Ruhet in Frieden – A Walk Among The Tombstones

In dem dicht inszenierten, düsteren Thriller „Ruhet in Frieden – A walk among the tombstones“ spielt der irische Hüne Liam Neeson grandios sein Action-Potenzial aus. Der mittlerweile 62jährige kantige Antiheld mit Charakter fand zwar spät Gefallen an dem halsbrecherischen Genre. Doch dafür wirkt er umso authentischer. Erneut beweist der Hollywoodstar als Ex-Cop, den ein Heroindealer beauftragt, die Mörder seiner entführten Frau zu finden, dass Alter nichts für Feiglinge ist. Tief im Drogensumpf  von New York begibt sich der Oscarpreisträger, der mit „Schindlers Liste“ Filmgeschichte schrieb, auf die Spur mörderischer Soziopathen.

Webseite: www.ruhetinfrieden-film.de

USA  2014
Regie: Scott Frank
Drehbuch: Scott Frank
Darsteller: Liam Neeson, Dan Stevens, Boyd Holbrook, Brian  'Astro' Bradley, Ólafur Darri Ólafsson, David Harbour, Adam David Thompson,  Sebastian Roché, Frank De Julio, Whitney Able, Marina Squerciati, Mark Consuelos, Briana Marin, Purva Bedi, Laura Birn, Toshiko Onizawa.
Länge: 115 Minuten
Verleih: Universum Filmverleih
Kinostart: 13. November 2014

FILMKRITIK:

„Sie sind eine Art Privatdetektiv?“  Misstrauisch blickt Drogenboss Kenny Kristo (Dan Stevens) auf den Mann im abgewetzten braunen Cordsakko. „Ohne Lizenz, ich tue Leute einen Gefallen“, gibt Ex-Cop Matthew Scudder (Liam Neeson) unumwunden zu. „Im Gegenzug machen sie mir Geschenke“, klärt der trockene Alkoholiker den smarten Heroindealer auf. Acht Jahre ist es her, dass der Einzelgänger den Polizeidienst quittierte. Grund: Durch einen Querschläger bei einer wilden Schießerei tötete er angetrunken ein kleines Kind.

Seitdem hält sich der wortkarge Privatschnüffler mit zweifelhaften Aufträgen über Wasser. Und auch diesmal lässt er sich nach einigem Zögern auf das dubiose Angebot ein. Er soll die Männer ausfindig zu machen, die Kenny Kristos attraktive Frau gekidnappt und brutal ermordeten. Eine Tonbandaufnahme ist zunächst die einzige Spur. Der Fall führt ihn tief in die Unterwelt des urbanen Alptraum New York. Dabei zeigt sich, dass die Entführung nicht die einzige war, sondern Teil einer Serie. Nun setzt er alles daran, die Killer zu finden und aufzuhalten, während diese bereits ihr nächstes Opfer ins Visier nehmen.

Nerven zerreißend inszeniert der renommierte Drehbuchautor („Get Shorty“ und „Out of Sight“) und Regisseur Frank Scott seinen Trip-Noir durch die dunklen Straßen von New York bevölkert mit den gescheiterten Existenzen des amerikanischen Traums. Sein schillerndes Portrait einer im Zwielicht liegenden Halbwelt mit Rückblenden in Schwarz-weiß und stimmigen Parallelmontagen besitzt Sogwirkung.  Gleichzeitig entwickeln sich durch die Symbiose aus grandiosen Kamerafahrten, einem exzellentem Schnitt und einer versierten Bildgestaltung, rasante Actionszenen.

Last but not least ist der Krimi-Thriller freilich das Werk seines Hauptdarstellers Liam Neeson. Bis aufs Äußerte konzentriert spielt der Profi den melancholischer Hardboiled-Detective, den verlorenen modernen Helden, fast ähnlich ambivalent wie die Charaktere des film noir. Wenn der überzeugte Ire einen Raum betritt, wird es still.  Seine Größe, seine Präsenz, seine Gelassenheit beeindrucken. Der Hollywoodschauspieler  besitzt Lebenserfahrung. Das verraten nicht nur die Fältchen im Gesicht des 62-Jährigen.

Er ist der Charakterdarsteller, den Hollywood-Regisseure anrufen, wenn sie ihren Filmen Gewicht verleihen wollen. Neeson selbst sieht die Sache eher pragmatisch. „Ich weiß schon, dass ich mit meinen 1,93 Metern etwas hermache“, sagt der Vater von zwei fast erwachsenen Söhnen. Der ehemalige Boxer besitzt das spezielle Talent, im Mainstream- und Arthouse-Kino gleichermaßen zu funktionieren. Kein Wunder, dass der charismatische Oscarpreisträger damit zum verlässlichsten Kassen-Magneten der jüngsten Vergangenheit aufstieg. Seit '96 Hours' ist Neeson als Einzelkämpfer und Rächer, der zur Selbstjustiz greift, zu einer festen Größe im Action-Genre geworden.

Luitgard Koch