Silver Linings

Diese romantische Komödie ist ein hübsches, kleines Wunder, denn hier geht es um ein Thema, das eigentlich weder romantisch noch komisch ist: Der Held ist manisch-depressiv. Bradley Cooper spielt diesen Pat, der mehr und stärkere Gefühle hat, als ein Mensch vertragen kann. Als er nach einem längeren Klinikaufenthalt plötzlich wieder bei seinen Eltern landet, beginnt für ihn ein neues Leben. Er begegnet der seltsamen Tiffany, die mindestens genauso kompliziert ist wie er selbst. Und während Pat immer noch denkt, er könnte seine Frau zurückerobern, merkt er nicht, wie Tiffany immer wichtiger für ihn wird.
Erfrischend anspruchsvoll, herzlich und dabei so komisch, so tragisch und schön wie das Leben selbst! – Ausgezeichnet mit dem Publikumspreis auf dem Filmfestival Toronto 2012.

Webseite: www.senator.de

USA 2012
Regie und Drehbuch: David O. Russell
Romanvorlage: Matthew Quick
Darsteller: Bradley Cooper, Robert de Niro, Jennifer Lawrence, Jacki Weaver, Chris Tucker, Anupam Kher, Shea Whigham, Julia Stiles
Kamera: Masanobu Takayanagi
120 Minuten
Verleih: Senator
Kinostart: 3. Januar 2013

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Hinter dem Begriff „bipolare Störung“ verbirgt sich eine Krankheit, bei der die Betroffenen ohne Ankündigung die Kontrolle über sich verlieren können und sich in extreme Gefühle hineinsteigern. Manchmal werden diese Manisch-depressiven zur Gefahr für sich selbst und ihre Umwelt. Es gibt Medikamente, die ein normales Leben erlauben, aber leider, leider ist Pat ein bisschen störrisch, was die Einnahme seiner Pillen betrifft. Nun wurde er gerade aus der Klinik entlassen, in der er per Gerichtsbeschluss einige Monate verbringen musste. Frau, Haus und Job sind weg, so dass ihm nichts anderes übrig bleibt, als wieder im Elternhaus einzuziehen. Das ist an sich schon eine Zumutung, und zwar für alle Beteiligten, denn Pats Eltern müssen sich, ebenso wie die gesamte Nachbarschaft, erstmal an Pats nächtliche Wutanfälle gewöhnen. Die Begegnung mit Tiffany, einem rätselhaften Mädchen von nebenan, bringt Pat dazu, neue Hoffnung zu schöpfen, dass er seine Frau Nikky zurückerobern könnte. Denn Tiffany kennt Nikky, und so lässt sich Pat auf einen Handel ein: Er wird mit ihr für einen Tanzwettbewerb trainieren, dafür verschafft sie ihm ein Wiedersehen mit Nikky. Tanzen gehört nicht gerade zu den Kernkompetenzen des ehemaligen Lehrers, der zwar fit ist, aber eher unwillig, sich rhythmisch zu verbiegen. Wenn Tiffany und Pat sich trotz aller Komplikationen am Ende finden, dann liegt es sicherlich nicht an ihren überragenden Tanzkünsten, sondern schlicht und einfach an der Liebe, die ja bekanntlich stärker ist alles andere.

Im Grunde wird also eine Boy-meets-Girl-Geschichte erzählt, ungewöhnlich verpackt und mit viel Liebe fürs Detail. Durch Pats extreme Gefühlslage ergibt sich eine zusätzliche Spannung, die sich auch optisch im Film wiederfindet. Ruhige Bilder wechseln sich ab mit sehr lebhaften, schnellen Aufnahmen. Dabei scheint es manchmal, als wolle die Kamera den Darstellern bis in die kleinste Pore krabbeln, so dicht ist sie an den Protagonisten. Diese Direktheit findet sich auch in den Dialogen: Hier passt alles, sie sind witzig, schlagfertig und manchmal einfach zu Herzen gehend, obwohl man immer den Eindruck hat, sie seien improvisiert. Doch das gehört eben zur hohen Kunst der Komödie, die sich hier von ihrer allerbesten Seite zeigt. Die Charaktere sind stimmig, facettenreich mit Ecken und Kanten und dennoch so überzeugend, dass man sich einmal mehr verneigen möchte vor David O. Russell. Er ist wirklich ein Teufelskerl, denn es ist ihm wieder einmal – nach THE FIGHTER (2010) – gelungen, für eine starke Geschichte eine beeindruckende Garde hochkarätiger Darsteller zu verpflichten. Und die sind mit ihren Rollen derart gut verbunden, dass man sich vom ersten Moment an hineingezogen fühlt in dieses Amerika der Kleinbürger, geradezu beispielhaft liebenswert und schräg verkörpert von Robert de Niro und Jacki Weaver, die Pats Eltern spielen.

