Sisters In Law

Der Dokumentarfilm von Kim Longinotto und Florence Ayisi folgt einer Anwältin und einer Richterin im Südwesten Kameruns, die für das Recht misshandelter Frauen kämpfen. Eine spannende und bewegende Reise, bei der Täter und Opfer noch einmal miteinander konfrontiert werden, während die beiden Filmemacherinnen auf Kommentare verzichten.

Webseite: www.ventura-film.de

Großbritannien/Kamerun 2005
Regie: Kim Longinotto & Florence Ayisi
Buch: Kim Longinotto
104 Minuten
Verleih: Ventura
Kinostart: 13.9.2007

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Kumba ist mit 140.000 Einwohnern die neuntgrößte Stadt Kameruns, in der sich vorwiegend kleine Häuser und Wellblechhütten aneinanderreihen. Kinder spielen hier Fußball auf morastigen Wiesen, während die Männer am Straßenrand sitzen und dem langsamen Treiben beiwohnen. Viel passiert nicht in der Gegend, dennoch haben die Richterin Beatrice Ntuba und die Staatsanwältin Vera Ngassa alle Hände voll zu tun.

Beide stehen um 6 Uhr morgens auf und arbeiten bis spät nachmittags in den Tag hinein ohne sich ein Mittagessen zu gönnen. In Kumba nennt man sie die „Sisters In Law“, weil sie Frauen vor dem Gesetz vertreten, die Opfer von Gewalttaten wurden. Wie das kleine Mädchen Manka, das von ihrer Tante fast zu Tode geprügelt wurde. Ihr ganzer Körper ist übersäht von Narben, im Gesicht hat sie noch frische Schwellungen. Ein Nachbar hat die Vollwaise eines Abends aufgelesen, wie sie durch die Straßen irrte, auf der Flucht vor ihrem Zuhause. Jetzt steht er mit dem Mädchen im Büro der Anwältin und schildert seinen Verdacht, der sich schon bald bewahrheiten soll.

Die beiden Regisseurinnen Kim Longinotto und Florence Ayisi belassen es nicht bei einer Bestandsaufnahme oder einem Porträt des Opfers, sondern sind auch dabei, als die Tante vorgeladen wird, die sich zwar reumütig zeigt, aber dennoch vor Gericht gestellt und zu einer mehrjährigen Gefängnisstrafe verurteilt wird. Longinotto und Ayisi folgen außerdem der Spur einer Frau, die behauptet von ihrem Nachbarn vergewaltigt worden zu sein und einer Muslimin, die sich nach Jahren der Qual von ihrem jähzornigen Ehemann scheiden lassen will. Dabei verblüffen vor allem die Szenen im Gerichtssaal, wenn flapsige Anwälte in rhetorischen Achterbahnfahrten versuchen, ihre straffälligen Mandaten zu verteidigen – es dabei aber zugeht, wie in einer drittklassigen TV-Talkshow am Vormittag, wenn sich Opfer und Widersacher plump ankeifen.

„Sisters In Law“ ist ein Film über Gerechtigkeit und rechtsstaatliche Errungenschaften an einem kleinen Ort, an dem man nicht unbedingt vermuten würde, dass es sie dort gibt. Dennoch werden die beiden Heldinnen nicht romantisch verklärt noch glorifiziert, sondern schlicht und sachte bei ihrer alltäglichen Arbeit begleitet. Der nüchterne Blick auf ihr Schaffen macht „Sisters In Law“ zu einem spannenden Dokumentarfilm, der auf große Tragik und Emotionalität verzichtet. Fall für Fall erkämpfen sich die beiden Rechthüterinnen Achtung in der muslimischen Gemeinde, mitfühlend gegenüber den Opfern, während sie eloquent und bestimmt den mutmaßlichen Tätern gegenüber treten, die vor lauter Respekt teilweise kaum noch ein Wort herausbringen.

Die Engländerin Kim Longinotto hat sich mittlerweile in ihren Filmen auf Frauenrechte spezialisiert. Ihre Dokus „The Day I Will Never Forget“, „Divorce Iranian Style“ und „Dream Girls“ wurden von Amnesty International und auf internationalen Festivals ausgezeichnet. 2005 bekam sie für „Sisters In Law“ den Prix Art es Essai in Cannes verliehen.

David Siems