Pettersson und Findus

Seit 1984 begeistern der schrullige Pettersson und sein kleiner, sprechender Kater Findus die Kinder. Und nicht zuletzt deren Eltern, die sich genauso gern in Sven Nordqvists warmherzigen Geschichten verlieren. Nach einer Zeichentrick-Serie und mehreren Filmen entstand nun die erste Real-Verfilmung. Die Hauptrolle neben dem computeranimierten Kater spielt Ulrich Noethen. Der enorme technische Aufwand hat sich gelohnt: Der schrullige Alte und sein frecher Kater wirken so lebendig wie nie. Allerbeste Unterhaltung nicht nur für Kinder!

Webseite: www.pettersson-und-findus.de

Deutschland 2013
Regie: Ali Samadi Ahadi
Buch: Thomas Springer
Darsteller: Ulrich Noethen, Marianne Sägebrecht, Max Herbrechter
Länge: 80 Minuten
Verleih: Senator
Kinostart: 13. März 2014

PRESSESTIMMEN:

"Angemessen knuffig kommt die erste Realverfilmung daher… Alles ist bunt und freundlich und genau die Art Film, in die man Kinder gern mitnimmt."
Brigitte

"Die Welt von PETTERSSON UND FINDUS ist mit großer Liebe und Hingabe zum Detail gestaltet. Wie eine niedliche Puppenstube wirken die Häuser, die Gärten und die Wälder, und auch die liebenswerten Nebenfiguren bekommen ihre lustigen eigenen Geschichten. Die Farben sind sonnig, die Musik unterstreicht dieses Gefühl noch. Es gibt viele Lektionen, die der kleine freche Kater im Laufe der Geschichten lernt. Doch am wichtigsten ist: Wenn man sich lieb hat und zusammenhält, dann kann einem nichts Schlimmes passieren. Ein herzerwärmender Filmspaß mit wichtigen positiven Botschaften, schon für die kleinsten Zuschauer. – Prädikat: besonders wertvoll."
Filmbewertungsstelle Wiesbaden

FILMKRITIK:

Ganz allein sitzt der kleine Kater Findus zitternd im Wald. Nachdem ihm der unfähige Jagdhund Happo und sein Herrchen Gustavsson (Max Herbrecht) einen gehörigen Schrecken eingejagt haben, bringt ihn die nette Beda (Marianne Sägebrecht) bei dem alten Bauern und Freizeit-Erfinder Pettersson (Ulrich Noethen) unter. Die beiden werden gleich Freunde – und Pettersson ist begeistert, als er merkt, dass Findus sogar sprechen kann! Gemeinsam erleben sie viele Abenteuer: Sie backen Pfannkuchentorten und kämpfen mit einem wilden Stier, sie geben einem ständig krähenden Hahn Unterschlupf und denken sich aus, wie sie den Fuchs vertreiben können. Und sogar mit Happo schließt Findus nach vielen Verfolgungsjagden schließlich Freundschaft.

Gar nicht so leicht, die liebevoll handgezeichnete Welt von Sven Nordqvist in ein reales Setting zu übertragen. Das Team von Ali Samadi Ahadi traf dafür eine kreative Entscheidung, die sich auf den gesamten Film auswirkt: Es spielen – mit Ausnahme von Findus natürlich – zwar echte Schauspieler, die Kulissen aber wirken alles andere als realistisch. Das liebevoll und detailgetreu den Zeichnungen nachempfundene Set behält seine künstlerische Überhöhung. Statt in der echten Welt zu filmen, stellte das Team es in einem Studio in Köln nach, den Hintergrund bildet eine riesige Fototapete, die dem Vernehmen nach ausgefaltet den Kölner Dom verdeckt hätte. Einige wenige Sequenzen, die in einem echten Wald gedreht wurden, fallen dagegen stark ab – zuviel Realismus bekommt Nordqvists Geschichte nicht.

Mit zwei weiteren Entscheidung liegt das Team goldrichtig: Das Drehbuch, das aus vier Erzählbänden zusammengestellt wurde, lässt neben Findus nur drei menschliche Figuren auftreten. Und es versucht nicht, seine Episodenhaftigkeit zu verstecken, sondern arbeitet mit mehreren kleinen Geschichten in der Geschichte. So werden die Abenteuer von Pettersson und Findus nicht künstlich in einen Erzählfluss gezwungen, und auch kleinere Kinder können dem Film folgen.

Dazu amüsiert die Spielfreude des kleinen Ensembles ungemein. Herauszuheben ist Ulrich Noethen, der unter den deutschen Filmschauspielern derzeit sicher die größte Bandbreite zeigt. In vielen Rollen der letzten Zeit durfte er seine dunklen Seiten ausleben, genießt es aber sichtlich, nach „Das Sams“ wieder in einem Kinderfilm mitzuspielen. Genauso hat man sich den alten Pettersson immer vorgestellt. Der andere große Gewinner ist Regisseur Ahadi, der wie Noethen in seiner Arbeit ein breit gefächertes Spektrum zeigt. Nach zahlreichen preisgekrönten Polit-Dokus und der erst im Dezember angelaufenen Nahost-Satire „45 Minuten bis Ramallah“ zeigt er ein äußerst glückliches Händchen in einem klassischen Familienfilm. „Pettersson und Findus“ transportiert die anarchische und herzenswarme Atmosphäre der Bücher in den Kinosaal, einschließlich urkomischer Hühner und winziger Mucklas. Hier wird nicht gestraft und überbehütet, sondern Findus darf sich und die Welt ausprobieren – auch wenn er Gefahr läuft, dabei auf die Nase zu fallen. „Pettersson und Findus“ ist also nicht nur allerbeste Unterhaltung für Kinder, sondern auch anschauliche Pädagogik-Anleitung für alle Helikopter-Eltern dieser Welt.

Oliver Kaever