Schatzkammer Berlin

Nicht etwa die ganze Hauptstadt ist beim Titel „Schatzkammer Berlin“ gemeint, sondern nur ein Teil ihrer Schätze, nämlich die, die in den Museen der Stiftung Preußischer Kulturbesitz ausgestellt werden. Von der Nofretete, über einen Goldhut bis zu einem mit Perlen bestickten Thron reichen die Schätze, die Dag Freyer in seiner Dokumentation vorstellt.

Webseite: www.salzgeber.de

Dokumentation
Deutschland 2018
Regie & Buch: Dag Freyer
Länge: 88 Minuten
Verleih: Salzgeber
Kinostart: 10. Mai 2018

FILMKRITIK:

Das Erbe Preußens bewahrt die 1957 ins Leben gerufene Stiftung Preußischer Kulturbesitz auf, an 19 über die ganze Stadt verteilten Standorten, an denen sich hunderttausende Objekte befinden. Ein Problem ist also die Präsentation, die Auswahl von besonderen Highlights, aber auch einer Darstellung der Sammlungsgeschichte, nicht zuletzt des in den letzten Jahren besonders beachteten Themas der Provenienz.

Jede größere Sammlung, die ihre Anfänge bis ins 19. Jahrhundert zurückverfolgen kann, steht vor dem Problem, dass mehr oder weniger große Teile ihrer Sammlung durch Methoden in ihren Besitz gekommen sind, die heutzutage zumindest als fragwürdig zu gelten haben. Gerade die umfassende ethnologische und anthropologische Sammlung Berlins, die bislang in Museen in Dahlem zu sehen war und mit Eröffnung des Humboldt Forums ins Herz der Stadt ziehen wird, ist voll von Objekten aus der Südsee oder Afrika, die nicht immer legal erworben wurden.

Doch so einfach ist die Sache auch wieder nicht, wie etwa die Geschichte des Throns Mandu Yenu aus dem Kamerun beweist. Ein unglaublich prachtvolles Objekt ist dieser mit Perlen bestickte Thron vom Stamm der Bamum, doch wie Erben des Königs berichten, wurde der Thron keineswegs gestohlen, sondern war ein Geschenk an Kaiser Wilhelm, dass die Verbundenheit der Völker zum Ausdruck bringen sollte.

Diese und andere Anekdoten ziehen sich durch den Film, für den Dag Freyer nicht nur in den Berliner Museen und Archiven filmte, sondern nach Möglichkeit auch in den Herkunftsländern der Objekte. Wenn es um die prächtigen Bauten aus Babylon geht, die im Pergamon Museum ausgestellt sind, ist ein Besuch im heutigen Irak zwar nicht möglich, aber in Kamerun oder China lässt sich aufzeigen, wo und wie Objekte einst entdeckt wurden und in den Besitz der Preußen gekommen sind.

Das berühmteste Objekt ist dabei ohne Frage die Büste der Nofretete, die im Neuen Museum auf der Museumsinsel ausgestellt wird, wo sich insgesamt fünf Museen befinden, die zu den bedeutendsten Museumskomplexen der Welt zählen und problemlos mit den Sammlungen des Louvre in Paris, des British Museum in London oder dem Metropolitan Museum in New York mithalten können.

Ein gewisser kultureller Nationalismus, zumindest ein Stolz auf die Sammlungen, die in der Hauptstadt ausgestellt werden, zieht sich durch „Schatzkammer Berlin“. In kurzen Segmenten, die seine Herkunft vom Fernsehen durchscheinen lassen, stellt Dag Freyer einzelne Häuser, Objekte, Kuratoren vor, deren Mitwirkung sich meist darauf beschränkt, ihr atemlosen Staunen über die Großartigkeit ihrer jeweiligen Sammlungen zum Ausdruck zu geben. Unterlegt von zahllosen Flugaufnahmen von der fraglos eindrucksvollen Architektur der Häuser, besonders der auf der Museumsinsel beheimateten, mutet „Schatzkammer Berlin“ wesentlich weniger analytisch an als etwa Dokumentationen über einzelne Museen wie Frederick Wisemans „National Gallery“ oder Johannes Holzhausens „Das große Museum.“ Ein wenig zu sehr auf Highlights reduziert ist Dag Freyers Ansatz, was „Schatzkammer Berlin“ allerdings andererseits zu einer wahren Fundgrube an großartigen Museums-Objekten macht.

Michael Meyns