Porto

Pure Melancholie ist der kleine Film, die zarte Etüde, die der ehemalige Filmkritiker Gabe Klinger mit seinem ersten Spielfilm „Porto“ vorlegt. Voller cineastischer Verweise stecken die nur 76 Minuten, in denen das Vor, Während und Danach eines One Night Stands geschildert werden, Zeit und Raum verschmelzen und der Liebe und dem Kino gehuldigt wird.

Webseite: www.mfa-film.de

USA/ Portugal 2016
Regie: Gabe Klinger
Buch: Larry Gross, Gabe Klinger
Darsteller: Anton Yelchin, Lucie Lucas, Paulo Calatré, Francoise Lebrun, Florie Auclerc-Vialens, Rita Pinheiro
Länge: 76 Minuten
Verleih: MFA/ Filmagentinnen
Kinostart: 14. September 2017

FILMKRITIK:

„In the Mood for Love“ wäre ebenfalls ein passender Titel für Gabe Klingers Film gewesen, denn ein klassischer narrativer Film ist „Porto“ nicht. Vielleicht auch „Ein Mann und eine Frau“, auch ein bekannter Liebesfilm und im Kern schon die Beschreibung des Inhalts. Ein Mann und eine Frau treffen sich, Jake (Anton Yelchin), ein Amerikaner, jung und ungestüm, und Mati (Lucie Lukas), eine Französin, etwas älter und erfahrener, sie sehen sich erst auf einer archäologischen Ausgrabungsstätte, dann im Zug nach Porto, schließlich in einen Café, sie nimmt ihn nach Hause, sie verbringen die Nacht zusammen und am nächsten Tag beginnt die Erinnerung an die Nacht, das Nachdenken darüber, was war und was sein könnte.
 
Aus wechselnder Perspektive erzählt Klinger von diesen beiden Menschen, deutet in losen, impressionistischen Szenen an, was diese beiden Menschen taten, bevor sie sich trafen, was sie denken und fühlen, doch dabei erzählt er mehr über die Filmgeschichte, als über leibhaftige Figuren.
 
Der kurz nach den Dreharbeiten bei einem tragischen Autounfall ums Leben gekommene Anton Yelchin erinnert unübersehbar an viele Drifter des Kinos, Rumtreiber, junge Männer, die nachts in Bars und Cafés sitzen, mit einem Wein und ihrer Sehnsucht nach Liebe allein, meist diffuse künstlerische Ambitionen haben, aber sich vor allem nach der Liebe sehen. Und sie, Lucie Lukas, wirkt wie das Klischee einer jener Figuren aus dem französischen Kino der 60er Jahre: Unwirklich schön, lasziver Blick, wehende Löwenmähne, volle Lippen und ein atemberaubender Körper.
 
Pure Phantasie ist „Porto“ also, ein Männertraum wenn man so will, der in seinem Blick auf die Liebe einem fast schon altmodischen Blick genüge tut und Frauen in erster Linie als Objekt der Begierde betrachtet. Leicht könnte das unangenehm werden, doch dafür ist Klingers Blick auf seine Figuren und nicht zuletzt die dritte Hauptdarstellerin – die portugiesische Hafenstadt Porto – viel zu zart und melancholisch. Meist ist es Lissabon, das in Portugal filmisch im Mittelpunkt steht, Porto dagegen spielte stets die zweite Geige. Das ändert Klinger nun mit wunderbaren Momentaufnahmen, eingefangen in unterschiedlichsten Filmformaten, von 8mm, über 16mm bis hinzu zu Scope-Bildern reicht die Palette, die man zum Teil unterschiedlicher Erzählzeit zuordnen kann, die jedoch vor allem als visuelle Variationen funktionieren.
 
Weniger ein klassischer Film, sondern als ein Stimmungsstück funktioniert „Porto“, erzählt voller Melancholie von der Vergänglichkeit der Liebe, aber auch einer Art von Kino, wie es in den 60er Jahren alltäglich war, nun aber kaum noch existiert. Ein Nostalgiker ist Gabe Klinger also, aber einer der besonders sympathischen Art.
 
Michael Meyns