Problemista

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Manche Filme sind ungreifbar – sind sie eine Komödie, ein Drama, irgendetwas dazwischen? Die Frage stellt man sich auch bei „Problemista“, der sehr persönlichen Arbeit von Julio Torres als Autor, Regisseur, Hauptdarsteller und Produzent, der Anleihen bei seinem eigenen Leben nimmt und von einem jungen Mann erzählt, der El Salvador verlässt, weil er in den USA sein Glück sucht. Mitunter witzig, manchmal fast schon bizarr, vor allem aber eine Nummernrevue.

Webseite: https://www.upig.de/micro/problemista

USA 2023
Regie: Julio Torres
Buch: Julio Torres
Darsteller: Julio Torres, Tilda Swinton, RZA

Länge: 104 Minuten
Verleih: Universal Pictures
Kinostart: 13. Juni 2024

FILMKRITIK:

Schon als Kind ist Alejandro klar, dass er mal Spielzeug erfinden möchte. Als junger Mann kommt er nach New York, um seinem Traum zu folgen, ein Job bei Hasbro ergibt sich aber nicht. Stattdessen muss er in einer Kryo-Firma arbeiten, die Leute einfriert, die darauf hoffen, in einer besseren Zukunft wieder aufgetaut zu werden. Nach einem Fehler wird er entlassen, findet in einer exzentrischen Kunstkritikerin aber eine neue Chefin, die ihm helfen will, weiterhin im Land zu bleiben. Ohne Job geht das nämlich nicht.

Das Leben von Alejandro spiegelt das von Julio Torres wider. Er kam auch aus El Salvador, nur dass er nicht Spielzeug erfinden, sondern Filme machen wollte. Sein erster Weg führte als Gag-Schreiber zur Show „Saturday Night Live“. Sein Film „Problemista“ liegt schon einige Zeit auf Halde. Er hätte letztes Jahr schon starten sollen, wurde aber wegen der beiden Streiks in Hollywood geschoben. Jetzt ist er sowohl in den USA als auch hier recht unzeremoniell gestartet worden. Wirklich überraschend ist das nicht.

Denn „Problemista“ hat Probleme. Die Geschichte ist nicht sehr stringent erzählt, vielmehr hat man den Eindruck einer Nummernrevue, und damit das Gefühl, dass Torres seine „Saturday Night Live“-Wurzeln nicht unbedingt abstreifen konnte. Dem steht jedoch gegenüber, dass längst nicht jeder Gag zündet. Im Gegenteil, der Film wirkt vor allem auch im Mittelteil unfokussiert und ergeht sich in einer form von Humor, die nicht punktet. Eine Komödie ohne Lacher, das ist eine Todsünde. Da hilft dann auch nicht mehr, dass Tilda Swintons Figur herrlich exzentrisch ist. Sie ist auch das eigentliche Highlight des Films. Wenn sie erscheint, erwacht „Problemista“ zum Leben, wenn sie abgeht, verfällt der Film wieder in Leerlauf.

Weil Julio Torres als Schauspieler zu zurückhaltend agiert. Er wirkt fast so, als würde er schlafwandeln. Sicher, gegen Tilda Swinton anzuspielen, ist eine Herausforderung, aber auch in den Szenen ohne sie ist Alejandro eine Figur, die höchstens einschläfert, aber nicht in den Bann zieht.

„Problemista“ ist dabei technisch gut gemacht, es hakt nur bei der Geschichte – und darum ist dies auch nicht unbedingt ein Film, den man auf großer Leinwand sehen muss. Da reicht in Kürze auch das Streamen.

 

Peter Osteried