Saving Mr. Banks

Den Kinderbuch- und Filmklassiker „Mary Poppins“ kennt fast jeder, doch die Geschichte hinter der Geschichte ist ebenso unterhaltsam wie spannend. Basierend auf einer australischen TV-Doku und archivierten Tonbandaufnahmen beleuchtet „Saving Mr. Banks“ jene turbulenten zwei Wochen, in denen die britische Schriftstellerin P.L. Travers, Hollywood-Mogul Walt Disney und dessen Autorenteam um die künstlerischen wie vertraglichen Details eines lange geplanten „Mary Poppins“-Kinofilms stritten. Oscar-Preisträgerin Emma Thompson als P.L. Travers und Oscar-Preisträger Tom Hanks als Walt Disney liefern einmal mehr schauspielerische Glanzleistungen in diesem etwas anderen Blick hinter die Kulissen der Traumfabrik.

Webseite: www.saving-mr-banks.de

USA/UK/AUS 2013
Regie: John Lee Hancock
Darsteller. Emma Thompson, Tom Hanks, Paul Giamatti, Colin Farrell, Ruth Wilson, Annie Rose Buckley
Laufzeit: 125 Minuten
Kinostart: 6.3.2014
Verleih: Disney

PRESSESTIMMEN:

"…läßt einen nach und nach dahinschmelzen."
Brigitte

"Tom Hanks spielt den Zeichentrick-Mogul mit einer großen Portion Humor und Wärme. Doch es ist Emma Thompson, die alle überragt. Ihre P.L.Travers ist brüsk, bissig und britisch bis zum perfekt vernähten Saum ihres perfekt sitzenden Rocks. (…) Ein zauberhafter Film über eine ebenso zauberhafte Geschichte, die bis heute Jung und Alt glücklich macht. – Prädikat: besonders wertvoll."
Filmbewertungsstelle Wiesbaden

FILMKRITIK:

In diesem Jahr feiert ein Klassiker der Filmgeschichte seinen 50-jährigen Geburtstag, der aus dem Kanon der Traumfabrik und speziell dem von Walt Disney kaum wegzudenken ist: „Mary Poppins“. Die kindgerecht erzählte Geschichte um ein ganz besonderes Kindermädchen wurde ein Welterfolg und für Hauptdarstellerin Julie Andrews zum Grundstein ihrer Filmkarriere. Nun erzählt Hollywood in einem etwas anderen „Making of“ von der schwierigen, zum Teil mehr als nervenaufreibenden ersten Etappe auf dem Weg zu den Dreharbeiten. Letztere spielen in „Saving Mr. Banks“ jedoch keine Rolle. Der auf einer australischen Dokumentation und den Recherchen des Filmemachers Ian Collie basierende Geschichte widmet sich vielmehr jenen zwei Wochen, in denen im sonnigen Los Angeles die kompromisslose, dickköpfige Schriftstellerin P. L. Travers (Emma Thompson) auf den legendären Hollywood-Produzenten Walt Disney (Tom Hanks) traf.

Travers hatte jahrelang Disneys Wunsch nach einer Verfilmung ausgeschlagen. Als jedoch ihre Einnahmen aus dem beliebten Kinderbuch immer weiter zurückgehen, willigt sie schließlich in die Vertragsverhandlungen ein. Dabei zeigt sich, dass die resolute Autorin nicht nur das letzte Wort am Drehbuch einfordert, sie verlangt auch zahllose Änderungen, die von Drehbuchautor Don DaGradi (Bradley Whitford) und dem Komponisten-Duo Richard (Jason Schwartzman) und Bob Sherman (B.J. Novak) am besten ohne Widerworte umzusetzen sind. Eigentlich lehnt sie die Idee, ihre „Mary Poppins“ später als farbenfrohes Gute-Laune-Musical auf der Kinoleinwand zu erleben, ganz grundsätzlich ab. Sie ist gegen die Besetzung mit Dick Van Dyke, gegen dessen albernen Schnurrbart, gegen die Farbe Rot im Film und natürlich gegen jeden Versuch der Trivialisierung.

In eingeflochtenen Rückblenden erzählt Regisseur John Lee Hancock – spätestens seit dem Oscar-prämierten Football-Drama „The Blind Side“ erfahren im Umgang mit wahren Begebenheiten – eine zweite Geschichte, die vieles erklärt und die uns die Person hinter der kratzbürstigen, überaus schwierigen Autorin P. L. Travers vorstellt. Dass die als so urbritisch geltende Schriftstellerin ihre Kindheit im australischen Outback verbrachte, ist hierbei nur der erste von vielen interessanten Einblicken. Die im Disney-Archiv gelagerten Tonbandaufnahmen der Verhandlungen zwischen Travers, Disney und den Autoren dienten Hancock und seinen Darstellern als weiteres, wichtiges Puzzleteil. In den Händen von Oscar-Preisträgerin Emma Thompson wird die verschlossene, geheimnisvolle P. L. Travers zu einer vielschichtigen, trotz ihrer nur bedingt liebenswerten Eigenarten faszinierenden Persönlichkeit, die man früher oder später in sein Herz schließen muss. Thompson vollbringt das Kunststück, ihre ganze schauspielerische Erfahrung in die Seele dieser Figur einfließen zu lassen. So ist bereits Travers’ erste Begegnung mit Walt Disney respektive dessen „Zöglingen“ schlichtweg hinreißend (komisch).

Tom Hanks unternimmt wiederum nicht den Versuch, die Hollywood-Ikone Walt Disney krampfhaft zu imitieren. Schon seine äußere Erscheinung spräche gegen ein solches Vorhaben. Stattdessen bringt er uns Disneys ehrliche Begeisterung für die Geschichte der „Mary Poppins“ und die von ihm perfektionierte Kunst der Unterhaltung näher. Wie Thompson liebt auch Hanks das, was er tut. Beide großen Schauspieler tragen diese wunderbar zwischen komischen und stillen Augenblicken ausbalancierte Geschichte, die berührt ohne in Kitsch oder falsche Rührseligkeit abzugleiten.

Sowohl Hancocks Gespür für das Wahrhaftige und Echte, das er schon in „The Blind Side“ unter Beweis stellte, als auch sein Vertrauen in die Darsteller prägen diesen unterhaltsamen wie aufschlussreichen Blick hinter die Kulissen der Traumfabrik. Selbst wenn man nicht der Generation angehört, die mit „Marry Poppins“ aufgewachsen ist, wird man mitunter den Wunsch verspüren, umgehend in die eigene Kindheit zurückreisen zu wollen. Nicht nur in dieser Hinsicht bleibt „Saving Mr. Banks“ seinem faszinierenden Studienobjekt bis zum Hollywood-typischen Happy End treu.

Marcus Wessel