ParaNorman

Als „Mischung aus John Carpenter und John Hughes“ beschreibt Autor und Co-Regisseur Chris Butler „ParaNorman“ und das trifft es ganz gut. Mit einer Mischung aus traditionellem Stop-Motion-Technik und modernen Computerbildern ist der Animationsfilm stilistisch wunderbar anzusehen hat aber vor allem auch eine schöne – nur manchmal etwas zu moralische – Geschichte zu erzählen.

Webseite: www.paranorman-film.de

USA 2012
Regie: Chris Butler, Sam Fell
Buch: Chris Butler
Länge: 93 Minuten
Verleih: Universal
Kinostart: 23. August 2012

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Norman ist anders. Nicht einfach nur anders, wie ungewöhnliche Kinder in typischen Außenseiter-Filmen sind, sondern wirklich anders. Denn Norman hat eine Gabe, die anfangs eher wie ein Fluch wirkt: Er sieht Geister. Zu Hause sitzt seine tote Großmutter auf dem Sofa, auf dem Weg zur Schule begegnet er lang verstorbenen Bewohnern seiner Heimatstadt, darunter auch Hunden und Tauben. Kein Wunder also, dass Norman ein Einzelgänger ist, der weder von seiner Familie noch von seinen Mitschülern wirklich ernst genommen wird. Doch das wird sich bald ändern. Sein einsam im Wald lebender Onkel, der die gleiche Gabe besitzt wie Norman, macht ihn kurz vor seinem plötzlichen Tod auf eine drohende Gefahr aufmerksam. Wenn es Norman nicht gelingt vor Einbruch der Nacht an einem ganz bestimmten Grab aus einem Buch vorzulesen, werden die Toten auferstehen und die Kleinstadt heimsuchen.

Und diese Stadt hat es in sich: In puritanischen Zeiten hatte sich der Ort als besonders eifriger Verfechter von Ordnung und Moral hervorgetan und dementsprechend begeistert der Hexenverbrennung gefrönt. Doch eine besonders junge Hexe hat einen Fluch über den Ort gelegt und droht die Stadt ebenso heimzusuchen, wie die untoten Richter, die sie einst verurteilten. Zusammen mit dem dicklichen Neil, seiner Schwester und dem Schulrowdy setzt Norman alles daran, die Katastrophe zu verhindern – und entdeckt, dass auch Untote nicht notwendigerweise eine Bedrohung sind.

Sowohl das Zombie-Genre als auch Filme über Einzelgänger in Kleinstädten haben sich eigentlich längst totgelaufen. Doch zusammengenommen formen sie in „ParaNorman“ eine originelle Geschichte, die mit einer schönen Mischung aus Melancholie und Humor erzählt wird. Wenn die Dorfgemeinschaft zum wütenden Lynchmob wird und sich wie in guten alten Zeiten blutrünstig auf das scheinbar so gefährliche Fremde stürzen will, sind die Bezüge zur zeitgenössischen amerikanischen Haltung zwar etwas überdeutlich. Meist gelingt es „ParaNorman“ aber angenehm unprätentiös zu bleiben und weder seine humorvolle Seite noch seine stilistische Originalität zu aufdringlich in Szene zu setzen.

Hierzu trägt nicht zuletzt die traditionelle Stop-Motion-Technik bei, die auf Grund des enorm aufwändigen Herstellungsprozesses nur selten eingesetzt wird. Vor allem das englische Aardman-Studio („Wallace & Gromit“) hält die Technik am Leben, die inzwischen auch nicht mehr ohne die Hilfe von Computern auskommt. Vor allem allerdings bei den auch in „ParaNorman“ zu findenden Stürmen, übernatürlichen Ereignissen und anderen Phänomenen. Ähnlich wie bei dem vor einigen Montane gestarteten „Piraten“ haben die Macher sich sichtlich bemüht, eine passende Mischung aus der bisweilen ruckartig wirkenden Stop-Motion-Technik und den durch immer perfektere Computeranimation veränderten Erwartungen an Animationsfilme zu finden. Zwar wirkt auch „ParaNorman“ in manchen Momenten fast schon zu glatt, zu perfekt animiert, doch der einzigartige Charme der Stop-Motion-Technik überstrahlt solche Momente schnell wieder. Es ist eben doch ein Unterschied ob man überperfekte Figuren aus dem Computer auf der Leinwand sieht, oder von Hand geschaffene Puppen, die sich mit natürlicher Unperfektheit bewegen. Im Wust der zahlreichen CGI-Animationsfilme ist „ParaNorman“ eine willkommene Abwechslung.

Michael Meyns