nouvelle Vague

Deutscher Titel

Nouvelle Vague

Produktionsland

FRA

Filmdauer

106 min

Produktionsjahr

2025

Produzent

Pétin, Laurent / Pétin, Michèle

Regisseur

Linklater, Richard

Verleih

PLAION PICTURES GmbH

Starttermin

12.03.2026

 

Jean-Luc Godard (großartig: Newcomer Guillaume Marbeck) ist Journalist und Kritiker, möchte aber selbst einen Film drehen. Andere wie Truffaut oder Godard hatten es vorgemacht, nun will er nachfolgen und findet einen Produzenten, der ihm die Chance offeriert, auch wenn er nur ein Drittel dessen hat, was man normalerweise für die Produktion ausgibt. Er besetzt Jean-Paul Belmondo, aber auch die Amerikanerin Jean Seberg, findet den Kameramann, mit dem er einen Weg ausbaldowert, den Film zu drehen, wie es ihm vorschwebt, und nutzt die 20 Drehtage nicht unbedingt effizient, aber mit Passion, auch wenn seine unorthodoxe Art immer wieder zu Problemen führt.

Hat man „Außer Atem“ vor Augen, ist es im wahrsten Sinne des Worts atemberaubend, wie Linklater die Szenen nachstellt. Wie er die Drehseite dessen zeigt, was man als Film kennt. Er trifft exakt den Ton und erschafft Bilder, die direkt aus Godards Film stammen könnten. Realität und Fiktion verschwimmen hier miteinander. Manche der Geschichten, die hier gezeigt werden, sind überliefert, andere existieren in dem Zwischenraum dessen, was war und was hätte sein können, weil die Autoren und der Regisseur sehr exakt darauf geachtet haben, wo sich in „Außer Atem“ Möglichkeiten auftun, die Geschichte um den Film zu erweitern.

Dabei ist „Nouvelle Vague“ nicht nur eine Verbeugung vor „Außer Atem“, er ergänzt ihn auch, und das auf eine fundamentale Art. Beide Filme hintereinander zu sehen, ist das ultimative Double Feature. Allerdings funktioniert Linklaters Werk auch ohne jedwede Kenntnis des Godard-Films. Denn er steht ganz und gar für sich, ist eben nicht nur Ehrerbietung und Hommage, sondern zugleich auch eine amüsante Geschichte darüber, wie Filme auch gedreht werden können – auf durchaus chaotische Art und Weise, bei der der Regisseur sein Team an mehreren Tagen nach nur wenigen Stunden Arbeit nach Hause schickt. Feierabend, weil ihn die Inspiration nicht gepackt hat. Und ohne die ist ein Weiterdrehen für Godard unmöglich, weil es seinem Ansinnen, Realität zu erschaffen, zuwiderlaufen würde.

Im Film mutet es so an, als gäbe es kaum Drehbuchseiten für „Außer Atem“, aber das von Truffaut und Godard geschriebene Skript war schon vorhanden, nur dass Godard jeden Morgen neue Szenen schrieb und die Texte seinen Stars während der Aufnahmen zurief, da aufgrund der lauten Kamera sowieso kein Ton aufgenommen und später nachsynchronisiert werden musste.

Richard Linklater ist das Kunststück gelungen, einen höchst ansprechenden Film zu erschaffen, der für Eingeweihte, aber auch Novizen gleichermaßen funktioniert. Man muss kein Bewunderer der Nouvelle Vague sein, um sich bei „Nouvelle Vague“ bestens zu unterhalten. Denn das Unmögliche ist passiert: Ein Amerikaner hat einen europäischen Film gemacht – ein Werk von Cineasten für Cineasten über Cineasten. Wo Hollywood sich bei der Beschäftigung mit sich selbst in Mythen und Romantisierung abdriftet, hat Linklater Wahrhaftigkeit auf die Leinwand gebracht.

 

Peter Osteried

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