Selbst ist die Braut

Wer das Kino für seine Innovationen schätzt, wähnt sich bei „Selbst ist die Braut“ garantiert im falschen Film. Auf bekannten (Um-)Wegen finden darin eine anfangs verbissene Karrierefrau und ihr smarter Assistent zueinander. Letztlich trösten Sandra Bullock, Ryan Reynolds und der Rest des Ensembles erfolgreich über das offensichtliche Originalitätsdefizit der Geschichte hinweg.

Webseite: www.selbst-ist-die-braut.de

OT: The Proposal
USA 2009
Regie: Anne Fletcher
Darsteller: Sandra Bullock, Ryan Reynolds, Craig T. Nelson, Mary Steenburgen, Oscar Nuñez, Betty White, Malin Akerman
Laufzeit: 108 Minuten
Kinostart: 30.7.2009
Verleih: Walt Disney
 

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Jede romantische Komödie (auf neudeutsch: RomCom) besitzt eine mehr oder weniger abstruse Ausgangsidee, die nur dazu dient, eine weitgehend bekannte Dramaturgie in Gang zu setzen. Im Fall von Anne Fletchers „Selbst ist die Braut“ werden kurzerhand die amerikanischen Einwanderungs- und Aufenthaltsbestimmungen als Vorwand für ein ganz auf die beiden Hauptdarsteller Sandra Bullock und Ryan Reynolds zugeschnittenes Date Movie bemüht. „Everybody’s Darling“ Sandra Bullock spielt darin die strenge, förmlich von Ehrgeiz zerfressene Verlagslektorin Margaret Tate. Unter ihrem fast schon diktatorischen Führungsstil, der wohl nicht ganz zufällig an Meryl Streeps Rolle in „Der Teufel trägt Prada“ erinnert, leidet auch ihr Assistent Andrew Paxton (Reynolds). Die Vorstellung, dass diese beiden einmal ein Liebespaar sein könnten, scheint zunächst reichlich abwegig.

Als plötzlich jedoch Beamte der amerikanischen Einwanderungsbehörde die gebürtige Kanadierin aufsuchen, erweist sich der folgsame Andrew als überaus nützlich. Um nach Ablauf des Visums einer Ausweisung zu entgehen, lässt sich Margaret zu einer folgenschweren Notlüge hinreißen. Kurzerhand präsentiert sie den erstaunten Andrew als ihren Verlobten und zukünftigen Ehemann. Der spielt das absurde Spiel brav mit. Immerhin droht auch er seinen Job zu verlieren, sollte Margaret tatsächlich das Land verlassen müssen. Der anschließende Antrittsbesuch bei Andrews Eltern im fernen Alaska verläuft dann ebenfalls anders als geplant. Erstaunt stellt Margaret fest, dass die Familie ihres zukünftigen Gatten zu den reichsten Alaskas zählt. Und obwohl die Nachricht von Andrews Verlobung auch dort für alle Beteiligten überraschend kommt, überwiegt letztlich die Freude. Vor allem Andrews Mutter Grace (Mary Steenburgen) und Oma Annie („Golden Girl“ Betty White) nehmen die Schwiegertochter in spe mit offenen Armen auf. Soviel Gastfreundschaft bereitet Margaret schon bald ein schlechtes Gewissen.

Getrau der Devise „Was sich liebt, das neckt sich“ finden auch Margaret und Andrew über einige Umwege zueinander. Zwischen dem finalen Liebesschwur vor versammelter Kollegenschaft und den ersten, noch unfreiwilligen Annäherungsversuchen liegen dank eines glänzend aufgelegten Ensembles anderthalb fast durchgängig vergnügliche Stunden. Während „The Office“-Darsteller Oscar Nuñez in der Rolle des Insel-Chaoten Ramone zur Höchstform aufläuft, sorgt bereits das bloße Wiedersehen mit der inzwischen 87jährigen Betty White für ein nostalgisches Schwelgen in alten TV-Erinnerungen. Dass ihre Figur wie der gesamte Film nicht den geringsten Anspruch auf Originalität oder Eigenständigkeit erheben kann, soll dabei keineswegs verschwiegen werden. Regisseurin Anne Fletcher und ihr Drehbuchautor Pete Chiarelli gehen vielmehr auf Nummer sicher, wenn sie Szene für Szene dem bewährten Rezept einer erfolgreichen romantischen Komödie folgen. Wie man eine solche inszeniert, das hat Fletcher erst mit ihrem letzten Film „27 Dresses“ hinreichend unter Beweis gestellt.

