Sommer der Gaukler

Auf den „Sommer in Orange“ lässt der arbeitsame Regisseur Marcus H. Rosenmüller nun den „Sommer der Gaukler“ folgen – und wieder gerät ein bayerisches Dorf durch die Anwesenheit einer sich selbst verwirklichenden Truppe in Aufruhr. Deren Anführer lebte tatsächlich, handelt es sich bei ihm doch um den Theatermann Emanuel Schikaneder (1751-1812), der später durch sein Libretto für Mozarts „Zauberflöte“ zu Ruhm gelangen sollte. Hier steht er mit seinem Wandertheater kurz vor dem Bankrott – und wie eine Gruppe rebellierender Bergarbeiter mit dem Rücken zur Wand. Rosenmüller inszeniert das barocke Spektakel befreit von der Schwere seiner Konflikte. Wie gewohnt heißen seine Trümpfe feine Ironie, Phantasie bei der Inszenierung und bayerische Mundart.

Webseite: www.movienetfilm.de

Deutschland 2011
Regie: Marcus H. Rosenmüller
Darsteller: Max von Thun, Lisa Maria Potthoff, Nicholas Ofczarek, Michael Kranz, Anna Maria Sturm, Erwin Steinhauer, Maxi Schafroth, Butz Ulrich Buse
Länge: 110 Minuten
Verleih: Movienet
Kinostart: 22.12.2011

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Am Idyll des Gebirgsbachs kann sich Agnes Bernauer nicht erfreuen. Weil sie sich unstandesgemäß in seine Adelsfamilie eingeheiratet hat, lässt ihr Schwiegervater, der Herzog von Bayern, sie aus Angst um die Erbfolge eingesperrt in einem Käfig ertränken. Kaum dass Agnes im strudelnden Bach verschwindet, schneidet Marcus H. Rosenmüller in der Eröffnungsszene um in ein Nürnberger Theater – wo Agnes eben nur eine Bühnenfigur ist. Das bayerische Voralpenland hat die hier auftretende Theatertruppe jedoch bald schon wieder. Emanuel Schikaneder, Kopf des Ensembles, zieht es nach Salzburg, wo der junge Wolfgang Amadeus Mozart – man schreibt das Jahr 1780 – mit seinem Genie begeistert. Weil man ihm die Einreise in die Bischofsstadt verweigert, richtet sich das Wandertheater in einem Bergdorf nahe der österreichischen Grenze ein.

Hier kulminieren nun gleich eine ganze Reihe von Konflikten: wegen unzureichend abgesicherter Bergstollen und einer zu geringen Bezahlung rebellieren die Bergarbeiter gegen den Stollenbesitzer Paccoli (Erwin Steinhauer). Gleichzeitig sind die Mitglieder der Schauspieltruppe unzufrieden, weil der Kompanie das Geld schwindet. Schikaneder (Max von Thun) fehlt dadurch die Inspiration, der Wirt (Martin Weinek) sitzt ihm im Nacken und dann scheint auch noch seine eigene Frau (Lisa Maria Potthoff) mit einem der Schauspieler (Nicholas Ofczarek) anzubandeln. Weiterhin hat sich die Wirtstochter (Anna Maria Sturm) in den von den Bergleuten als ihren Anführer vorgeschickten Allgäuer Georg Vester (Maxi Schafroth) verguckt. Parallel dazu hält aber auch der Richter (Butz Ulrich Buse) um des jungen hübschen Fräuleins Hand an. Die sich zuspitzenden dramatischen Ereignisse um ihn herum beginnen Schikaneder zu begeistern. Dies alles zusammen, so denkt er sich, ist grandioser Dramenstoff für sein „Weltentheater“. Dass sich bald auch noch der leibhaftige Mozart (Florian Teichtmeister) ankündigt, spornt ihn umso mehr an.

Zugegeben, es passiert eine ganze Menge in dieser Geschichte. Doch Rosenmüller versteht es, die von sozialen Konflikten und privatem Liebeskummer, Habgier und Existenznot bestimmten Motivfäden, vor allem aber die Balance zwischen Komödie und Ernsthaftigkeit gut beisammen zu halten. Ähnlich wie schon in „Sommer in Orange“ ist auch diese Geschichte beseelt von einer Aufbruchstimmung sowie dem Gefühl einer sich verändernden Zeit. Hier kommt nun noch eine dem Barock geschuldete Opulenz in der Ausstattung hinzu. Kulisse und Kostüme werden zum Augenschmaus – nicht zu vergessen der Umgang der Sprache, der vor allem natürlich jenen gefallen wird, für die bayerische und hier auch allgäuerische Dialekte wie Musik in den Ohren klingen.

