Papadopoulos & Söhne

Der aus Griechenland stammende Europäische Unternehmer des Jahres und Millionär Harry ist auf der Überholspur, bis die Börse crasht. Dann geht’s bergab und zwar rasant. Die einzige Rettung ist ein billiger Fish & Chips-Shop in einer der öden Londoner Vorstädte, und Harry zieht mit seinen drei Kindern und dem großen Bruder dorthin zurück, wo er mal angefangen hat. Trotz einfacher Botschaft vom unglücklichen Millionär, der sich zurück zum glücklichen Tellerwäscher wandelt, überzeugt die Komödie des griechisch-britischen Regisseurs Marcus Markou mit sprödem Humor und einem unaufgeregten Erzählstil, der den Schauspielern viel Raum läßt, ihre Figuren vielschichtig auszuloten. Und am Ende wird doch noch Sirtaki getanzt…

Webseite: www.papadopoulos-und-soehne.de

GB 2012
Regie: Marcus Markou
Darsteller: Stephan Dillane, Cosima Shaw, Georges Corraface, Frank Dillane, Georgia Groome
Verleih: Neue Visionen
Dauer: 109 Minuten
Start: 27. Juni 2013

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Harry Papadopoulos ist auf der Überholspur. Gerade ist der aus Griechenland stammende englische Millionär Europäischer Unternehmer des Jahres geworden. Mit seinem Lebensmittelkonzern „Papadopoulos & Söhne“ macht er Riesenprofite, und mit einem neuen Millionenkredit will er nun noch ein Einkaufszentrum bauen, die Kapitalanlage für die Zukunft schlechthin. Auch sein kleiner Sohn Theo jongliert schon gekonnt mit den Grundbegriffen der Finanzwelt und hängt den ganzen Tag am Laptop, um die neuesten Börsentrends zu beobachten. Sein großer Sohn James allerdings macht ihm Sorgen, nicht nur, weil er stottert, sondern weil der sich lieber mit Pflanzen beschäftigt als Jura zu studieren. Und seine fast erwachsene Tochter Katie hat eh bloss Fummel und Jungs im Kopf, aber bitte schön nur die der Exraklasse. Dennoch wirkt die Familie in ihrer schicken Villa in London City nicht besonders glücklich, was nicht nur daran liegt, dass Harrys Frau und die Mutter der drei Kinder schon vor einigen Jahren gestorben ist.

In diese freudlose Welt der Reichen bricht der Börsencrah von 2008 wie ein reinigendes Sommergewitter. In Windeseile befindet sich Harry mitten in der schönsten Insolvenz – Firma, Haus und Vermögen sind erstmal weg, eine Veränderung des Lebensstils unumgänglich. Jetzt kann er nur noch den Fish & Chips – Shop in einem öden Londoner Vorstadtviertel verkaufen, der, inzwischen längst geschlossen, sein erstes Zuhause war als junger griechischer Einwanderer in London. Aber der Shop gehört zu 50 Prozent seinem älteren Bruder Spiros, zu dem er vor Jahren den Kontakt abgebrochen hat. Und der will nicht verkaufen, sondern den Laden wieder flott machen.

Die dann folgende Geschichte vom Tellerwäscher zum Millionär, nur rückwärts erzählt, ist vorhersehbar einschließlich der anhängigen Liebesgeschichten. Und dennoch ist dieser Film etwas Besonderes. Er erzählt seine Geschichte in seinem ganz eigenen Tempo, ohne auf lustig getrimmte Situationskomik oder rasante dramaturgische Tricks. Immer passiert das Erwartete, aber immer dann doch ein bisschen anders als gedacht. Der sehr spröde Humor der Engländer wird getragen von einem wohltuend bodenständigen Schauspielerensemble, in dem jede der eigenwilligen Figuren Zeit bekommt, sich zu entwickeln, niemals wird sie nur vorgeführt. Die Unaufdringlichkeit, mit der die Geschichte ihren Lauf nimmt und die Charaktere Stück für Stück hinter ihre Fassade schauen lassen, lädt den Zuschauer sehr charmant ein, in den verschiedenen Situationen zu verweilen, ohne sie zu bewerten, sich Zeit zu lassen anzukommen, genauso wie die Figuren das tun.

