Ostwind

Regisseurin Katja von Ganier feiert nach fünf Jahren ihr Comeback – und „Ostwind“ ist der pure Mädchentraum. Eine aufmüpfige Teenagerin und ein wilder Hengst finden auf einem Gestüt in Nordhessen zueinander, während die Mitmenschen ob der Pferdeflüsterin nicht mehr aus dem Staunen raus kommen. Zwar taucht von Garnier ihren Film in sonnendurchtränkte Bilder, doch wird vor allem weibliches U16-Publikum mit Pferdetick sich für diesen Film begeistern können.

Webseite: www.constantin-film.de

Deutschland 2013
Regie: Katja von Garnier
Buch: Lea Schmidbauer, Kristina Magdalena Henn
Darsteller: Hanna Binke, Marvin Linke, Cornelia Froboess, Tilo Prückner, Nina Kronjäger, Jürgen Vogel, Marla Menn, Henriette Morawe, Detlev Buck
Länge: 100 Minuten
Verleih: Constantin
Kinostart: 21. März 2013

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Es gibt, grob gesagt, zwei Sorten von Regisseuren: Die einen versuchen sich mit jedem Film ein wenig neu erfinden und die Spielarten des ihnen bislang unbekannte Genres zu erkundschaften. Zu dieser Spezies gehören etwa Danny Boyle („Slumdog Millionär“) oder hierzulande auch Fatih Akin. Die andere Sorte kehrt bei jeder Arbeit zu einem zentralen Thema und einer Erzählart zurück, das sie meist ein Leben lang begleitet. Wie etwa Woody Allen (Experte für die männliche Psyche), Martin Scorsese (Gangstertum, Kriminalität) – und Katja von Garnier. Ihr stets wiederkehrendes Motiv ist das der weiblichen Heldin, die sich gegen Barrieren verschiedenster Couleur erwehren muss.

In „Bandits“ zeigte sie flüchtige Gefängnissinsassen, die mit Instrumenten gegen die Staatsgewalt anrockten, Hilary Swank kämpfte in „Iron Jawed Angels“ für das Frauen-Wahlrecht in den USA, und auch bereits in „Abgeschminkt“, ihrem Abschlussfilm an der Münchener Filmhochschule, erzählte sie von künstlerisch begabten Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs. In „Ostwind“, ihrer ersten Arbeit seit fünf Jahren, manifestieren sich gleich mehrere Hindernisse die Heldin: zornige Eltern – und ein wildes Pferd.

Die Story: Teenagerin Mika (Hanna Binke) ist in der Schule sitzen geblieben und wird von ihren Eltern als sogenannte Strafmaßnahme auf das Pferdegestüt ihrer strengen Großmutter geschickt, um dort die Ferien durchzulernen. Aber nix da, statt über Büchern zu grübeln und zu pauken, schließt das rothaarige Mädchen kurzerhand Freundschaft mit dem Stallburschen Sam (Marvin Linke). Der hat seine liebe Mühe, den wilden Hengst „Ostwind“ zu zügeln, der sich partout nicht reiten lassen will. Es kommt, wie es kommen muss: Das forsche Temperament des Gauls lässt sich von Mika beruhigen, die ihre verborgenen Künste als Pferdeflüsterin unter Beweis stellt.

„Ostwind“ ist, na klar, ein reiner Mädchenfilm, der die Sehnsüchte und Gefühlswelten von pubertierenden Teenagerinnen mit Pferdetick vor atmosphärischer und sonnendurchfluteter Kulisse, den Wälder Nordhessens, einfängt und mit schönsten Schauwerten präsentiert. Die eigentlichen Themen des Films sind jedoch mit Metaphorik überladen: Das scheinbar nonkonforme Mädchen und das wilde Biest, die nur in der gegenseitigen Zähmung zur inneren Ruhe finden, hätte Katja von Garnier gerne einen Tick subtiler erzählen können. Stattdessen untermalt sie ihre Bilder mit radiotauglichem Poprock, den man in ähnlicher Form auch aus „Bandits“ kennt und zeigt ihre Heldin als stereotype Rebellin, die erst in der Natur (und auf einem Pferd) über sich hinauswachsen kann. Auch die Konflikte und Charakterzeichnungen sind allzu vorhersehbar, die „Ostwind“ in etwa die ähnliche Halbwertszeit eines Pferdecomics à la „Wendy“ geben.

David Siems

Die junge Mika hat in der Schule nicht gut genug gelernt und muss deshalb den Jahrgang wiederholen. Als Strafe darf sie nicht ins Sommercamp, sondern muss büffeln – und zwar auf dem Gut Kaltenbach, also bei ihrer Großmutter, die sie aber gar nicht kennt, weil Mikas Mutter sich einst mit der ihren überworfen hat.

Kaltenbach ist ein Pferdegestüt. Mika allerdings soll nicht reiten sondern lernen. Sie ist jedoch ein Wildfang und tut gern, was sie will und nicht was andere wollen.

Es gibt da im Stall den Hengst „Ostwind“. Er soll verkauft werden, weil er Mikas Großmutter einst schwer verletzte und ohnehin unbezähmbar scheint. Das reizt Mika. Eines Nachts schleicht sie in den Stall – und schläft neben dem Pferd sogar auf dem Stroh ein. Eine Freundschaft, eine Verständigung, ein fast unerklärliches Nähegefühl entwickelt sich zwischen Mika und „Ostwind“. Diese Emotionen sind stärker als die Folgsamkeit gegenüber der Oma, als die Freundschaft zu dem Stallburschen Sam oder als die Bekanntschaft mit dem weisen Herrn Kaan, der dem Mädchen schließlich das richtige Denken und das Reiten beibringt.

Natürlich gibt es auch Unfälle, Intrigen – und den Versuch des Verkaufs von Ostwind, denn ein wenig Dramatik muss schon auch sein. Aber warum sollte es unglücklich ausgehen? Das ist keineswegs der Fall.

Das Drehbuch ist flott geschrieben, und die Regisseurin Katja von Garnier weiß, wie man ansehnliche Filme macht. Am meisten beeindrucken die Szenen mit den Pferden („Ostwind“ und Doubles). Wie die dressiert sind, wie sie mitmachen, wie sie elegant über die nordhessisch-niedersächsische Landschaft galoppieren, das ist schon sehenswert. Dahinter steckt von den Beteiligten riesige Arbeit.

Es gibt bei den Kinozuschauern sogar eine Art Zielgruppe, denn vor allem unter den jungen Mädchen sind viele begeisterte Reiterinnen.

Mit der Darstellerin der Mika (Hanna Binke), die praktisch in jeder Szene zu sehen ist, hatte man großes Glück. Sie geht in ihrer rebellischen, nach Freiheit strebenden Figur voll und ganz auf. Und immerhin sind auch Tilo Prückner, Cornelia Froboess, Jürgen Vogel sowie Detlev Buck und andere mit dabei.

Thomas Engel