Apropos Musik: Rosenmüllers Hauskomponist Gerd Baumann hat hier einen stimmigen Soundtrack aus Mozarts Klängen und Anleihen der Barockmusik gebastelt. Ein besonders überraschender Coup aber gelingt ihm, als er die Bergarbeiter als Chor den „Da-brech-mer-ab“-Blues singen und stampfen lässt – ein an dieser Stelle surreal wirkender Streikaufruf, in dem sich einerseits Rosenmüllers Ironie spiegelt, andererseits aber auch bewusst mit dem historischen Kontext gebrochen wird.

Anders als Rosenmüllers erstes Historienstück „Räuber Kneissl“ (2008), das mit seiner Aneinanderreihung einzelner Ereignisse mehr wie verfilmtes Volkstheater wirkte, überzeugt dieser Ausflug in eine von allgemeiner künstlerischer Aufbruchstimmung beseelte Zeit durch seine Lust am Spektakel. Volkstümelnd ist hier allenfalls noch die Sprache. Schauspielerisch ragt unter den exzellent besetzten Rollen natürlich Max von Thun als Emanuel Schikaneder hervor. Eine Entdeckung ist freilich auch Maxi Schafroth als Georg Vester. Sein komödiantisches Talent kommt nicht von ungefähr, kennt man ihn seit 2009 nach einem Auftritt in Ottfried Fischer „Ottis Schlachthof“ als aufstrebenden Kabarettisten. Florian Teichtmeister schließlich erinnert in einer Nebenrolle als Mozart an jenen Paradiesvogel, wie ihn auch Milos Forman bereits sah. Und ähnlich wie Forman macht auch Rosenmüller aus dem historischen Stoff einen bunten, beschwingten und vom Geist der Rebellion angetriebenen Film.

Thomas Volkmann

Um 1790. Die Theatertruppe des Emmanuel Schikaneder ist mit Mann und Maus unterwegs nach Salzburg. Sie will dort vor allem mit ihrer berühmten Tragödie über die Agnes Bernauer und ihren schrecklichen Tod auftreten, hat aber noch keine Spielerlaubnis. Also muss sie darauf in einem nahe Salzburg gelegenen Bauerndorf warten.

Schikaneder spielt selbst mit, dazu seine Gattin Eleonore sowie der Darsteller Wallerschenk. Dieser, durch eine dramatische List der beiden Schikaneder veranlasst, hat versprochen, solange bei der Truppe zu bleiben, bis Mozart ihn in Salzburg auf der Bühne gesehen hat.

Alle müssen in einem Gasthof warten und warten. Die Stimmung sinkt. Der Wirt will sein Geld, muss jedoch ständig vertröstet werden.

In der Nähe drangsaliert Bergwerksbesitzer Paccoli seine Bergleute, unter ihnen den Anführer Vester, der die längst einem anderen versprochene Tochter Paccolis, Babette, liebt. Der Kutscher Alfons wiederum hat sich in die Magd Maria verguckt.

Schikaneder kann den Wirt nur bezahlen, wenn er durchsetzt, dass zugunsten von Babette eine von deren Vater vergütete Sonderaufführung gegeben werden kann. Dies geschieht auch. Zu der Vorstellung sind Mitglieder der Salzburger haute volée angereist, unter ihnen Mozart. Der ist von Schikaneders Arbeit begeistert und bietet sofort musikalische Zusammenarbeit für dessen nächstes „Weltentheater“ an. Und so muss es schließlich (natürlich hypothetisch) zur „Zauberflöte“ gekommen sein.

Das ist nur summarisch die Zusammenfassung der aus Theaterszenen, Verwechslungsspielchen, Liebesschwüren, Verzweiflungssituationen, Rebellionen und Gelagen bestehenden vielschichtigen Handlung. Rosenmüller hat dabei wie oft die Regie gut im Griff. Das Ganze ist ein mixtum compositum aus Schwank, Heimatfilm, erfundenem Historiendrama, teils klischeehafter Komödie und Epochenschilderung.

Zu Letzterem hat man sich ausstatungsmäßig einige Mühe gegeben, und insgesamt wird man durchaus gut unterhalten.

Sie spielen alle nach Herzenslust: (besonders) Max von Thun als „Weltmann“ Schikaneder, Lisa Maria Potthoff als seine ihn unterstützende Frau, Nicholas Ofczarek als dramatischer Wallerschenk, Anna Maria Sturm als reizende Babette, Erwin Steinhauer als herrschsüchtiger, egoistischer Paccoli, Michael Kranz als liebeshungriger Kutscher sowie Maxi Schafroth als jugendlicher Held Vester.

Thomas Engel