Return to Silent Hill

Christophe Gans („Pakt der Wölfe“), der schon die erste Verfilmung der gefeierten Videospielreihe „Silent Hill“ inszenierte, bringt das Horror-Franchise zurück auf die große Leinwand. „Return to Silent Hill“ liefert leider genügend Argumente, warum das ein schlechte Idee war. Nach dem unterirdischen zweiten Teil „Silent Hill: Revelation“, an dem der Franzose selbst nicht mitwirkte, geht es zwar ein wenig bergauf. Für packende, emotional aufwühlende Gruselkost reicht es aber beim besten Willen nicht.

 

Über den Film

Originaltitel

Return to Silent Hill

Deutscher Titel

Return to Silent Hill

Produktionsland

FRA,DEU,GBR,USA

Filmdauer

106 min

Produktionsjahr

2026

Regisseur

Gans, Christophe

Verleih

Leonine Distribution GmbH

Starttermin

05.02.2026

 

Dass Videospielverfilmungen gelingen können, beweist das Beispiel der postapokalyptischen HBO-Serie „The Last of Us“. Viele Versuche, den Reiz immersiver Gaming-Erlebnisse auf die große Leinwand oder den kleinen Bildschirm zu übertragen, lassen jedoch stark zu wünschen übrig. Auch die gefeierte Survival-Horrorreihe „Silent Hill“ des japanischen Unternehmens Konami, wurde nicht gerade glanzvoll adaptiert. Christophe Gans‘ gleichnamiges Gruselstück aus dem Jahr 2006 konnte mit einigen albtraumhaften Bildern punkten, hinterließ im Gesamtpaket aber keinen allzu starken Eindruck. Erschreckend konfus und dilettantisch präsentierte sich dann sechs Jahre später die Fortsetzung „Silent Hill: Revelation“, an der der französische Regisseur und Drehbuchautor nicht beteiligt war.

14 Jahre nach dem Desaster des letzten Beitrags setzt Gans nun alles auf Anfang und möchte die Reihe mit dem größtenteils in Deutschland gedrehten Reboot „Return to Silent Hill“ in die Gegenwart transportieren, wobei auch die Entwicklungen im Horrorkino seit 2006 Berücksichtigung finden sollen. Große Pläne, die leider keine Früchte tragen. Auch wenn der dritte Film dem zweiten Kapitel schon in handwerklicher Hinsicht überlegen ist, verliert er sich in abgegriffenem Budenzauber und vermeintlich mitreißenden Handlungssprüngen.

Dabei durfte man sich durchaus Hoffnungen machen. Diente Gans und seinen Drehbuchmitautoren doch das von vielen als bester Teil der Spielreihe angesehene „Silent Hill 2“ als Grundlage. Anders als der gleich mit wirren Szenen einsteigende „Silent Hill: Revelation“ nimmt sich „Return to Silent Hill“ etwas Zeit, um das Grauen von der Kette zu lassen. Im Mittelpunkt der Handlung steht James Sunderland (Jeremy Irvine), der sich vor vielen Jahren von jetzt auf gleich unsterblich in eine junge Frau namens Mary (Hannah Emily Anderson) verliebte, sie heiratete und zu ihr in das scheinbar idyllische Städtchen Silent Hill zog.

In der Gegenwart ist er bloß ein Schatten seines früheren Ichs. Dem Alkohol verfallen, trauert er seiner totgeglaubten Ehefrau nach. Aber dann erreicht ihn ein mysteriöser Brief und ruft ihn zurück nach Silent Hill, wo die vielleicht noch lebende Mary womöglich seine Hilfe benötigt. In der inzwischen fast komplett verlassenen Ortschaft, über der ein dichter Nebel liegt und in der Asche vom Himmel regnet, begibt er sich auf Spurensuche. Alsbald stolpert er dabei in eine unheimliche Parallelwelt, die zahlreiche Monster beherbergt.

Wie in den ersten beiden Filmen ist der Handlungsmotor die Suche nach einem nahestehende Menschen. Unübersehbar will „Return to Silent Hill“ eine große, tragische Lovestory erzählen. Der Funke springt aber schon deshalb nicht über, weil der Beginn der Beziehung zwischen James und Mary ohne das gewisse Etwas inszeniert ist. Während Flashbacks im weiteren Verlauf die immer fragilere Partnerschaft bebildern, spürt man auf der Leinwand anfangs viel zu wenig die im Dialog krampfhaft beschworene Verbundenheit. Beide Charaktere bleiben Abziehbilder, auch wenn sich mit der Zeit schmerzhafte Wahrheiten auftun. Vor allem Marys von Missbrauch geprägte Leidensgeschichte wirkt wie ein rein funktionales Plot-Element, bekommt nie die Aufmerksamkeit, die angebracht wäre, um dem Geschehen die beabsichtigte emotionale Wucht zu geben.

Wenn die Figuren wenig hermachen, dann sollte in einer Horrorarbeit zumindest der Schrecken überzeugend gebaut und arrangiert sein. Aber auch auf dieser Ebene liefert „Return to Silent Hill“ viel zu selten ab. Der Anblick einer nebenverhangenen Stadt, in der ständig Ascheflocken durch die Luft schwirren, hat zwar nach wie vor etwas Beunruhigendes. Das Spiel mit den unterschiedlichen Realitäten ermüdet jedoch schnell.

Obwohl diverse ikonische Kreaturen aus der Gamereihe auftauchen, spult Christophe Gans zumeist Geisterbahngrusel ab, wie man ihn auch anderswo zu sehen kriegt. Je weiter der Film voranschreitet, umso chaotischer und beliebiger erscheint der Wechsel zwischen Monsterwelt, Visionen und Rückblenden. Als plumpes Gimmick entpuppt sich in diesem Zusammenhang auch der Strang um James‘ Therapeutin (Nicola Alexis), die sich Sorgen um den trauernden Witwer macht. Konsequenterweise veranlassen die von großem Pathos begleiten Enthüllungen am Ende bloß zu einem Schulterzucken. Surreale Räume zu öffnen, das Publikum zu verwirren, kann spannend sein. Hier überreizt es Gans allerdings gewaltig.

 

Christopher Diekhaus

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