Die Zustände in Gaza sind katastrophal und das nicht erst seit Kurzem. Im Jahre 2007 übernahm die Hamas die Macht in der winzigen Region, in diesem Jahr spielt auch „Once Upon a Time in Gaza“, ein Film der Brüder Arab & Tarzan Nasser, der nicht in Gaza selbst gedreht werden konnte, was angesichts einer Handlung, die durchaus kritisch mit den Herrschern des Gebiets umgeht, einiges aussagt.
Über den Film
Originaltitel
Once Upon a Time in Gaza
Deutscher Titel
Once Upon a Time in Gaza
Produktionsland
PSE, VAE, FRA, POR, DEU, GBR, JOR, QAT
Filmdauer
87 min
Produktionsjahr
2025
Regisseur
Nasser, Arab / Nasser, Tarzan
Verleih
n.n.
Starttermin
12.02.2026
Hauptberuflich betreibt Osama (Majd Eid) einen Falafelladen, nebenberuflich nutzt er sein Geschäft, um Pillen zu verkaufen. Sein Assistent beim Dealen ist der Student Yahya (Nader Abd Alhay), der weit größere Skrupel zu haben scheint. Zurecht, wie sich schnell herausstellt, denn der korrupte Polizist Abou Sami (Ramzi Maqdisi) erpresst das Duo, will Informationen und einen Teil des Gewinns.
Zwei Jahre später, im Jahre 2009, ist Osama tot und die Realität im Gaza-Streifen immer unerträglicher. Israel hat das Gebiet am Mittelmeer vollständig abgeriegelt, die Hamas regiert mit harter Hand und versucht sich nun sogar als Filmproduzent. Der erste Action-Film des Gaza-Streifens soll produziert werden und „The Rebel“ heißen. Durch etliche Zufälle findet sich Yahya als Teil der Produktion wieder und wird zum nationalen Symbol des Widerstandes stilisiert.
Während Realität und Filmemachen verschmelzen, versucht Yahya angesichts der absurden Situation des Freilichtgefängnis Gazas, nicht den Verstand zu verlieren.
Gaza ist in, könnte man mit einem Blick auf die Shortlist für den Oscar als Bester Internationaler Film sagen: Mit den schon gestarteten „Im Schatten des Orangenbaums“ und dem im Mai ins Kino kommenden „Palestine 36“ finden sich zwei Filme unter der Auswahl, die die komplizierte Geschichte Palästinas thematisieren, hinzukommt „Die Stimme von Hind Rajab“, ein Dokudrama, das einen Vorfall während der jüngsten israelischen Angriffe beschreibt. Dazu kommt nun „Once Upon a Time in Gaza“, eine mal satirische, mal zynische Komödie, die – wie der elegische, sich an bekannte Western und Tarantino-Filme anlehnende Titel andeutet – an einer komplexen Mythologisierung der Region versucht.
Dass keiner dieser vier Filme in Gaza gedreht werden konnte, hat praktische Gründe, die unmittelbar mit dem Krieg der letzten Jahre zu tun haben, der kaum einen Stein auf dem anderen ließ und Dreharbeiten natürlich unmöglich machte. Im Fall des Films der Brüder Arab & Tarzan Nasser wären allerdings auch Dreharbeiten zu friedlicheren Zeiten nur schwierig durchzuführen gewesen, thematisiert der Film doch nicht nur den weitverbreiteten Drogenmissbrauch in Gaza, sondern auch Korruption und Machtmissbrauch.
Ob die herrschende Hamas diese Darstellung von Missständen so einfach zugelassen hätte, darf bezweifelt werden, lässt den schließlich in Jordanien gedrehten „Once Upon a Time in Gaza“ aber umso interessanter erscheinen.
Inhaltlich überheben sich Arab & Tarzan Nasser zwar ein wenig bei ihrem Versuch, eine komplexe Metanarration zu etablieren, die Dreharbeiten zum Film-im-Film mit realen Ereignissen zu verwischen und dabei auch noch über die mediale Konstruktion von Heldenfiguren zu reflektieren.
Aber ihr Film hat genug anarchischen Witz und rasante Energie, um ein ungewohntes Bild einer Region abzuliefern, über die im Westen viel geredet wird, ohne das man wirklich viel über sie weiß. Die aktuelle filmische Gaza, bzw. Palästina-Welle könnte das ein wenig ändern und zu einem zumindest komplexeren Blick auf eine Region führen, die wie wenig andere in den deutschen Medien präsent und dabei doch so unbekannt ist.
Michael Meyns







