Pferd am Stiel – Ein Hobby-Horsing-Abenteuer

Als ihre Freundin Sarah will, dass sie mit Hobby-Horsing beginnen – und das mitten in der Siedlung – meint Dilek noch, das sei sozialer Selbstmord. Wenig später zeigt sich, dass sie damit nicht Unrecht hat. In „Pferd am Stiel“ geht es um Freundschaft, aber auch darum, dass man durchaus gegen den Strom schwimmen darf und muss. Dass man tun soll, was die eigene Leidenschaft verlangt und sich nicht unterordnet, egal, was andere denken. 

 

Über den Film

Originaltitel

Pferd am Stiel – Ein Hobby-Horsing-Abenteuer

Deutscher Titel

Pferd am Stiel – Ein Hobby-Horsing-Abenteuer

Produktionsland

DEU,LTU

Filmdauer

81 min

Produktionsjahr

2026

Regisseur

Kröner, Sonja

Verleih

Port au Prince Pictures GmbH

Starttermin

23.04.2026

 

Das ist der Kern des im Münchner Viertel Neuperlach spielenden Films, in dem zwei Mädchen mit ihren Videos auf Erfolg hoffen, aber einfach nicht genügend Follower finden. Bis Sarah zufällig von Hobby-Horsing hört, begeistert ist, dass dies in Finnland ein echter Sport ist, und ihre Freundin überzeugt, dass man das unbedingt machen muss. Hobby-Horsing – das für alle, die es nicht kennen – ist im Grunde das Reiten eines Steckenpferds, wobei es darum geht, wie anmutig die Kür oder wie sportlich die Dressur ist. Natürlich werden Sarah und Dilek beobachtet und zum Gespött der Schule. Während Dilek sich dem Gruppendruck beugt, ist Sarah erpicht darauf, zu den Meisterschaften nach Finnland zu fahren.

 

„Pferd am Stiel“ nutzt das Hobby-Horsing vor allem als Vehikel. Einerseits, weil es immer noch kurios genug ist, andererseits, weil es ein Mittel zum Zweck ist. Es hätte auch alles andere sein können, wichtig war nur zu zeigen, dass man in einer Gruppe, insbesondere einer Schulklasse, sehr schnell sozial geächtet sein kann, wenn man außerhalb üblicher Parameter agiert. Es geht darum auch um den Willen und die Notwendigkeit, sich Gruppendruck nicht zu beugen, sondern seinen eigenen Wünschen und Vorstellungen zu folgen. Das wird hier exemplarisch an Sarah und Dilek gezeigt. Die eine bleibt sich treu, die andere versucht, dazuzugehören, auch um den Preis der Freundschaft willen. 

 

Zum Erwachsenwerden gehört auch zu erkennen, dass man nicht „dazugehören muss“, dass es völlig in Ordnung ist, man selbst zu sein. Das ist ein Prozess, das geht nicht von heute auf morgen, notwendig ist er aber dennoch. Weil man als Jugendlicher erkennt, wer man ist, oder zumindest eine Ahnung davon hat, wer man sein will. Derjenige zu werden, das ist die Herausforderung. Damit spielt „Pferd am Stiel“ ganz gut.

 

Wo der Film inhaltlich punktet, ist die technische Umsetzung eigentümlich. Denn immer wieder wird am Farbregler herumgespielt, und zwar derart, dass man den Eindruck hat, der fürs Color-Grading zuständige hätte erstmals die Möglichkeiten des Filters gesehen und konnte sich nicht zurückhalten, die wildesten Farben auszuprobieren. Das ist stilistischer Schnickschnack, der von der Geschichte selbst ablenkt. 

 

Peter Osteried

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