Robert de Niro ist als Pat senior ein sympathischer alter Knacker, der insgeheim seiner Wettleidenschaft nachgeht. Er lebt in seiner schlichten amerikanischen Spießerwelt – und in der gibt es keine kranken Söhne, die mit Gerichten oder psychiatrischen Kliniken zu tun haben. Pat senior muss sich an ein neues Leben und an ein neues Miteinander gewöhnen. Das fällt ihm deutlich schwerer als Delores, seiner Frau, gespielt von Jacki Weaver: eine Mutter zwischen Stolz und Verzweiflung und als Ehefrau ebenso geduldig wie energisch. Jacki Weaver verleiht dieser unbeirrbar pragmatischen Heldin des Alltags die Würde einer antiken Tragödin mit dem Witz einer Sitcom-Darstellerin. Jennifer Lawrence spielt die kesse, hübsche Tiffany – ein zerbrechliches und beinahe zerbrochenes Mädchen, das wild entschlossen ist, wieder ein normales Leben zu führen. Mit erfrischender Offenheit thematisiert sie all das, was Pat sich nicht traut. Mit List und Tücke gewinnt sie Pats Aufmerksamkeit. Und das ist gar nicht so leicht, denn Pat kreist um sich selbst wie ein verirrter Satellit auf der Suche nach einer neuen Umlaufbahn. Und es ist – tatsächlich – der hübsche Bradley Cooper, 2011 zum „Sexist Man Alive“ gewählt, der diesen verstörten Mann der Extreme spielt. Das macht er ganz großartig und sehr überzeugend: sensibel, verletzlich und mit jungenhaftem Charme. Seine Ausbrüche sind weder peinlich noch aufgesetzt, hier macht sich einer Luft, dem das Leben böse mitgespielt hat. Diesen Kerl muss man einfach liebhaben, so wie auch die übrigen Helden dieser schrägen Alltagsgeschichte. In Sachen Schauspielerführung gibt es zurzeit wahrscheinlich niemanden aus der jüngeren Garde der US-Regisseure, der es mit David O. Russell aufnehmen kann.

Und eins ist klar: Wie Russell die Tanzszene am Schluss vorbereitet und ankündigt, wie sie dann tatsächlich präsentiert wird, wie alles sich fügt und findet, das ist absolut großartig – hammerhart komisch und zu Herzen gehend! Vielleicht die beste letzte Viertelstunde aller romantischen Komödien der letzten 30 Jahre. Viel Spaß!

Gaby Sikorski

Pat Solatano leidet an einer schweren bipolaren Störung, er ist so gut wie schizophren. Seine Arbeit hat er bereits verloren, sein Haus ebenfalls und seine Frau Nikki obendrein. Acht Monate war er jetzt in der psychiatrischen Klinik. Er kommt heim zu Vater und Mutter. Die Mutter ist wohl die vernünftigste, der Vater hat die Wettleidenschaft.

Pat ist ein netter Junge – bis er einen Wutanfall hat. Dann ist es ratsam, sich aus seiner Umgebung schnellstmöglich zu entfernen.

Doch er hat dazugelernt. Er will jetzt nach einem vernünftigen System leben, sich zusammenreißen – und vor allem seine Nikki wieder haben. Sein Verlangen nach ihr ist geradezu wahnhaft und mit Sicherheit schwierig zu erhalten, denn laut einem Gerichtsbeschluss darf er sich ihr nicht nähern.

Pat trifft beim Joggen auf Tiffany. Sie scheint unberechenbar: manchmal liebebedürftig, dann wieder lieblos, manchmal zu allem bereit, dann wieder abweisend. Elf Kerle hatte sie schon, sagt sie. Sie hält sich für eine, die sich gehen lässt, für eine bessere Hure. Und doch zeigt sie auch wieder festen Charakter.

Sie lässt sich schließlich überreden, Pat dazu zu verhelfen, Nikki wiederzusehen. Einzige Bedingung: bei einem Tanzwettbewerb ihr Partner zu sein, weil der frühere Partner sie im Stich ließ. Die beiden wirbeln denn auch herum wie Profis – und erreichen ihr Ziel.

Pat jedoch will jetzt nicht mehr Nikki, sondern . . .

Eine lebendige, vollgepackte, dramatische und gefühlsbeladene, einige Male zu sehr auf die Spitze getriebene Familien- und Liebesstory, die aber filmisch-künstlerisch gelungen ist. Bradley Cooper (Pat) und Jennifer Lawrence (Tiffany) haben absolute Glanzrollen und spielen wie gleichzeitig von guten Geistern und vom Teufel besessen. Robert De Niro ist der ganz für seinen Sportclub, aber auch für die Sorge um seinen Sohn lebende, voll der Wettsucht erlegene Vater, Jacki Weaver ist die Mutter, die einzige „Normale“ unter den vieren.

Ein sehenswertes Wut-, Verlorenheits-, Familien- und Liebesdrama.

Thomas Engel