Segeljungs – Mit Null Ahnung um die Welt

„Einfach machen“ lautet das Motto von Tim, Vincent, Thomas und Michael. Und genau dieses Motto setzen die vier jungen Bad Tölzer um, als sie nach der Schule 2018 mit einer Weltumseglung starten. Nach 40.000 Seemeilen und dem Besuch von 38 Ländern endet der Trip im Sommer 2023 im französischen Port-Saint-Louis-du-Rhône. Die Doku „Segeljungs“ berichtet von diesem großen Abenteuer und macht eindrucksvoll klar, was mit einem Mix aus Naivität, Neugierde, Ausdauer und Willenskraft möglich ist.

 

Über den Film

Originaltitel

Segeljungs – Mit Null Ahnung um die Welt

Deutscher Titel

Segeljungs – Mit Null Ahnung um die Welt

Produktionsland

DEU

Filmdauer

118 min

Produktionsjahr

2026

Regisseur

Hund, Tim / Steinigeweg, Tobias

Verleih

Filmwelt Verleihagentur GmbH

Starttermin

02.04.2026

 

Vier Freunde aus Oberbayern wollen mit einem Segelboot die Welt umrunden. Das Besondere an der Reise ist, dass keiner von ihnen zu Beginn über Segelerfahrung verfügt. Ein Sprung ins, im wahrsten Sinne, kalte Wasser. Aber der epische Trip gelingt und das Wort „episch“ trifft es gut, denn am Ende dauerte das große Abenteuer fünf Jahre. „Segeljungs“ erzählt diese außergewöhnliche Geschichte. Der Zuschauer darf sich über eine beachtliche Fülle an Eindrücken und Geschehnissen freuen. Und das ist kein Wunder: Bei fünfjähriger Drehzeit entstanden 20 Terabyte Rohmaterial, mit über elf Kameras gefilmt.

Oft geht es in dokumentarischen Reiseberichten um extreme Herausforderungen, die Bezwingung menschenfeindlicher Natur oder die Erkundung fremder Länder und Kontinente. „Segeljungs“ vermengt all diese Themen und Inhalte. Die hier gezeigte Grenzerfahrung: Die Durchquerung der Weltmeere. Von der Ostsee und der Nordsee geht es in den Atlantik. Es folgen der Pazifik und die Südsee, über Asien erreichen die Segler dann den Indischen Ozean und durchs Rote Meer schippern sie zurück nach Europa. Ein wahnwitziges und fast weltfremdes Unterfangen. Getreu dem Motto: „Mit Null Ahnung um die Welt“, wie der Untertitel des Films treffend lautet.

Die Impressionen der besuchten Städte, der (abseits gelegenen) Atolle, Strandbuchten und Inselgruppen sind beeindruckend. Gerade die Drohnenaufnahmen aus weiterer Entfernung verdeutlichen die Schönheit dieser Orte – allen voran jener in der Südsee und Karibik. Ebenso atmosphärisch sind die Szenen, in denen das Schiff einsam auf dem offenen Meer treibt. Inmitten des Ozeans nichts als Stille und unendliche Weite, das Festland ist etliche Seemeilen entfernt. Keine anderen Schiffe sind in Sicht. Die Männer haben ein großes Gespür für das Einfangen solch stimmungsvoller, ruhiger Passagen.

Und dann wiederum dominieren Umtriebigkeit, Action, Geschwindigkeit und Spannung. Etwa wenn das Wetter auf hoher See und schwerer Wellengang (z.B. im Atlantik) die Abenteurer herausfordert. Hier kamen zumeist Smartphone-Cams zum Einsatz, mit denen die Beteiligten die Erlebnisse aus ihrer Sicht sowie ihre Gefühle direkt und unmittelbar einfangen konnten. Daneben sehen wir die Weltumsegler u.a. beim Surfen in Frankreich oder beim Tauchen vor der malerischen Karibikinsel Curacao. Dabei entstehen wunderbare Unterwasserbilder von versunkenen Schiffen und der vielfältigen Tierwelt.

Überhaupt dokumentieren Tim und Vincent (die beiden anderen, Thomas und Michael, schieden nach einem Jahr vorzeitig aus) immer wieder ihre Begegnungen mit Tieren, von Blau- und Buckelwalen über Delphine, Seelöwen und Walhaie bis hin zu exotischen Vögeln auf Baker Island. Lobenswert ist, dass gleichsam ernste Themen wie „Umweltbelastung“ und die damit verbundene „Plastikflut“ Erwähnung finden.

„Segeljungs“ verheimlicht auch die Probleme und Rückschläge im Laufe der Weltumsegelung nicht. Ein ums andere Mal steht das Projekt nämlich auf der Kippe. Zum Beispiel nach dem Ausstieg von Thomas und Michael oder durch all die technischen Probleme mit der 14 Meter langen Stahlyacht. Mal bricht der Großbaum, mal reißt das Segel. In der Karibik gibt der Motor seinen Geist auf.

Bisweilen kann die Vielzahl an Eindrücken und die bereits angesprochene Materialfülle etwas erschlagend wirken. Eine Laufzeit von über zwei Stunden für eine Reise-Doku ist stattlich. Wenig subtil erscheint ferner die musikalische Untermalung. Sie ist abwechslungsreich und an die jeweiligen Geschehnisse angepasst, fraglos. So erklingen düstere Elektro-Sounds bei den dramatischen Szenen auf hoher See. Später untermalen eingängige Singer-Songwriter-Stücke und fröhlicher Indie-Pop die ausgelassenen Augenblicke. Auffallend aber ist der emotionalisierende Einsatz und die Präsenz der Musik, wodurch das Gezeigte gelegentlich in den Hintergrund gedrängt wird.

 

Björn Schneider

Mehr lesen

Neuste Filmkritiken

ℹ️ Die Inhalte von programmkino.de sind nur für die persönliche Information bestimmt. Weitergabe und gewerbliche Nutzung sind untersagt. Nachdruck nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Redaktion. Filmkritiken dürfen ausschließlich von Mitgliedern der AG Kino-Gilde für ihre Publikationen verwendet werden.