Small Town Killers

In Sachen schräger Storys sowie schwarzem Humor bestehen skandinavische Komödien gemeinhin jeden Elch-Test souverän. So auch diese fies-fröhliche Farce um zwei Freunde, die spontan beschließen, ihrem eingerosteten Eheleben ein Ende mit Schrecken zu setzen. Statt teurer Scheidung wollen sie die Gattinnen kostengünstig durch einen Auftragskiller aus dem Weg räumen lassen. Doch da hat das Duo die Rechnung ohne die einfallsreichen Ehefrauen gemacht. Die rabenschwarze „Szenen zweier Ehen“-Variante überzeugt durch flottes Erzähltempo, lässige Situationskomik, politisch unkorrekte Pointen mit cleveren Widerhaken sowie exzellente Darsteller. Im Lego-Land Dänemark wird selbst Furz-Humor putzig präsentiert: Mit einem mürrischen Mops, dem auch skrupellose Verbrecher kaum widerstehen können!

Webseite: www.dcmworld.com

Dänemark 2017
Regie: Ole Bornedal
Darsteller: Ulrich Thomsen, Nicolas Bro, Mia Lynhe, Lene Maria Christensen Søren Malling
Filmlänge: 90 Minuten
Verleih: DCM Film Distribution GmbH
Kinostart: 6.7.2017

FILMKRITIK:

In ihrem Beruf gelten die beiden Handwerker Ib und Edward als die ungekrönten Könige in ihrem kleinen Kaff im dänischen Hinterland. Schwarzarbeit hat ihnen reichlich Wohlstand beschert. Dem Eheleben droht derweil akuter Bankrott: Ingrid und Gritt finden ihren schwulen Tanzlehrer Malte weitaus prickelnder als ihre mittlerweile offensichtlich langweilig gewordenen Gatten. Scheidung heißt das Zauberwort, doch die käme ziemlich teuer. „Es wäre viel einfacher, sich scheiden zu lassen, wenn sie nicht mehr da wären“, meint Ib beim gemeinsamen Besäufnis mit seinem besten Kumpel. Die Schnapsidee hat Folgen. Im Suff bestellt Edward spontan im Internet einen russischen Auftragskiller. Am Morgen danach findet er das nicht mehr ganz so cool – doch Igor ist bereits unterwegs nach Dänemark. Ein dickes Trinkgeld plus Rückflugticket, und das Problem ist gelöst? Schön wär’s, Killer Igor ist gekommen, um zu bleiben. Und alsbald pflastern Leichen seinen Weg. Einem trotzigen Taxi-Fahrer droht sein religiöser Eifer zum fatalen Verhängnis zu werden, „Ich kann soviel negative Energie nicht ertragen“, stöhnt der sensible Ib, bevor er sich übergeben muss. Dazu wird er noch mehrfach Anlass haben, den stets sturzbetrunkenen Russen in seinem Lauf halten weder der wackere Dorfpolizist noch eine resolute Psychologin auf.
 
Unterdessen sind die Ehefrauen dem perfiden Plan ihrer Gatten auf den Plan gekommen. Nach kurzer Panik planen sie die Gegenoffensive: Eine britische Profikillerin (die in bester Bond-Tradition den Namen Miss Nippleworthy trägt!) soll die Sache richten. Die betagte Lady beweist bereits bei der Zollkontrolle am Flughafen ihr Geschick, Probleme rigoros zu lösen. Wir ihren Ehemännern wächst dem Damen-Duo die blutige Rache-Mission schnell über den Kopf. Die akute Not verbindet. Das zerstrittene Quartett schließt nicht nur Waffenstillstand, auch ihre alte Liebe blüht wieder auf. Dem Happy End stünde nichts mehr im Wege – wären da nicht zwei ziemlich wütende Killer.
 
Mit dem originellen Thriller „Nightwatch“ gelang Ole Borenedal vor gut 20 Jahren ein Grusel-Coup mit Kultstatus, US-Remake inklusive. Mit seinem jüngsten schwarzhumorigen Krimi samt schräger Lovestory-Einlage präsentiert der Däne ein kleines, feines Lustspiel in bewährt skandinavischem Stil. Die Story schwelgt genüsslichen in Klischees, vom chronisch betrunkenen Russen über die exzentrische Britin bis zur sexsüchtigen Senioren oder jenem übereifrigen Dorfpolizisten, der endlich auch einmal ein lukratives Stück vom Korruptionskuchen abhaben will. Politisch unkorrekte Späße gehören gleichfalls zum Programm des absurden Theaters. Sei es ein moslemischer Taxifahrer, der sich als Taliban-Sympathisant entpuppt. Ein schwuler Frauenschwarm, auf den die eifersüchtigen Männer mit hilfloser Homophobie reagieren. Oder der behinderte Kellner, über den sich die Kundschaft gerne lustig macht. Allzu billige Gags? Keine Sorge: Wer zuletzt lacht, lacht am besten.    
 
Mit Ulrich Thomsen („Die Kommune“) und Nicolas Bro („Adams Äpfel“) ist das ungleiche Trottel-Duo bestens besetzt. Derweil ihr preisgekrönter polnische Kollege Marcin Dorocinski den coolen Killer Igor mit großartiger Lässigkeit zelebriert. Die besten Szenen bleiben freilich Miss Nippleworthy alias Gwen Taylor vorbehalten: Beim Umgang mit Zollproblemen. Beim Philosophieren über das britische Körpergefühl. Last not least bei Menü-Wünschen, die von „Das Schweigen der Lämmer“ inspiriert sind.
 
Dieter Oßwald