Sin City

USA 2005
Regie: Robert Rodriguez, Frank Miller, Quentin Tarantino (Gastregisseur)
Darsteller: Buce Willis, Mickey Rourke, Jessica Alba, Benicio del Toro, Brittany Murphy, Clive Owen, Elijah Wood, Rosario Dawson, Michael Clarke Duncan, Michael Madsen, Josh Hartnett, Carla Gugino, Jaime King, Nick Stahl, Alexis Bledel
126 Minuten
Verleih: Buena Vista
Start: 11.8.2005

Willkommen in „Sin City“, der imaginären Stadt, die nur in Schwarz und Weiß existiert. Dem finsteren Ort, der geschaffen wurde, um das Böse zu beherbergen. Frank Millers noch nicht abgeschlossener Comic-Zyklus diente als Vorlage für das Drehbuch und sein jetziges Regiedebüt. An der Seite des Allrounders Robert Rodriguez, der neben der Regie auch für Kamera, Schnitt und Musik verantwortlich zeichnete, präsentiert Miller nun die berauschende Leinwandversion seiner Comichefte. Drei Balladen aus dem düsteren Herzen von Sin City.

In „Stadt ohne Gnade“ geht es um den Rachefeldzug eines unerbittlichen Straßenkämpfers. Ein Ungetüm von einem Kerl und einer der am meisten gefürchteten Einwohner Sin Citys. So etwas wie Liebe hatte Marv (Mickey Rourke) eigentlich nie erfahren, doch in jener folgenschweren Nacht verirrte sich Goldie (Jaime King) in seine starken Arme. War es wirklich Liebe, suchte sie nur seinen Schutz oder sollte es gar die schönste Falle sein, in die Marv bisher geraten war. Am nächsten Morgen war sie tot. Ein lautloser Killer hatte Goldie getötet, während Marv nur wenige Zentimeter neben ihr im Bett lag. Doch wer auch immer hierfür verantwortlich war, musste nun mit einer blutigen Rache rechnen. Eben noch von einem Engel in den Schlaf geküsst, zog Marv los um zu tun wofür er bestimmt war. Und er musste und wollte dabei über Leichen gehen.

„Das große Sterben“ erwartet all jene die eigentlich Frieden geschlossen hatten. Im alten Teil der Stadt haben die Prostituierten mit der korrupten Polizei und auch der Mafia einen Waffenstillstand ausgehandelt. Doch durch die Verkettung unglücklicher Umstände droht Krieg. Die Barkeeperin Shellie (Brittany Murphy) und ihr neuer Liebhaber Dwight (Clive Owen) haben ihren Ex-Lover Jackie Boy (Benicio del Toro) vor die Tür gesetzt. Grund genug mit seinen Kumpels nach „Old Town“ zu fahren und den leichten Mädels dort einen Besuch abzustatten. Doch wer sich nicht zu benehmen weiß und die Gesetzte der Straße nicht achtet, muss sterben. So auch Jackie Boy, der wie sich herausstellt eigentlich ein Cop ist. Schnell wird klar, dass die Toten auf der Straße noch lange nicht die letzten sein werden in dieser Nacht.

„Dieser feige Bastard“ hatte den Tod verdient, denn er entführte junge Mädchen um sich an ihnen zu vergehen. Einzig John Hartigan (Buce Willis), der letzte ehrliche Bulle in ganz Sin City, konnte dem perversen Junior (Nick Stahl), Sohn des Senators, Einhalt gebieten. So rettete er die elfjährige Nancy aus den Fängen des Psychopaten. Doch bevor er diesen endgültig unschädlich machen kann, wird er von seinem weniger integren Partner Bob (Michael Madsen) niedergeschossen. Was folgt sind Jahre der Isolation, denn der mächtige Senator hat dafür gesorgt, dass Hartigan nun selbst als Päderast im Gefängnis versauert. Einzig Nancy weiß um seine Unschuld und schreibt ihm unter falschen Namen und in ewiger Dankbarkeit. Acht lange Jahre später kommt der Ex-Cop wieder auf freien Fuß. Die mittlerweile erwachsene Nancy (Jessica Alba) ist erneut in Gefahr und wieder ist John Hartigan zur Stelle. Nun muss zu Ende geführt werden, was vor vielen Jahren begann.

Ein dunkles und zwielichtiges Stück Zelluloid kommt mit „Sin City“ in die Kinos. Doch selten zuvor war das Böse so schön verpackt wie in diesem visuellen Meisterwerk. Ästhetisch, berauschend und innovativ seine Optik. Kein Arthouse im klassischen Sinne, aber doch in seiner Oberfläche eine Form von Kunstkino. Nah am Original der Comic-Vorlage, wurde ein Stil kreiert, der seinesgleichen sucht. Mit scharfen Konturen und strengen Silhouetten entstand eine Schwarz-Weiss-Welt, die die exzessive Brutalität des Films zu entschärfen weiß. Nur vereinzelte Farbtupfer brechen diese Optik wieder auf. Freunde der Comics werden die konsequente Umsetzung der Vorlage lieben. Alle anderen können sich ganz unvoreingenommen an den Bildern ergötzen.

Inhaltlich erfreuen die mehr oder weniger miteinander verknüpften Geschichten durch die herrlich überzogene Darstellung absoluter Antihelden. Ein wahrlich cooler Plot, der – in knappen Dialogen erzählt – keine Tiefe missen lässt. Getragen von einem Starensemble, das sich so nur selten in einem Projekt vereint. Man darf auf die bereits geplanten Fortsetzungen gespannt sein. Es kann noch so manches in der Stadt der Sünde passieren. Denn wie heißt es doch so trefflich im hier beschriebenen Auftakt: „Geh die richtige Straße in Sin City runter und alles ist möglich“.

Gary Rohweder