P.S. Ich liebe Dich

Verliebt, verlobt, verheiratet – bei Holly (Hilary Swank) und Gerry (Gerard Butler) ist das ganz schnell gegangen. Dann aber stirbt er an einem Gehirntumor. Weil er ahnt, dass ihr die Trauer schwer fallen wird, meldet er sich mit regelmäßigen, vor seinem Tod verfassten Briefen – um an die gemeinsame Zeit zu erinnern, aber auch, um ihr die Augen für ein Leben ohne ihn zu öffnen. Keine Frage: was Autor und Regisseur Richard LaGravenese hier auftischt, ist hochgradig sentimental.

Webseite: www.ps-ichliebedich.de

USA 2007
Regie: Richard LaGravenese
Darsteller: Hilary Swank, Gerard Butler, Lisa Kudrow, Gina Gershon, Harry Connick jr., Kathy Bates
126 Minuten
Verleih: Tobis
Kinostart am 17.1.08

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

In der Umsetzung von Romanvorlagen fürs Kino hat Richard LaGravenese schon einige Schwergewichte erfolgreich in Drehbücher umgesetzt. Toni Morrisons Südstaatendrama „Menschenkind“ etwa für Jonathan Demme, „Die Brücken am Fluss“ für Clint Eastwood oder „Der Pferdeflüsterer“ für Robert Redford. Eine Flüsterergeschichte ist nun auch das Liebesdrama „P.S. Ich liebe Dich“, basierend auf dem Bestseller der Irin Cecilia Ahern. Über Briefe, die er vor seinem wegen eines Gehirntumors zu erwartenden Tod schrieb und im Laufe eines Jahres nach der Beerdigung seiner Witwe Holly (Hilary Swank) zukommen lässt, bleibt Gerry (Gerard Butler) doch noch eine ganze Weile präsent. In der Filmumsetzung auch insofern, als LaGravenese immer wieder in die gemeinsame Vergangenheit des Paares zurückblickt oder ihn als Illusion an die Seite seiner trauernden Frau beamt.

 

In der Eröffnungsszene allerdings zofft sich das Ende 20 Jahre alte Paar allerdings erst einmal ganz heftig. Mit bewegter, hektischer Kamera folgt LaGravenese dem Streit, in dem es um Kinderwünsche geht und auch herauskommt, dass ihre Mutter (Kathy Bates) ihn nicht leiden kann. Die Türen knallen, der Haussegen hängt schief. Doch mit dem letzten Donner ist das Ehegewitter verklungen und folgen Liebesschwüre satt. Alles prima also. Dann die Zäsur. Mit der Geschichte des tödlichen Tumors hält sich LaGravenese aber gar nicht erst auf, springt weiter zum Ausklang des Begräbnisses ins Irish Pub von Hollys Mutter in New York. Wieder folgt – diesmal mit Schnaps und Party – ein die bedrückende Stimmung lösender Moment. Drei Wochen später, Holly hat sich seitdem in ihrer Wohnung eingeigelt, kommt an ihrem 30. Geburtstag der erste von insgesamt zwölf Briefen des Verstorbenen. Alle enden mit dem Zusatz „P.S. Ich lieb Dich“. Romantisch einerseits. Aber auch gruselig.

Man könnte sich nun fragen, wieso lässt der Mann seine Frau nicht in Frieden und auf ihre Art trauern? Was mischt er sich weiter in ein Leben ein, in dem sein Platz höchstens noch der in Erinnerungen oder im Herzen seiner Freunde ist. Ist da einer eifersüchtig, seine noch immer junge Frau könne ein neues Leben beginnen? Könnte alles sein, und doch weisen die Aufgaben, die Gerry seiner Frau nun stellt in eine Richtung, die deutlich macht, dass er ihr den Start in ein neues Leben leichter machen möchte – und gleichzeitig die Bedeutung, die diese Liebe für ihn hatte, herausstellt. Er fordert sie zu Partys auf, bittet um Auflösung des Kleiderschrankes mit seinen Klamotten, lässt sie Karaoke singen (wozu er sie einmal provozierte und was etwas unglimpflich endete), schickt sie gar auf Urlaubsreise nach Irland, wo die Liebesbeziehung einst ihren Anfang nahm. Hier kommt Holly tatsächlich auf andere Gedanken.

