Rosebush Pruning

Rosen sind wunderschön, können aber auch stechen, so viel weiß man aus zahlreichen Gedichten und auch Filmen, in denen die Blume als Allegorie für menschliche Verhaltensweisen – und Abgründe diente. So auch in „Rosebush Pruning“, dem neuen Film des Brasilianers Karim Aïnouz, der sich in seiner typischer stilistischen Klasse einem derzeit sehr beliebtem Thema widmet: Auf Reichen rumhacken.

 

Über den Film

Originaltitel

Rosebush Pruning

Deutscher Titel

Rosebush Pruning

Produktionsland

DEU,ITL,GBR,ESP

Filmdauer

97 min

Produktionsjahr

2026

Regisseur

Aïnouz, Karim

Verleih

MUBI Deutschland GmbH

Starttermin

23.04.2026

 

Schön mag es sich in den Hügeln unweit von Barcelona leben, lässig und entspannt, sofern man das nötige Kleingeld hat. Woher der extreme Wohlstand einer amerikanischen Familie stammt, die hier lebt bleibt offen, klar ist: Er ist groß. Als Patriarch agiert der blinde Vater (Tracy Letts), der sich von seinen vier Kindern umsorgen lässt: Da ist Jack (Jamie Bell), der älteste Sohn und auch der normalste, was allerdings angesichts dieser mehr als dysfunktionalen Familie wenig zu sagen hat.

Dann Ed (Callum Turner), der auch als Erzähler dient, der aus dem Off von den einzigen Interessen berichtet, die er und seine verzogenen Geschwister haben: Musik und Mode. Dementsprechend gut gestylt bewegt sich die Brut durch das exquisite Designerhaus und weiß nicht recht etwas mit sich anzufangen. Der jüngste Bruder Robert (Lukas Gage) kleidet sich gern in Frauenkleidung und begehrt seinen Bruder Jack, die Schwester Anna (Riley Keough) versucht den Laden zusammenzuhalten, was nicht gelingen wird.

Vor ein paar Monaten verstarb die Mutter (Pamela Anderson), angeblich wurde sie von Wölfen zerrissen, doch wie sich schnell herausstellt lebt sie in einer nahegelegenen Villa mit einem ehemaligen Dienstmädchen.

Doch es ist eine andere Frau, die die vorgebliche Ordnung zerstört, Jacks Freundin Martha (Elle Fanning), eine Musikstudentin, die in einem kleinen Appartement in der Stadt lebt, der Vorstellung, mit dem reichen Jack ein luxuriöses Haus zu besitzen, allerdings mehr als zugetan scheint. Ein gemeinsames Essen im Haus der Familie sollte ihr allerdings zeigen, in was für einen Sumpf sie einzuheiraten versucht, dabei kennt sie nur die Oberfläche der Abgründe.

Dass zu diesen Abgründen auch sexueller Missbrauch zählt, überrascht nicht, denn offenbar haben es sich Karim Aïnouz und sein griechischer Drehbuchautor Efthimis Filippou (bekannt durch seine Zusammenarbeit mit Yorgos Lanthimos) zur Aufgabe gestellt, möglichst nichts an Abartigkeiten auszulassen. Alle erdenklichen Körpersäfte fließen, zahlreiche Figuren erleben das Ende des Films nicht, Missbrauch und Inzest scheinen bei dieser Familie an der Tagesordnung zu sein, doch was folgt daraus?

Immer wieder haben Filme und Fernsehserien in den letzten Jahren die Welt der Reichen und Schönen als Sujet genommen, haben die Oberflächlichkeit, die moralischen Abgründe einer Schicht seziert, die viele Häme verdient. Eine Häme, mit der es sich Filmemacher allerdings auch sehr einfach machen, schließlich können sie sich sicher sein, im eher liberalen Kulturbetrieb auf breite Zustimmung für ihre Kritik an den Oberen Zehntausend zu stoßen.

Ein interessantes oder gar ambitioniertes künstlerischen Werk bedingt diese Haltung aber noch lange nicht, wie sich in Karim Aïnouz „Rosebush Pruning“ einmal mehr zeigt. Eine erstaunlich abstoßende Riege an Figuren findet sich hier zusammen, selbstverliebt, eitel, oberflächlich, zynisch. Nun gibt es nichts gegen Antihelden zu sagen, viele gute Filme benutzen ambivalente Figuren, um etwas interessantes über den Zustand der Welt zu erzählen, doch dieser Schritt gelingt Aïnouz nicht.

Mit makellosen, farbgesättigten Bildern zeigt er eine oberflächliche, abstoßende Welt, widerliche Figuren, die keinerlei sympathische Eigenschaften aufweisen. Als Kritik an Wohlstandverwahrlosung oder der zersetzenden Kraft von zu viel Geld ist das zwar schön anzusehen, bleibt inhaltlich aber arg dünn.

 

Michael Meyns

Mehr lesen

Neuste Filmkritiken

ℹ️ Die Inhalte von programmkino.de sind nur für die persönliche Information bestimmt. Weitergabe und gewerbliche Nutzung sind untersagt. Nachdruck nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Redaktion. Filmkritiken dürfen ausschließlich von Mitgliedern der AG Kino-Gilde für ihre Publikationen verwendet werden.