Princesas

Ein ungeschönter Blick auf den Lebensalltag zweier Prostituierter. Regisseur León de Aranoa ("Montags in der Sonne") zeigt ihren wenig glamourösen Alltag und ihren gemeinsamen Kampf für ein besseres Leben. Fern jeglichem Voyeurismus, gelingt ihm dabei eine ernsthafte und durchweg überzeugende Geschichte mit sozialem Anspruch.

Webseite: www.princesas-der-film.de

Spanien / Frankreich 2005
Regie: Fernando León de Aranoa
Darsteller: Candela Peña, Micaela Nevárez, Mariana Cordero, Llum Barrera, Violeta Pérez, Mónica Van Campen, Flora Álvarez, María Ballesteros, Alejandra Lorente
113 Minuten
Verleih: Piffl
Start: 04.01.2007

AUSZEICHNUNGEN:

Goya 2006: Beste Hauptrolle (Candela Peña), beste Nebenrolle (Micaela Nevárez) sowie bester Titelsong (Manu Chao)

PRESSESTIMMEN:

 

Der spanische Film "Princesas" handelt vom Konkurrenzkampf unter Prostituierten in Madrid… Es ist kaum zu glauben, dass sich ein Film mit einem solchen Thema auseinandersetzen und seine Zuschauer trotzdem zum Lachen bringen kann. Doch "Princesas" gelingt genau das. Der spanische Regisseur Fernando León de Aranoa hat einen Film über Prostituierte geschrieben und gedreht, der die Sorgen und Ängste seiner Hauptdarstellerinnen feinfühlig und humorvoll inszeniert. Dafür hat er 2006 in drei Kategorien den Spanischen Filmpreis gewonnen.
Der traurig-fröhliche Soundtrack von Manu Chao nimmt dem Film die Schwermut, die man von der Thematik erwartet, und verwandelt sie in wehmütige Leichtigkeit. Sie untermalt einen nachdenklich verträumten Film, in dem es zwar irgendwie um Prostitution geht, aber viel dringender noch um Freundschaft, Glück und falsche Vorurteile.
Stern

Der präzis beobachtende, intensiv inszenierte und überzeugend gespielte Film erzählt mit semidokumentarischen Mitteln vom Straßenstrich in der spanischen Hauptstadt sowie vom täglichen Rassismus.
film-dienst

"Princesas" erhielt den spanischen Filmpreis Goya gleich fünfmal, wurde auf dem Filmfestival von San Sebastian ausgezeichnet und zog rund zwei Millionen spanischer Zuschauer in die Kinos. Ein großer Erfolg der kleinen Geschichte um zwei Prostituierte, die sich irgendwie durchs Leben schlagen.
Filmecho

FILMKRITIK:

Zum Geburtstag ihres Freundes, haben sich ein paar Jungs etwas ganz Besonderes ausgedacht. Denn wenngleich – oder gerade weil – dieser in einem Krankenhausbett liegt, soll er als gut gemeintes Geschenk, am Jahrestag seiner Geburt, die Dienste einer professionellen Hure erfahren. Auftakt des Films und Auftritt von Caye. Knapp dreißig, ist sie so erfahren im Umgang mit den Freiern wie mädchenhaft geblieben in ihren Träumen vom persönlichen Glück. Die Zerrissenheit ihres Charakters sowie ihr eigenwilliger Charme, lassen sie den wenig glamourösen Alltag einer Prostituierten in Madrid und die damit verbundene tägliche Mühsal auf der Strasse erfolgreich verdrängen.´

Auch Zulema geht dem ältesten Gewerbe der Welt nach. Aus der Dominikanischen Republik stammend, gehört sie zu den immigrierten Exotinnen, die illegal in Spanien leben und durch Dumpingpreise den hiesigen Sexmarkt kaputtmachen. So jedenfalls sehen es Caye und ihre Kolleginnen, die nicht frei von Rassismus über die verhasste Konkurrenz herziehen. Doch als Zulema eines Tages von einem Freier übel zugerichtet wird, zeigt sich Caye gegen alle Vorurteile solidarisch und bringt sie ins Krankenhaus. Aus Konkurrentinnen werden Leidensgenossinnen, aus Feinden werden Freunde. Gemeinsam stellen sie sich fortan dem Leid, hoffen auf Veränderung und kämpfen für ein besseres Leben. Gemeinsam werden sie am Tage unsichtbar, um in der Nacht aufzuerstehen als Prinzessinnen.

Regisseur León de Aranoa ("Montags in der Sonne") wirft in seinem neuen Film einen ungeschönten wie präzisen Blick auf den Lebensalltag zweier Prostituierter. Mit viel Respekt vor seinen Figuren und fernab jeglichem Voyeurismus, gelingt ihm dabei die schwierige Balance zwischen einer unaufdringlichen Sozialkritik und einem ungemein einfühlsamen Melodram. Wie selbstverständlich und ohne jeglichen Pathos erzählt, siegen hier die Solidarität über den Rassismus, die Hoffnung über die Verzweiflung und die Träume über das wahre Leben.

Eine mitunter dokumentarisch anmutende Inszenierung, sowie die durchweg überzeugende Darstellerriege, verdichten „Princesas“ zu einer ernsthaften Geschichte mit sozialem Anspruch. Hinzu kommt die überaus stimmige Filmmusik eines Manu Chao, die den Erzählrhythmus des Films gekonnt abrundet. So wurde dann auch völlig zu Recht die Hauptdarstellerin Candela Peña (Caye), die Nebendarstellerin Micaela Nevárez (Zulema) sowie der Titelsong des Films mit dem spanischen Oscar – dem Goya – bedacht.

Gary Rohweder