Shelter

Es gibt Filme, die überraschen und solche, bei denen man genau weiß was man bekommt. Ric Roman Waughs „Shelter“ gehört zu letzterer Kategorie, denn auch wenn Star Jason Statham für die ersten 20 Minuten des schnörkellosen Thrillers zurückgezogen auf einer einsamen Insel lebt und lieber ganz allein bleiben würde, reicht ein Blick auf das Filmplakat, um zu wissen, dass er auch hier einen unbarmherzigen Killer spielt, der aber – natürlich – eine weiche Seite hat.

 

Über den Film

Originaltitel

Shelter

Deutscher Titel

Shelter

Produktionsland

GBR, USA, KAN

Filmdauer

107 min

Produktionsjahr

2026

Regisseur

Waugh, Ric Roman

Verleih

Tobis Film GmbH

Starttermin

26.03.2026

 

Wenn man es einsam und rau mag, sind die Äußeren Hebriden genau das richtige. Auf einer kleinen Insel, eigentlich kaum mehr als ein großer Felsbrocken vor der schottischen Küste, lebt Mason (Jason Statham) in einem verlassenen Leuchtturm, nur ein Hund leistet ihm Gesellschaft. Einmal die Woche kommt ein Boot vorbei, rudert die junge Jessie (Bodhi Rae Breathnach) an Land und stellt Mason eine Kiste mit dem Nötigsten vor die Tür.

Kontakt lehnt Mason ab, doch als ein Sturm Jessies Boot zum Kentern bringt, rettet er das Mädchen. Damit beginnt eine Kette von Ereignissen, die das Leben beider durcheinanderwirbelt – und zahlreiche Tote fordern wird. Denn wie sich schnell herausstellt, war Mason einst ein Spezialagent in einer geheimen Einheit, die vom jetzigen Chef des britischen Geheimdienst Manafort (Bill Nighy) dazu benutzt wurde, nicht ganz saubere und schon gar nicht moralische Missionen durchzuführen.

Irgendwann hatte Mason genug von dieser Arbeit und hat sich zur Ruhe gesetzt. Doch Manafort mag keine losen Enden und wartet nur darauf, ein Lebenszeichen von Mason zu erhaschen, um ihn von einer Killereinheit jagen zu lassen. Eine neue Überwachungstechnologie ermöglicht ihm nun genau das und so kommt eins zum anderen. Ein verwaschenes Handyfoto reicht aus und eine Gruppe von Soldaten landet auf Masons Eiland, segnet aber schnell das Zeitliche.

Doch durch den Überfall wird Masons Überwachungs- aber vor allem sein Überlebensinstinkt geweckt. Zusammen mit Jessie betritt Mason zum ersten Mal seit Jahren wieder das Festland, wo alte Freunde ihm weiterhelfen und meist mit dem Leben bezahlen. Denn Manafort setzt einen Profikiller auf Mason an, um das Problem endlich zu lösen. Doch er hat die Rechnung ohne sein altes Protegé gemacht.

Unscheinbar beginnt Ric Roman Waughs „Shelter“, wie ein Drama über einen Mann, der die Einsamkeit sucht. Mit dichtem Bart, windfester Jacke und dauerhaft finsterer Mine agiert Jason Statham in typischer Manier und spricht nur so viele Worte wie unbedingt nötig. Dass hinter dieser zurückhaltenden Fassade ein perfekter, unbarmherziger Killer steckt, ist eigentlich nicht zu ahnen, aber man weiß es, hat sich Statham in den letzten Jahren doch eine sehr spezielle Nische im modernen B-Picture erarbeitet, die er ein ums andere Mal variiert.

In Filmen von Guy Ritchie passiert das mit ein bisschen mehr Humor, meist mit schnörkelloser Härte und einiger Brutalität. Wie ein Uhrwerk spult nun auch Ric Roman Waugh seinen neuen Thriller ab, der Versatzstücke des Genres variiert, mal ganze Handlungsmotive aus den „Jason Bourne“-Filmen als Vorbild nimmt, schließlich eine ausladende Sequenz in einem Nachtclub inszeniert, die deutlich an eine Szene aus Michael Manns „Collateral“ erinnert.

So wie sich Liam Neeson in den letzten Jahren zum Actionhelden entwickelt hat, der scheinbar immer wieder aufs Neue seine Tochter oder andere Menschen vor Entführern rettet, so variiert Jason Statham seit Jahren mit schöner Regelmäßigkeit und großer Routine die Rolle des Killers, der sich zur Ruhe gesetzt hat, aber dann doch noch einmal zur Waffe greifen muss.

Spannung im Sinne von überraschenden Wendungen liefert „Shelter“ dabei in keinem Moment, dafür eine routiniert und souverän inszenierte Variation bekannter Motive. Kein großes Kino, dafür aber ein schnörkelloser, souverän inszenierter Action-Thriller

 

Michael Meyns

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