Shooting Dogs

Zwei Jahre nach „Hotel Ruanda“ kommt mit „Shooting Dogs“ ein weiterer Film in die Kinos, der sich mit dem Völkermord in Ruanda im Jahr 1994 beschäftigt. Regisseur Michael Caton-Jones ist nicht nur später dran, sondern liefert auch das schwächere Werk ab. Irritierend ist vor allem, dass westliche Helfer und deren Gewissensnöte den Film dominieren, während die verfeindeten Hutu und Tutsi meist nur als konturlose Massen auftauchen. Mit dieser Konstruktion will Caton-Jones wohl das Interesse des westlichen Publikums wecken. Ein angemessener Umgang mit dem heiklen Thema ist das aber nicht.

Webseite: www.timebandits-films.de

GB / D 2005
Regie: Michael Caton-Jones
Buch: David Wolstencroft
Darsteller: John Hurt, Hugh Dancy, Dominique Horwitz, Claire-Hope Ashitey
Länge: 114 Minuten
Verleih: Timebandits Films
www.shootingdogsfilm.blogspot.com
Kinostart: 17. Mai

PRESSESTIMMEN:

 

Regisseur Michael Caton-Jones gelingt ein bewegendes Drama über die Ohnmacht gegenüber maßloser Gewalt.
Der Spiegel

Der bewegende Film prangert die Unterlassungssünden der Vereinten Nationen in diesem Bürgerkrieg an. Schauspielerisch überzeugend, konzentriert er sich auf die psychologische Ausarbeitung der Charaktere der weißen Protagonisten, wodurch der Völkermord zur Kulisse westlicher Gewissenskonflikte wird.
film-dienst

FILMKRITIK:

„Hotel Ruanda“ und „Shooting Dogs“ haben eine ähnliche Ausgangssituation. Sie spielen in Refugien, in denen Tutsi einen prekären Schutz vor den mordenden Hutu-Milizen finden. Bei Caton-Jones ist das eine Schule, die zugleich das Camp belgischer UN-Soldaten ist. Deren Mandat besteht darin, den Friedensprozess in Ruanda zu beobachten. Ein grotesker Auftrag angesichts der Ereignisse nach dem Tod des ruandischen Präsidenten im April 1994. Mit Macheten bewaffnete Hutus beginnen, die Minderheit der Tutsi abzuschlachten. Binnen weniger Wochen sterben 800 000 Menschen. Der UN-Sicherheitsrat lehnt es mit aberwitzigen Begründungen ab zu intervenieren und räumt später ein, versagt zu haben.

Da der Film im UN-Camp spielt, erwartet man, dass die Geschichte dieses politischen Versagens erzählt wird. Doch das ist nicht der Fall. Der UN-Kommandant (Dominique Horwitz) wiederholt nur gebetsmühlenartig, dass er nicht schießen lassen darf  (außer auf ein paar streunende Hunde, die sich an den Leichen vor den Toren der Schule zu schaffen machen). Ansonsten werden ein paar Bilddokumente von UN-Verantwortlichen in New York eingespielt, mit denen uninformierte Zuschauer aber nichts anfangen können. Die politische Dimension interessiert Caton-Jones also nicht. Er stellt vielmehr die moralische Frage, was der Einzelne tun kann (und muss) angesichts des Mordens. So bilden die Befindlichkeiten eines idealistischen Lehrers (Hugh Dancy) und eines katholischen Priesters (John Hurt) den Kern des Films. Beide erleben, wie alles, an was sie glauben, sich im Grauen des Gemetzels aufzulösen scheint, und ziehen verschiedlichene Konsequenzen aus dieser Grenzerfahrung.

Die Geschichte so zu erzählen, birgt die Gefahr, dass der Bürgerkrieg zur bloßen Kulisse wird. Tatsächlich erfährt man wenig über die Gründe des Konflikts und das Geschehen wirkt statisch. Die immergleichen Bilder von grölenden  Hutu-Horden und verängstigten Flüchtlingen ermüden. Und ein Tutsi-Mädchen ist inmitten der Europäer die einzige ruandische Figur mit einer tragenden Rolle. Den Opfern des Massenmords wird man so sicherlich nicht gerecht.

Volker Mazassek