Richard LaGravenese lässt sich vielleicht etwas zu viel Zeit, die Fülle seiner Briefe und die mit ihnen verbundenen Aufgaben durchzuspielen. Man selbst kommt sich da manchmal vor wie auf einer Schnitzeljagd mit immer neuen Hindernissen und wundert sich über so überflüssige Dinge wie Schminktäschchen an Bord eines Angelausflugs. Nett, mit Blick auf von ähnlicher Melancholie unterfütterte, jedoch deutlich arthausigere Liebesgeschichten wie „Once“, „Märzmelodie“, „Berlin am Meer“ oder auch „Across the Border“ etwas überstrapaziert (aber dafür kann der Regisseur ja nichts), sind die in musikalische Kleider gefassten Gedanken und Gefühle, die Protagonisten an wesentlichen Stellen vortragen. Originell ist Hollys Freundin Denis (Lisa Kudrow), die mit klarer Vorstellung auf Männerfang geht. Ihre zum Running Gag erhobene Methode legt sie nach wenigen Runden leider schon ad acta.

Alles in allem ist „P.S. Ich liebe Dich“ eine zwar nicht spektakuläre, aber dennoch anrührende und über den Tod hinausgehende Liebesgeschichte, die insbesondere von der besonderen Chemie seiner beiden Hauptdarstellern Hilary Swank und Gerald Butler lebt. Sie als die zerbrechliche Frau, die Halt sucht, er als noch vom Kriegerepos „300“ muskelgestählter Mann, der über den Tod hinaus Dominanz zeigt, zugleich aber auch seine weiche Seite offen legt. Hätte man dem harten Burschen anfangs gar nicht zugetraut.

Thomas Volkmann

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Holly und Gerry gehen zwar keinem Ehekrach aus dem Weg, lieben sich aber innig. Da geschieht etwas Furchtbares. Gerry, gerade mal 29 Jahre alt, stirbt an einem Gehirntumor. Holly bricht zusammen. Es erscheint ihr unmöglich, diesen Schicksalsschlag zu überwinden.

Sie schließt sich ein, kapselt sich ab, vernachlässigt ihre Arbeit und sich selbst, will von ihrer Mutter und ihren Freundinnen nichts mehr wissen – wochenlang.

Aber Gerry hat im Bewusstsein seines nahenden Todes vorgesorgt. Er hinterließ ein halbes Dutzend Briefe, die nach und nach, zeitlich genau mit ihrem Inhalt abgestimmt, in Hollys Hände kommen müssen. Darin sind für das „Trauerjahr“ die Pläne dafür zu lesen, was Holly tun muss, um ihren Schmerz zu überwinden. Jeder Brief endet mit den Worten: PS. Ich liebe dich.

Sie muss ihren Geburtstag feiern und sich etwas Schönes kaufen. Im folgenden Brief wird an einen lustigen früheren Abend in einer Karaoke-Bar erinnert. Die nächste Aufgabe: Holly muss mit ihren Freundinnen, der sich immer auf Männerfang befindlichen Denise und der schwangeren Sharon, zu einem Urlaub nach Irland, Gerrys Heimat, reisen – wo sie auf den sympathischen Sänger William trifft, der sich als Gerrys Jugendfreund herausstellt und der vielleicht einmal Holly wird trösten können. Oder wird das eher der bei ihrer Mutter angestellte Daniel sein, der schon lange, ungeschickt aber einnehmend, um Holly wirbt?

Die junge irische Autorin Cecelia Ahern schrieb den zugrunde liegenden Liebesroman, der lange die Bestsellerlisten dominierte, in 20 Sprachen übersetzt und in 40 Ländern verkauft wurde. Daraus musste nun noch unter Berücksichtigung der wichtigsten Handlungsstränge und der geeigneten pfiffigen Romandialoge ein flottes Drehbuch geschrieben werden, und das ist dem (auch Regie führenden) Profi Richard Lagravenese – z.B. die Drehbücher von „Die Brücken am Fluss“ und „Der Pferdeflüsterer“ – voll gelungen.

Da er auch fähige Darsteller zur Verfügung hatte, u. a. die Oscar-Preisträgerinnen Hilary Swank (Holly) und Kathy Bates (Mutter Patricia), außerdem Gerard Butler (Gerry), Lisa Kudrow (Denise), Gina Gershon (Sharon) sowie Jeffrey Dean Morgan (Wiliam) und Harry Connick, Jr. (Daniel), ist das trotz zunächst thematisch vorgeschriebener Traurigkeit eine schließlich erheiternde und kurzweilige Sache geworden, die angenehm unterhält und der Originalität keineswegs entbehrt.

Thomas Engel