So entsteht auch eine der berührendsten Szenen des Films, wenn der große Bruder dem kleinen einen Brief vorliest, in dem er ihn um Verzeihung bittet für alle seine Missetaten. Spiros hatte, im Gegensatz zu Harry, sein halbes Leben lang getrunken und das Geld zum Fenster rausgeschmissen. Und Harry hatte ihn aufgefangen, immer wieder, bis zum Bruch. Während Harry dringend zu einem wichtigen Termin muss, beginnt Spiros Rückschau zu halten, jetzt und hier, in seinem klapprigen Bus, unterwegs zu Harrys vielleicht rettender Bank. Regisseur Marcus Markou gibt den beiden Schauspielern viel Zeit, das schmerzhafte Erinnern an die gemeinsame Lebensgeschichte tatsächlich aus diesem Moment heraus zu entwickeln und einfach wirken zu lassen. Dieses Eingeständnis von Liebe, ganz unprätentios gespielt, schwingt in den Zwischenräumen von Worten und Blicken, die eine geduldige Kamera einfängt.

Auch die Darsteller der fast erwachsenen Kinder, Frank Dillane und Georgia Groome, lassen sich sehr darauf ein, das zuerst aufgebaute Klischee ihrer Figuren zu unterlaufen. Und der heimliche Star des Films Thomas Underhill als neunjähriger Theo Papadopoulos darf als endlich wieder glückliches Kind in einer glücklichen Familie allen Uneingeweihten nebenbei noch einen Schnellkurs in Börsenangelegenheiten geben. Denn die Geschichte vom Tellerwäscher zum … ist ja nicht aus der Welt, nur weil die Börse mal spinnt. Ein derart locker selbstironischer Umgang mit der Krise, die Europa nun schon seit ein paar Jahren durchschüttelt, macht Spass und nimmt dem Film jeglichen Moralismus.

Lediglich im letzten Drittel werden die Erwartungen allzu geradlinig eingelöst. Die wenig originelle Botschaft, dass Geld nicht glücklich macht und dass Lebensveränderungen meistens große Chancen in sich bergen, wird dann endlich auch vertanzt, und zwar auf griechisch. Auch das nimmt diesem warmherzigen, unangestrengt ironischen Film nicht seinen Charme. Europa ist doch noch zu retten, also her mit den Fish & Chips.

Caren Pfeil

Harry Papadopoulos ist ein Engländer griechischer Abstammung. Seine Frau ist tot, doch zwei Kinder sind da und eine Nanny. Vom Kellner haben sein Vater und er sich zu Millionären hochgearbeitet. Jetzt besitzt Harry eine Riesenfirma, und dazu hat er noch ein Riesenprojekt im Sinn, letzteres allerdings nur mit einem Riesenkredit zu finanzieren.

Plötzlich ist die Finanzkrise da. Kredit, Geld und Vermögen sind futsch. Die Familie muss aus ihrer Villa ausziehen, ohnehin wurde die von den Insolvenzvollstreckern schon ausgeräumt.

Harry erinnert sich nach Jahren an seinen Bruder Spiros. Im Gegensatz zu ihm ist der ein Optimist, ein leichtlebiger Pseudokünstler. Von den Brüdern (ein dritter ist bereits tot) existiert noch ein alter Fish-and-Chips-Laden, seit Jahren geschlossen. Harry will ihn abstoßen, Spiros will ihn wiederbeleben. Der Streit ist programmiert.

Harry gibt nach. Alles wird renoviert, das frühere Leben fängt von neuem an. Den gegenüber dem Laden liegenden Kebab-Türken wird Paroli geboten.

Langsam kommt die Idee zurück, dass Geld und Erfolg nicht alles sind, dass die gestandene Arbeit zählt, dass das Glück der Kinder wichtig ist, dass es einem im Schoße der Familie, und zwar der ganzen Familie, besser geht. Eine von vielen für leicht spießig gehaltene Anschauung, aber eine mit der man festen Boden unter den Füßen hat.

Harry bleibt beim neuen Leben – auch wenn es bereits wieder eine verlockendere Möglichkeit gäbe. Seine Tochter ist inzwischen sogar mit dem Sohn des Kebab-Türken befreundet.

So also die Botschaft des Films: eher einfach und glücklich bleiben als eine oberflächliches, pseudoreiches und geschäftlich riskantes Leben führen.

Gestaltet ist der Film bildlich und technisch o.k. Das gilt auch für die Darsteller.

Thomas Engel