Shnat Effes – Die Geschichte vom bösen Wolf

Eine einfühlsame und zugleich süffisante Momentaufnahme der israelischen Gesellschaft zu Anfang des neuen Jahrtausends. Vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Krise und der immer breiter werdenden Kluft zwischen Arm und Reich erzählt der Film – ähnlich wie "Short Cuts", "L.A. Crahs" u.a. – drei Alltagsgeschichten aus der quirligen Metropole Tel Aviv, hinter deren Glamour sich ständig Leid und Glück die Waage halten. Sämtliche Hauptrollen sind mit Topstars aus dem israelischen Kino, Fernsehen und Theater besetzt.

Regie: Joseph Pitchhadze
Verleih: mecfilm
Kinostart: 13. April 2006
Offizielle (hebräische) Website:
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Website mecfilm: www.mecfilm.de

PRESSESTIMMEN:

Ein freches und brillant fotografiertes Stück israelisches Kino. Mit einer gehörigen Portion Chuzpe hat Regisseur und Koautor Pitchhadze dabei Anleihen bei Tarantino genommen, aber auch bei Hal Hartley oder Atom Egoyan, was erzählerische Komplexität angeht. Herausgekommen ist ein ebenso skurriler wie warmherziger und vor allem höchst unterhaltsamer Episodenfilm über Menschen und ihre Sorgen und Freuden… Arthouse-Kino vom Feinsten!
Blickpunkt Film

Ein bitterböses Gegenwartsmärchen… Eine dichte moralische Erzählung über persönliche Verantwortung und gesellschaftliche Macht, die den Vergleich mit „Short Cuts“, „Magnolia“ oder Todd Solondz’ „Happiness“ nicht scheuen muss. Besetzt ist der mit kühnen elliptischen Raffungen montierte Film mit Matadoren israelischer Schauspielkunst…
Tagesspiegel Berlin

Ein Panorama der israelischen Gesellschaft in der Gegenwart.
Berliner Zeitung

Geschichten aus dem modernen Israel… In ihrer Gesamtheit ergben die sich gegenseitig Impulse mitteilenden Handlungsstränge das Bild eines modernen Israel, das sich weit von den Idealen seiner zionistischen Gründergeneration entfernt hat. Privatisierung und Profitorientierung haben gemeingesellschaftliche Eigentumsformen abgelöst, soziale Netzwerke sind durchlässig geworden, Vereinzelung und Entfremdung bestimmen das Lebensgefühl der Menschen… Der Mensch ist des Menschen Wolf, selbst wenn er sich für ein Schaf hält.
Tip Berlin

Großes Kino aus Israel, ein Meilenstein wie "Das Leben nach Agfa ".
(Westfälische Nachrichten)

Nicht entgehen lassen !!
(epd-film)

FILMKRITIK:

Eine einfühlsame und zugleich süffisante Momentaufnahme der israelischen Gesellschaft zu Anfang des neuen Jahrtausends. Vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Krise und der immer breiter werdenden Kluft zwischen Arm und Reich erzählt der Film – ähnlich wie "Short Cuts", "L.A. Crahs" u.a. – drei Alltagsgeschichten aus der quirligen Metropole Tel Aviv, hinter deren Glamour sich ständig Leid und Glück die Waage halten. Sämtliche Hauptrollen sind mit Topstars aus dem israelischen Kino, Fernsehen und Theater besetzt.
Das Leben ist die Summe aller unvorhergesehenen Dinge, sagt der Regisseur, und so hat er auch seinen Film angelegt. Die Schicksale der unterschiedlichsten Menschen und Charaktere begegnen sich, verbinden sich, trennen sich wieder. Es sind nicht die Höhepunkte der Existenz, die sich abspielen und die zählen, sondern die Alltäglichkeiten. Das ist ehrlich, naturalistisch, gewöhnlich. So und nicht anders läuft das Leben in den meisten Fällen. Davon berichtet „Shnat Effes“.
Der Wohnungsmakler Ruven und seine Frau Michal waren sich immer einig, keine Kinder zu wollen. Michal wird trotzdem schwanger und will das Kind behalten. Ruven ist irritiert. In seiner Aufregung überfährt er den Hund eines blinden Physiotherapeuten. Später hat er Gewissensbisse und sucht ihn auf. Eine besondere Beziehung entwickelt sich.
Anna hat einen zehnjährigen Sohn, ist allein erziehend. Sie hat kein Geld und muss die Wohnung aufgeben. Ihr bleibt nichts anderes übrig, als sich zu prostituieren. Sie freundet sich mit Matti an, doch der betreibt Waffenhandel und ist vor Killern nicht sicher.
Kagan, Rundfunktechniker von Beruf, produziert unter erheblichen Behinderungen eine Sendung über seinen Vater, der in den siebziger Jahren in Israel eine Punkband hatte. Robinson taucht auf, Mitglied der damaligen Band. Und wieder ergibt sich eine unvorhergesehene Wendung.
Tel Aviv. Das Leben ist wie überall. Wirtschaftskrise, immer größerer Gegensatz zwischen arm und reich. Glück und Leid, Wärme und Kälte halten sich nur in etwa die Waage. Diese Stimmung gibt der Film authentisch wieder. Keine Sensation, keine Show – normales Leben, in dem jeder einmal an den Nullpunkt gerät.
Gemacht ist das nicht allzu aufregend, aber flüssig und vor allem menschlich und glaubhaft. Israelische Filme sind bei uns selten. Auch deshalb sollte man sich diesen ansehen. Er bringt uns die Israelis mit „ihrer Traurigkeit, ihrer Unbeugsamkeit, ihrer Sehnsucht“ näher.

 

Thomas Engel