Rettet den Zoo

Cineastisch spielt Südkorea längst in der Champions League. Sogar mit ziemlich schlichtem Kino-Spaß kann das Land überzeugen. Weil einem bankrotten Zoo die Tiere fehlen, sollen die Angestellten im Kostüme in die Käfige steigen, um so den Tierpark zu retten. Die Geschichte passt auf einen Bierdeckel (schließlich basiert sie auf einem Webcomic!). Gleichwohl sorgen putzige Pointen samt umwerfender Situationskomik für amüsante Unterhaltung. „Originell, mitreißend und extrem witzig geht es in die wiedereröffnete Kinosaison“ verspricht der Verleih vollmundig – und hat dabei nicht ganz unrecht.

Website: www.capelight.de/rettet-den-zoo

Südkorea 2020
Regie: Son Jae-gon
Darsteller: Ahn Jae-hong, Kang So-ra, Park Young-kyu, Kim Sung-oh, Jeon Yeo-been
Filmlänge: 117 Minuten
Verleih: capelight pictures, Vertrieb: Central Film
Kinostart: 4. Juni 2020

FILMKRITIK:

Tiefer verbeugt sich niemand in der Anwaltskanzlei als der junge Angestellte Tae-soo. Mit der geplanten Karriere für den aufstrebenden Juristen klappt es dennoch nicht so ganz. Bis der fiese Chef eines Tages überraschend ein verlockendes Angebot macht: Der tollpatschige Held soll in drei Monaten einen maroden Tierpark wieder zum Erfolg führen. Als Anreiz lockt ein rotes Daimler Cabrio als Dienstwagen für den neuen Zoodirektor. Doch dieser Job ist kein Ponyhof, schließlich sind fast alle Tiere längst verkauft. Mit dem verbliebenen Kleinvieh aus Erdmännchen, Waschbären und Papageien sind keine Zuschauer zu locken. Die Idee, spontan ein paar neue Primaten oder Raumkatzen zu kaufen, scheitert schnell an bürokratischen Hürden. So bleibt dem ambitionierten Anwalt in seiner Verzweiflung nur eine verrückte Idee: Die verbliebenen Angestellten sollen in Tierkostüme schlüpfen, den Schwindel im Käfig, so der fast perfekte Plan, wird das Publikum gar nicht bemerken, schließlich werde sowieso niemand Fake-Tiere in einem Zoo erwarten. Die Wärter wirken freilich wenig amüsiert bei solchen Aussichten ihrer neuen Arbeitsplätze.

Bei einem finanzklammen Film-Ausstatter findet sich schnell der passende Schneider für die Fell-Kostüme. „Alles ist möglich!“, verspricht der Künstler. Sein Faultier erinnert zwar stark an Chewbacca aus „Star Wars“ – mit der richtigen Distanz zum Zuschauer wird die Illusion freilich gelingen. Derweil der alte Zoodirektor fortan als Eisbär auftritt, steigt die Veterinärin ins Löwen-Kostüm und der Pfleger gibt den Gorilla.„Seien Sie niedlich! Seien sie süß!“ heißt fortan die Arbeitsdevise. Mit nur 73 Besuchern fällt die Bilanz der Eröffnung eher enttäuschend aus. „Wir brauchen eine Giraffe!“, wird eilends beschlossen. Deren Kostüm weist allerdings gravierende Mängel auf, die mit viel Fantasie und Improvisation mehr schlecht als recht übertüncht werden. Frustriert will die findige Zoo-Gang aufgeben. Doch dann sorgt der durstige Eisbär-Darsteller mit einer Cola-Flasche in einer vermeintlich einsamen Minute für den ganz großen Coup.

Trotz geringer Story-Substanz gelingt dank flotter Dramaturgie, reichlich Pointen-Zauber sowie hübscher Situationskomik ein komödiantisches Kabinettstückchen der oft überraschend originellen Art. Das Figurenkarussell ist gut aufgestellt sowie glänzend besetzt. Ein kleines Eifersuchtsdrama im Gorilla-Outfit sorgt für die notwendige Prise an Emotionen, derweil die profitgierigen Heuschrecken, die hinter dem fingierten Zoo-Geschäft stecken, allemal für satte Kapitalismuskritik gut sind. Erst in der zweiten Halbzeit geht der flotten Comic-Adaption ein bisschen die Ideen-Luft aus, bei der Länge von zwei Stunden wäre weniger allemal mehr gewesen. Der Stimmung der spürbar gut aufgelegter Darsteller tut das freilich keinen Abbruch. Wie der findige Zoo-Direktor dem fiesen Controller aus der Zentrale die Namen seiner Tiere vorstellt, ist allemal eine Comedy-Klasse für sich!

Dieter Oßwald