Rose

Geschichten von Männern, die sich als andere Männer ausgeben kennt man ihm Kino, Geschichten von einer Frau, die vorgibt ein Mann zu sein dagegen kaum. Genau so eine Geschichte erzählt der österreichische Regisseur Markus Schleinzer in seinem neuen Film „Rose“, basierend auf Erzählungen aus dem 17. Jahrhundert, in denen sich der Wunsch nach Selbstbestimmung und Freiheit zeigt. Eines der Highlights der diesjährigen Berlinale mit einer wie immer herausragenden Sandra Hüller in der Hauptrolle.

 

Über den Film

Originaltitel

Rose

Deutscher Titel

Rose

Produktionsland

DEU,AUS

Filmdauer

94 min

Produktionsjahr

2026

Regisseur

Schleinzer, Markus

Verleih

Piffl Medien GmbH

Starttermin

30.04.2026

 

Unter einem breiten Hut versteckt Rose (Sandra Hüller) ihr Gesicht, die kurzen Haare, die Narbe auf der Wange, die es, zusammen mit der tiefen Stimme nicht schwer macht, sie für einen Mann zu halten. Allein der fehlende Bartwuchs unterscheidet sie von den Männern in der abgelegenen Gegend deutscher Lande, in der Rose eine Erbschaft antritt. Es ist nicht ihre, das weiß man dank der elegischen Erzählerstimme, die von Anfang an keinen Zweifel daran lässt, dass Rose eine Betrügerin ist, die sich als Mann ausgibt und ein schlimmes Ende erwartet.

Aber noch ist es nicht so weit, noch sieht die Zukunft verheißungsvoll aus. Der Hof, den Rose nun betreibt, verfällt zwar seit Jahren, doch nach und nach bringen Rose und eine zunehmende Anzahl von Helfern und Mägden den Hof auf Vordermann, bestellen das Feld, hüten Tiere. Ein wenig Skepsis schlägt der sehr zurückhaltenden Person in der kleinen Dorfgemeinschaft zwar entgegen, doch nachdem Rose beim Angriff eines Bären geistesgegenwärtig agiert und das Tier mit ihrem Gewehr vertreibt, steigt ihr Ansehen.

Doch mit dem Erfolg, mit der Freiheit wachsen auch die Ambitionen: Auf dem benachbarten Stück Land fließt ein Bach, doch den Zugriff will der Besitzer nur unter einer Bedingung erteilen: Eine seiner zahlreichen Töchter will er an den Mann bringen, nach kurzem Überlegen willigt Rose ein. Nach der Hochzeit wohnt nun also Suzanna (Caro Braun) auf dem Hof, die Anfangs etwas einfach wirkt, sich bald jedoch als willige Komplizen erweist, die aktiv mithilft, Roses Geheimnis zu bewahren, solange es geht.

Unweigerlich mag man bei der im 17. Jahrhundert, in der Zeit nach dem Ende des 30jährigen Krieg angesiedelten „Rose“ an die beiden Versionen der Geschichte von „Martin Guerre“ denken – im französischen Original von Gérard Depardieu, im amerikanischen Remake von Richard Gere gespielt – eine historisch verbriefte Figur, die die Rolle eines anderen annahm, lange damit durchkam, bevor er entdeckt und hingerichtet wurde.

In „Rose“ erzählt Markus Schleinzer nun quasi die weibliche Version dieser Geschichte, die noch dadurch verkompliziert wird, dass die Hauptfigur ihr Geschlecht wechselt, nicht der einzige Aspekt des Dramas, der es zu einer unterschwelligen Allegorie über gegenwärtige Wünsche nach Selbstbestimmung und Freiheit macht. Im Gegensatz zu „Martin Guerre“ basiert „Rose“ nicht auf einer konkreten Person, sondern auf den offenbar erstaunlich zahlreichen Berichten über Frauen jener Zeit, die sich als Männer ausgaben. Zusammen mit seinem Co-Autor Alexander Brom hat Schleinzer eine Biografie geformt, die konkret aber auch allgemeingültig wirkt, die sich wie eine Fabel entfaltet, bisweilen auch etwas märchenhaftes, unwirkliches an sich hat.

Größtenteils im Harz gedreht, gefilmt in markantem, kontrastreichen schwarz-weiß, schildert Schleinzer das Schicksal Roses in klaren, fast dokumentarischen Bildern. Kaum eine Mine verzieht die Frau, kaum eine emotionale Regung ist auf dem vom Leid der Existenz gezeichneten Gesicht zu erkennen, auch, aber nicht nur durch den ständigen Zwang, eine Rolle auszufüllen.

Groß ist der Preis, den Rose und später auch Suzanna für den Wunsch nach Freiheit und Selbstbestimmung zahlen müssen, den Wunsch, sich in einer traditionellen, patriarchalischen Gesellschaft als Frau nicht den Wünschen der Männer unterwerfen zu müssen. Ohne die vielfältigen Bezüge zur Gegenwart zu konkretisieren, deutet Schleinzer immer wieder Parallelen an, doch am Ende bleibt es den Zuschauern überlassen die Ansätze zu verbinden.

Konsequent führt Schleinzer seine allegorische Fabel zu ihrem unausweichlichen Ende, das die Grenzen der Freiheit aufzeigt, die im 17. Jahrhundert für eine eine Frau wie Rose existierten, die auf andere Weise auch heute noch nicht ganz verschwunden sind.

 

Michael Meyns

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