Schutzengel

Schluss mit lustig! Nach „Kokowääh“ und Co. setzt Til Schweiger nun auf Action, und zwar satt! Wie üblich übernimmt er Regie, ist Koautor und spielt die Hauptrolle. Als Ex-Elitesoldat Max soll er die junge Nina (Schweiger Tochter Luna) beschützen, die einen Mord beobachtet hat. Der Killer ist ein mächtiger Waffenhändler mit besten Kontakten. Die lästige Zeugin soll verschwinden, der listige Aufpasser wird das verhindern. Knallhart cooler Genre-Krimi mit reichlich Pulverdampf – und hoher Gefühldosis. Die Cameo-Quote ist traditionell hochkarätig und reicht diesmal von Frank Plasberg bis zum Springer-Vorstand Matthias Döpfner.

Webseite: www.Schutzengel-DerFilm.de

Deutschland 2012
Regie: Til Schweiger
Darsteller: Til Schweiger, Luna Schweiger, Moritz Bleibtreu, Heiner Lauterbach, Herbert Knaup, Karoline Schuch, Kostja Ullmann, Frank Plasberg, Mathias Döpfner
Verleih: Warner Bros.
Kinostart: 27. September 2012

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Til tilt! Statt flauschigem Frauenversteher in Kuschelkomödien gibt Schweiger diesmal als knallharter Ex-Elitesoldat den einsamen Wolf im Action-Krimi – dessen steinernes Herz freilich von einer jungen Waisen erweicht wird. Nina heißt die Heldin (überzeugend gespielt von Schweiger Tochter Luna), die in einer noblen Hotelsuite zur unfreiwilligen Zeugin eines eiskalten Mordes wird. Der Täter (Heiner Lauterbach) ist ein mächtiger Waffenhändler mit exzellenten Anwälten und noch besseren Kontakten zu höchsten Kreisen der Staatsmacht. „Was ist mit der Zeugin? Kann man die kaufen?“ raunzt er ungeduldig. Dass das Mädchen im Zeugenschutzprogramm hermetisch abgeschirmt sein sollte, sorgt beim Bösewicht allenfalls für ein kurzes Grinsen. Die geheime Adresse ist schnell geknackt, die Schergen unterwegs und die ahnungslosen Beschützer dahingerafft. Doch mit Max bekommt Nina einen kampferprobten Retter in höchster Not. Dem ungleichen Duo gelingt höchst abenteuerlich die Flucht in letzter Minute, es wird nicht die einzige Situation sein, der sei entkommen müssen. Nicht nur fiese Killer-Kommandos setzen sich auf die Fährte, auch die Polizei verfolgt die vermeintlich Verdächtigen. Zum Glück findet sich im einstigen Kriegsgefährten Rudi (Moritz Bleibtreu) ein cleverer Verbündeter, der selbst vom Rollstuhl aus die bösen Buben aufmischt. Beim großen Showdown in der einsamen Hütte muss Max freilich allein gegen eine enorme Übermacht antreten – wie er sich aus der Schlinge dieser ausweglosen Situation zieht, entwickelt sich zum kleinen Überraschungsei.

Mit reichlich Tarantino-Erfahrung auf dem Buckel inszeniert Schweiger sein Action-Stück als wahre Ballermann-Orgie und spielt gut gelaunt auf der Genre-Klaviatur. Cooler und öfter wurde im deutschen Kino selten die Knarre gezogen. Dabei verkommt die ganze Schießerei keineswegs zum stumpfsinnigen Videospiel, hinter all dem Pulverdampf bieten sich durchaus emotionale Qualitäten. Der einsame Wolf und das selbstbewusste Waisenkind – der Beginn einer wunderbaren Freundschaft zwischen zwei geschundenen Seelen. Erinnert an „Leon – Der Profi“? Und wenn schon: Zum einen wird das Story-Rad im Kino selten neu erfunden. Zum anderen zählt das „Wie“ mehr als das „Was“. Beim Erzählen kann Schweiger bei diesem „Barfuss“ mit Pistolen beachtlich punkten.

Rasantes Tempo, originelle suspense-Einlagen, satter Soundtrack und hübsche Optik. Dazu lakonisch selbstironische Dialoge („50 und keine Freundin?“ – „Ich bin nicht 50!“) sowie eine traditionell hochkarätige Besetzung von den Nebenrollen bis zu den Statisten. Ob Herbert Knaup als schnapsselig schusseliger Polizeichef, Kostja Ullmann als Mini-Macho oder Frank Plasberg als eitler Journalist in lebensnaher Selbstgefälligkeit. Selbst der große Springer-Chef Matthias Döpfner macht für Schweiger den kleinen Komparsen im Arztkittel. Dessen berühmt berüchtigtes Zitat „Wer mit Bild im Aufzug nach oben fährt, der fährt auch mit ihr im Aufzug nach unten!" kann Schweiger relativ gelassen nehmen – mehr Medien-Häme als er muss sich hierzulande ohnehin kein Filmschaffender gefallen lassen. Am chronischen Erfolg beim Publikum wird das auch diesmal wenig ändern. Durchaus verdient: Wer sonst wagt sich im deutschen Kino schon ans Action-Genre? Verknüpft es verspielt mit Gefühlskino und Comedy-Einlagen? Last not least werden die Erbsenzähler diverser Filmfehler-Portale ebenfalls bedient. Wie seit „Knockin’ on Heaven’s Door“ erklingen amerikanische Polizeisirenen auf Berliner Straßen. Der Grund, so Schweiger: „Weil sich das im Kino einfach besser anhört als das deutsche Tatüü-Tataa.“

Dieter Oßwald