Sams im Glück

Ob zwischen Buchdeckeln oder im Kino: Die angenehm altmodischen Kindergeschichten des chaotischen „Sams“ und seiner bürgerlichen Adoptivfamilie Taschenbier sind satte Publikumserfolge. Der dritte Kinofilm „Sams in Gefahr“ überzeugt wiederum durch originelle Einfälle und überdrehten Humor, der durchaus auch ein erwachsenes Publikum ansprechen wird.

Webseite: www.samsimglueck-film.de

Deutschland 2012
Regie: Peter Gersina
Buch: Paul Maar, Ulrich Limmer
Darsteller: Christine Urspruch, Ulrich Noethen, Armin Rohde, Aglaia Szyszkowitz, Eva Mattes, August Zirner
Filmlänge: 95 Minuten
Verleih: Universum
Kinostart: 29. März 2012

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Es muss an den roten Haaren liegen: Was dem Münchner sein „Pumuckl“, das ist dem Oberfranken das „Sams“ – ein anarchischer, verfressener und grundsympathischer Eindringling in eine allzu geordnete Spießerwelt. Sieben Bücher hat der Bamberger Autor Paul Maar mittlerweile geschrieben rund um das Sams und die Familie Taschenbier, bei der es sich häuslich niedergelassen hat. Die erste Verfilmung unter dem schlichten Titel „Das Sams“ lockte mehr als 1,8 Millionen Zuschauer in die Kinos und sammelte zahlreiche Preise, für die Fortsetzung „Sams in Gefahr“ erhielt Produzent Ulrich Limmer den Bayerischen Filmpreis für den „Bester Kinder und Jugend Film“.

Aus der schlichten Adaption der Romane in Kinostoffe ist längst ein arbeitsteiliger Prozess geworden, in dem Maar und Limmer gemeinsam am Drehbuch schreiben, bevor die Geschichte auch in gedruckter Form veröffentlicht wird. Doch das dritte Filmabenteuer vom Sams und den Taschenbiers zeigt eindrucksvoll, um welche Dimensionen das Kino die Erzählungen bereichern kann – es gibt herrlich exaltiert überdrehtes Schauspiel und jede Menge kinetische Energie auf der Leinwand zu sehen.

Denn es läuft zwar prinzipiell gut für die Familie Taschenbier und ihren Dauergast, plant „Papa“ (Ulrich Noethen), wie das Sams (Christine Urspruch) ihn längst nennt, doch den Weg in die Selbständigkeit mit einer neuartigen, von ihm entwickelten Maschine zur Herstellung von Regenschirmen und sein Freund Mon (Armin Rohde) ist gerade in die unmittelbare Nachbarschaft gezogen. Aber dann ziehen doch wieder Wolken auf über dem „Sams im Glück“: Einem uralten Gesetz zufolge muss es nach zehn Jahren, zehn Monaten und zehn Tagen seine geliebten Menschen verlassen. Oder diese verwandeln sich auch in Samse…

Es ist eine schiere Freude mit anzusehen, wie Ulrich Noethen das Sams rauslässt. Mit wildem Kopfschütteln, entrücktem Grinsen im Gesicht und weit ausladenden Bewegungen fräst der ehemals so schüchterne Angestellte Taschenbier sich durch Dutzende Pizzen, die er mit dem Sams vertilgt, bis die Schlange der Boten, die vor dem Hause anstehen, um die nächste Straßenecke geht. Er düpiert seinen Chef (August Zirner), er bricht in eine Schokoladenfabrik ein, und im Gefängnis bewegt er sich so unvorsehbar geschmeidig, dass selbst der stiernackige Knast-Schläger vor dem samsigen Taschenbier in die Knie gehen muss. Die komischen Funken, die der Film aus diesen Situationen schlägt, sind beträchtlich. Dem Chaos steht das Kino gut – und umgekehrt.

Doch natürlich will dieses zum Ende hin wieder in geordnete Bahnen gefasst werden, was sowohl die Handlung selbst als auch deren Darstellung betrifft. Man kann den beiden Autoren und Regisseur Peter Gersina durchaus vorwerfen, dass sie schließlich den einen oder anderen erzählerischen Schlenker zu viel machen. Dafür beenden sie ihren Film mit einem hoch witzigen Showdown, in dem, soviel sei verraten, Armin Rohde als Scheich wider Willen auf einem Kamel durch den Barock der Bamberger Altstadt reitet. Die überbordende Fülle an solch originellen Einfällen, die nie soweit ins Alberne driften, dass erwachsene Zuschauer nicht auch ihren Spaß daran hätten, macht einige dramaturgische Schwächen des Films mehr als wett.

Tim Slagman

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