Fortsetzung einer Horrorkomödie, die eigentlich keinen Nachschlag gebraucht hätte: In „Ready or Not 2“ muss sich die von Samara Weaving mit Verve verkörperte Grace erneut Mitgliedern der Oberklasse erwehren. Deren Spezialität: eine – gelinde gesagt – eigenwillige Form des Versteckspiels. Dieses Mal ist auch ihre entfremdete Schwester mit dabei, und es wird noch blutiger als im Vorgänger. Nichtsdestotrotz fühlt sich das Ganze redundanter an als bei der letzten Hetzjagd.
Über den Film
Originaltitel
Ready or Not: Here I Come
Deutscher Titel
Ready or Not 2
Produktionsland
USa
Filmdauer
108 min
Produktionsjahr
2026
Produzent
Vinson, Tripp / Vanderbilt, James / Fischer, Bradley J.
Regisseur
Bettinelli-Olpin, Matt
Verleih
The Walt Disney Company (Germany) GmbH
Starttermin
09.04.2026
Bevor das Regieduo Matt Bettinelli-Olpin und Tyler Gillett mit „Scream“ aus dem Jahr 2022 und der Fortsetzung „Scream VI“ in das Universum einer der erfolgreichsten Horrorleinwandreihen eintauchte, schüttelte es den schwungvoll inszenierten, zwischen Grusel und blutig-absurder Komödie pendelnde Reißer „Ready or Not – Auf die Plätze, fertig, tot“ aus dem Ärmel. Samara Weaving gab darin mit wilder Entschlossenheit die Protagonistin Grace, deren Hochzeitsnacht auf dem Landsitz der Familie ihres frischangetrauten Ehemannes einen unerwarteten Verlauf nahm.
Gemäß einem einst geschlossenen Teufelspakt mit einem gewissen Mr. Le Bail bat die wohlhabende Le-Domas-Sippe die Braut zu einem Versteckspiel mit mörderischen Intentionen. Bis zum Morgengrauen musste, so die Regeln des faustischen Deals, Grace getötet werden. Überraschenderweise konnten ihre Jäger sie jedoch nicht zur Strecke bringen, was wiederum fatale Konsequenzen für alle noch verbliebenden Le-Domas-Mitglieder hatte: Mit den ersten Sonnenstrahlen explodierten ihre Körper. So, wie es die satanische Vereinbarung im Fall einer Niederlage vorsah.
Der kammerspielartige, sich auf die Villa und das direkte Umfeld beschränkende Film machte am Ende einen runden, abgeschlossenen Eindruck – wird nun, sieben Jahre später, aber trotzdem um ein Sequel erweitert. „Ready or Not 2“ setzt genau da an, wo der Vorgänger seinen Abschluss fand: auf den Stufen der Le-Domas-Residenz. Eine völlig derangierte, blutbespritzte Grace gönnt sich nach den unglaublichen Ereignissen eine Zigarette und bricht zusammen, als die ersten Rettungskräfte eintreffen. Im Krankenhaus erhält sie nur wenig später Besuch von ihrer entfremdete Schwester Faith (Kathryn Newton).
Die irrwitzigen Schilderungen der Überlebenden klingen in ihren Ohren abenteuerlich. Schon bald merkt Faith allerdings, dass sie der Wahrheit entsprechen. Denn plötzlich geht das Spiel von vorne los. Nach dem ungeplanten Ableben der Le-Domas-Dynastie zeigt sich, dass diese nur ein Teil eines satanischen Zirkels war, der mit Mr. Le Bail in Kontakt stand. Rund um den Globus gibt es noch weitere steinreiche Familien, die Grace jetzt den Garaus machen müssen. Mehr noch: Die feinen Leute treten ein in einen gnadenlosen Wettstreit um einen Ring, der seinen Besitzern große Macht verleiht. Der Kopf des Danforth-Clans (Regiealtmeister David Cronenberg in einem prägnanten Kurzauftritt), der bisherige Träger, kann damit beispielsweise durch einen einzigen Telefonanruf einen Krieg beenden. Auf dem Anwesen eben dieser Sippe versammeln sich die Teufelsanbeter schließlich, um Grace und die ungewollt mit ins Kreuzfeuer geratende Faith beim Verstecken zu erledigen.
Die Geschichte eines Traumas möchte „Ready or Not 2“, auch wenn es kurz den Eindruck hat, nicht erzählen. Eine emotionale Grundierung soll der Splatter-Spaß aber durch die Schwesternstory erhalten, was leider nur bedingt funktioniert. Obwohl Samara Weaving darstellerisch wieder alles in die Waagschale wirft und mit Kathryn Newton gut harmoniert, wirken die hier und da eingestreuten, das Verhältnis zwischen Grace und Faith auslotenden Zwischentöne oft arg aufgesetzt.
Ganz bei sich ist der Film stets dann, wenn er das Versteckspiel auf immer neue Art und Weise eskalieren lässt. Matt Bettinelli-Olpin und Tyler Gillett inszenieren den im Vergleich mit dem ersten Teil deftigeren Überlebenskampf ohne große Patzer, hangeln sich allerdings weitgehend uninspiriert von einem Gewaltausbruch zum nächsten. Highlights wie jene Szene, in der Grace und eine Widersacherin in einer wilden Choreografie einen Festsaal zertrümmern, haben Seltenheitswert. Stattdessen wiederholen sich manche Pointen und nerven die karikaturesken High-Society-Vertreter, von denen dieses Mal noch mehr als in „Ready or Not – Auf die Plätze, fertig, tot“ durch die Gegend stolpern.
Unangenehm ist auch, dass die Macher einige Brutalitäten genüsslich auszukosten scheinen. Zumindest halten sie stellenweise ewig lang mit der Kamera drauf. Dass das Setting erweitert wird, alles, nicht zuletzt die Verschwörung, größer wirkt, ist für die Atmosphäre nicht gerade förderlich. Eine klaustrophobische Stimmung, wie sie der kompakte, in beklemmend grünstichiger Optik daherkommende Vorgänger erzeugte, lässt „Ready or Not 2“ jedenfalls die meiste Zeit vermissen.
Peter Osteried