Trotz des wieder einmal diskussionswürdigen deutschen Titels, der offenkundig das hierzulande besonders Hochzeitsfilm-affine Kinopublikum anlocken soll, zählt „Selbst ist die Braut“ zu den besseren Vertretern des RomCom-Genres. Chiarellis Skript setzt neben gelegentlichen Albernheiten – warum nur muss „Golden Girl“ Betty White in lächerlicher Indianerverkleidung einen nicht minder lächerlichen Tanz aufführen? – auf verbale Schlagfertigkeiten und die Star-Persona des Duos Bullock/Reynolds. Hinter Reynolds’ äußerst selbstbewusstem Spiel mit den eigenen Reizen verblasst bisweilen sogar der couragierte Einsatz seiner Filmpartnerin. Er, der zuletzt als Hugh Jackmans Gegenspieler in „X-Men Origins: Wolverine“ auftrat, tut gut daran, sich auch in Zukunft nicht auf ein Genre festlegen zu lassen. Etwas mehr Mut bei der Rollenauswahl wäre ihm aber dennoch zu wünschen.

Marcus Wessel

Margaret Tate ist in einem Verlag Geschäftsfrau durch und durch. Unterstützt wird sie von ihrem Assistenten Andrew Paxton, der schon lange sehnlich darauf wartet, unter Margaret seinen Roman veröffentlichen zu können. Diese hat nur einen Fehler, wenn man so sagen darf: Sie ist nicht Amerikanerin, sondern Kanadierin und hat versäumt, ihre Aufenthaltspapiere in Ordnung zu halten. Demnach soll sie für ein Jahr ausgewiesen werden.

Als sie diesen Bescheid erhält, ist sie zuerst entsetzt – fängt sich aber sofort und erklärt kurzerhand, ohne dass der Kandidat auch nur die geringste Ahnung haben könnte, dass sie Andrew demnächst heiraten werde. Eine Möglichkeit also, in den USA verbleiben zu können.

Andrew denkt zunächst gar nicht daran. Dann aber stellt er ein paar Bedingungen und sagt ja. Schlechter steht die Sache bei der Einwanderungsbehörde. Der Beamte bekommt mit, dass es sich um eine Scheinehe handeln könnte. Also muss schnellstens etwas unternommen werden – und zwar eine Reise in Andrews Heimat Alaska, wo Margaret den Eltern des zukünftigen Bräutigams vorgestellt werden muss.

Ein Brautpaar, das in Wirklichkeit keines ist, kommt natürlich nicht ohne Schwierigkeiten durchs Leben. Also gefühlsmäßige Distanz, getrennte Betten, Einmischung der ahnungslosen Familie. Das „Schlimmste“: Andrews Großmutter schlägt vor, aus Anlass ihres 90. Geburtstages die Hochzeit sofort zu veranstalten. Es scheint kein Zurück mehr zu geben. Doch während der Feier bricht es aus Margaret heraus. Sie verkündet vor der Festversammlung, wie alles kam – und geht.

Jetzt allerdings muss Andrew sich sputen, wenn er die Frau, die er längst lieben gelernt hat, noch kriegen will.

Im Stil der Screwball-Komödie wird hier anspruchsloses, aber sehr vergnügliches Amüsement geboten. Von den Handlungsideen und von der Gestaltung des Milieus her ist das routinierte Hollywood-Arbeit – ziemlich perfekt wie meistens. Wer keine höheren Ansprüche stellt, wird hier bestens bedient.

Sandra Bullock gibt die Margaret. Bis auf ganz wenige Übertreibungen ist ihre spielerische Präsenz wie immer exzellent. Ryan Reynolds als Andrew kann ihr gut das Wasser reichen. Betty White als noch überaus rüstige Oma und nach längerer Zeit Mary Steenburgen als Andrews Mutter sind ebenfalls dabei.

Routinierte Hollywood-Komödie als anspruchslose, aber amüsante Unterhaltung.

Thomas Engel