Sky – Der Himmel in mir

Eine Frau, die nach dem Scheitern ihrer Ehe in den Weiten des amerikanischen Westen nach sich selbst sucht, das ist Fabienne Berthauds neuer Film „Sky – Der Himmel in mir“. Mit einem der klassischen, nicht zuletzt filmischen Sehnsuchtsorte spielt Berthaud und inszeniert ein mäanderndes, episodenhaftes Road-Movie, dass vor allem von seiner Hauptdarstellerin Diane Kruger lebt, die selten so überzeugend agierte.

Webseite: http://sky-derhimmelinmir.de

Frankreich/ USA 2015
Regie: Fabienne Berthaud
Buch: Fabienne Berthaud & Pascal Arnold
Darsteller: Diane Kruger, Norman Reedus, Gilles Lellouche, Q'orianka Kilcher, Lena Dunham, Lou Diamond Philipps,
Länge: 100 Minuten
Verleih: Alamode, Vertrieb: Die Filmagentinnen
Kinostart: 9. Juni 2016
 

FILMKRITIK:

Seit acht Jahren ist Romy (Diane Kruger) mit Richard (Gilles Lellouche) verheiratet, doch die Ehe liegt in den letzten Zügen. Eine gemeinsame Reise durch den amerikanischen Westen soll die Ehe retten, aber das Paar hat sich offensichtlich nicht mehr viel zu sagen. Eines Abends macht Richard in einer Bar unverhohlen zwei Frauen an, betrinkt sich und bedrängt Romy, als er in das gemeinsame Zimmer zurückkommt. In ihrer Not haut sie Richard eine Lampe über den Kopf und lässt ihn leblos zurück.
Nach einigen Tagen der rastlosen Flucht kommt sie zu Sinnen, will bei der Polizei ihre Tat gestehen und erfährt, dass Richard überlebt hat. Plötzlich frei von möglicher Schuld nimmt sie ihr Leben endlich selbst in die Hand und verlässt Richard. Fortan streift Romy durch den amerikanischen Westen und gerät schließlich in Las Vegas an den Irak-Krieg-Veteranen Diego (Norman Reedus). Was als One Night Stand begann, entwickelt sich bald zu einer intensiveren Beziehung, doch während Romy sich auf den wortkargen, schroffen Diego einlassen will, weist dieser sie immer wieder zurück.

Es ist kein Zufall, dass ausgerechnet in einem Motel Namens 29 Palms Romys Selbstfindung beginnt. Vor einigen Jahren hatte der belgische Regisseur Bruno Dumont genau hier seinen Film „Twentynine Palms“ angesiedelt, der ebenso die Geschichte einer Ehe erzählte wie unlängst Guillaume Niclouxs in seinem „Valley of Love“. An zahlreiche andere Filme denkt man im Lauf von „Sky – Der Himmel in mir“, an große Amerika-Filme europäischer Autoren, die die durch das Hollywood-Kino mythologisierte Landschaft des amerikanischen Westens als Hintergrund von Geschichten verwendeten, in denen es ein ums andere Mal um eine Sinnsuche, um den Prozess der Selbstfindung ging.

Hier ist es nun Diane Kruger, die eine deutsche Frau spielt, verheiratet mit einem Franzosen, was angesichts ihres Rollennamens Romy ebenfalls Konnotationen weckt. In fast jedem Moment des Films ist Kruger zu sehen, die gerade von männlichen Regisseuren bislang meist ihres Äußeren wegen ins rechte Licht gerückt wurde, hier, von einer Frau, jedoch mit ganz anderem Blick gesehen wird. Mit fast 40 Jahren ist sie zwar immer noch überaus attraktiv, hat aber auch Reife und Lebenserfahrung, die sich auch in ihrer Figur spiegelt.

Eine gewisse Zeit braucht Berthauds Film, bis er zu sich findet, durch den scheinbaren Totschlag Romys an ihrem Mann und die folgende Flucht wird eine falsche Fährte gelegt, die erst nach gut 30 Minuten aufgelöst wird und zum kathartischen Moment wird. Fortan ist Romy völlig frei, kann sich ohne Angst vor Verfolgung durch den Westen Amerikas bewegen und sich auf eine unterschwellig spirituelle Sinnsuche begeben. Wie unprätentiös Berthaud diese inszeniert, lässt „Sky – Der Himmel in mir“ bisweilen fast undramatisch erscheinen. Doch gerade dieses Mäandernde, Beiläufige macht den Reiz des Films aus, der zudem seiner Hauptdarstellerin viel Raum gibt, zu zeigen, welch überzeugende Schauspielerin sie sein kann.
 
Michael Meyns