Schloss im Himmel, Das

Ein (bereits 1986 entstandener) märchenhafter Animé-Fantasyfilm voller Flugmaschinen und Einfälle von Japans Altmeister Hayao Miyazaki („Chihiros Reise ins Zauberland“). Für Kinder und Erwachsene.
Das kleine Waisenmädchen Sheeta wird von bösen Männern der Regierung ebenso verfolgt wie von einer skurrilen Bande von Luftpiraten, die von der skrupellosen „Mutter“ angeführt wird. Sie alle wollen den seltsamen Stein, den Sheeta an einer Kette um den Hals trägt und der von der sagenumwobenen fliegenden Insel Laputa stammt. Gemeinsam mit ihrem Freund Pazu flieht Sheeta vor ihren Verfolgern und muss dabei eine Reihe von Abenteuern bestehen.

Webseite: www.das-schloss-im-himmel.de

Japan 1986
Regie und Buch: Hayao Miyazaki
Musik: Joe Hisaishi
Produzent: Isao Takahata
Länge: 124 min
Verleih: Universum/Vermietung über Buena Vista
Starttermin: 8.6.2006
FSK: freigegeben ab 6 Jahren

PRESSESTIMMEN:

Zwei Waisenkinder auf der Suche nach einem mythischen Himmelsschloss: Die japanische Zeichentrick-Legende Hayao Miyazaki bringt erneut ein fantasievolles und spannendes Anime-Vergnügen ins Kino.
ARD

Die Abenteuerfabel um die kindliche Heldin Sheeta mag schlichter sein als die Storys manch späterer Filme des Meisters, doch seine visuelle Fabulierlust entfaltet sich in ihrer ganzen Virtuosität.
Der Spiegel

FILMKRITIK:

Der japanische Trickfilmautor und –regisseur Hayao Miyazaki nimmt in der Welt des Zeichentrickfilms schon lange Kultstatus ein. Pixar Studios beispielsweise sind nach Vorbild von Miyazakis legendärer Produktionsfirma Studio Ghibli organisiert. Mit „Prinzessin Mononoke“, „Chihiros Reise ins Zauberland“ und „Das wandelnde Schloss“ wurde Miyazaki (der übrigens auch hinter der Heidi-Fernsehserie aus den 70er Jahren steht) in den letzten Jahren endlich auch einem wachsenden Publikum in Westeuropa ein Begriff.
Mit „Das Schloss im Himmel“ bringt Universum Film nun ein frühes Meisterwerk Miyazakis ins Kino, den ersten Film der in seinem unabhängigen, nur auf Animations-Spielfilme spezialisierten Studio Ghibli entstand.

„Das Schloss im Himmel“ spielt in einer Welt, in der sich alles ums Fliegen dreht. Seltsame Flugmaschinen, die an Jules Verne und da Vinci erinnern, bevölkern den Vorspann. Gleich die erste Sequenz spielt in einem bauchigen Hotel-Flugschiff das von einer bunten Gruppe Piraten auf kleinen Fluggleitern angegriffen wird.  Die Piraten sind auf der Suche nach einem kleinen Mädchen, das dort vom dubiosen Musca festgehalten wird. Oder vielmehr: sie sind sie auf der Suche nach dem seltsamen Kristall, dass die Waise Sheeta an einer Kette um den Hals trägt und das von der fliegenden Insel Laputa stammen soll. Sheeta flüchtet aus ihrer Kabine auf die Außenwand der Flugmaschine – und stürzt ab.

Mitten im Flug beginnt der Kristall zu leuchten und bremst Sheetas Fall, bis sie schließlich sanft schwebend im Bergwerk landet, in dem der kleine Junge Pazu arbeitet. Die beiden Kinder freunden sich an und als Sheetas Verfolger sie in dem kleinen Bergarbeiterdorf aufspüren, fliehen Pazu und Sheeta zusammen. Gemeinsam bestehen sie eine Reihe von dramatischen Abenteuern, finden unerwartete Verbündete in den Luftpiraten und in einem Kriegsroboter und gelangen schließlich auf das sagenumwobene Laputa. Dort kommt es zu einer letzten Konfrontation zwischen Sheeta und Musca.

Obwohl am Zeichenstil zu erkennen ist, dass es sich um ein älteres Werk Miyazakis handelt, enthält „Das Schloss im Himmel“ bereits alles, das „Chihiros Reise ins Zauberland“ oder „Das wandelnde Schloss“ für Kinder und Erwachsene gleichermaßen faszinierend machte: Spannung, Entspannung und Humor in einer guten Mischung, liebenswerte und mutige Hauptpersonen, vor allem aber eine überbordende Fülle an skurrilen Charakteren, überraschenden Wendungen und visuellen Einfällen, die das Markenzeichen des eigenwilligen Regisseurs ist.

In seinen Animationsfilmen schafft Miyazaki immer wieder märchenhafte Welten, die um nichts weniger komplex sind, als die reale. Gut und böse sind oft relativ, MachthaberInnen verdächtig und technischer Fortschritt meist ein zweischneidiges Schwert. So sind Laputas Kampfroboter einerseits todbringende Waffen, andererseits liebenswerte Metallriesen, die sich um die kleinen Tierchen in ihrer Nachbarschaft kümmern – je nachdem, wie sie eingesetzt werden und wer die Macht hat, Entscheidungen zu treffen.

Ebenso erfrischend sind Miyazakis mutige kleine Mädchen, seine biestigen und machtbesessenen alten Zauberinnen auf der Jagd nach männlichem Frischfleisch, oder hier die bärbeißige, hässliche und unerschrockene Chefin der Piratenbande. Jede Menge Identifikationsmöglichkeiten für kleine und große Mädchen, die ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen und dafür weder männliche Unterstützung noch Rechtfertigung brauchen.

Hendrike Bake