Ein Sommer in der Provence

Eine leichte Sommerkomödie inszeniert die französische Regisseurin Rose Bosch mit "Ein Sommer in der Provence", der stimmungsvolle Bilder und sympathische Darsteller zu bieten hat und diese in eine an Klischees nicht unbedingt arme Geschichte packt. Einmal mehr geht es um Konflikte zwischen Jung und Alt, prallen Vorurteilen aufeinander, um am Ende doch einem allgemeinen Wohlgefühl zu weichen.

Webseite: www.sommerinderprovence-film.de

OT: Avis de Mistral
Frankreich 2014
Regie, Buch: Rose Bosch
Darsteller: Jean Ren, Anna Galiena, Chloé Jouannet, Hugo Dessioux, Aure Atika, Lukas Pellissier, Tom Leeb
Länge: 104 Minuten, FSK ab 6
Verleih: Concorde
Kinostart: 25. September 2014
 

FILMKRITIK:

Wenig erfreut ist Paul (Jean Reno), als seine Frau Irène (Anna Galiena) mit den Enkeln auf dem Hof in den Bergen der Provence auftaucht. Doch auch die 15jährige Léa (Chloé Jouannet), der 18jährige Adrien (Hugo Dessioux) und ihr kleiner Bruder Théo (Lukas Pellissier) sind wenig begeistert von der Vorstellung, ihren Sommer in der Ödnis eines abgelegenen Gehöfts zu verbringen. Doch ihre Eltern haben sich gerade getrennt, die Mutter weilt für ein Praktikum in Kanada und so lernen die Kinder doch noch ihren Großvater kennen: Denn seit die Mutter mit 17 Jahren ihre Heimat verlassen hat und nach Paris ging, hatte sie keinen Kontakt mehr zu Paul.

Zunächst mag dies nicht überraschen, denn Paul erweist sich als bärbeißiger Mann, der seine Zeit lieber inmitten seiner weitläufigen Olivenhaine verbringt, mit denen er scheinbar mehr redet als mit den ihn umgebenden Menschen. Das er zudem im einige Kilometer entfernten Dorf gern ein paar Bier zu viel trinkt fällt auch den Kindern bald auf. Die wollen am liebsten sofort abreisen, doch nach und nach lernen sie Land und Leute kennen und beginnen, Spaß am Landleben zu entwickeln.
Théo – der stumm ist – hilft dem Opa zu dessen Freude auf den Feldern, Paul schmeißt sich an diverse junge Urlauberinnen ran, auch wenn das eigentliche Objekt seiner Begierde eine laszive Eisverkäuferin im Dorf ist, und auch Léa macht erste Erfahrungen mit dem anderen Geschlecht. So groß der Unterschied zwischen den Generationen anfangs auch schien: Bald beginnt man sich näher zu kommen.

"Zwei Klischees sind lächerlich, hundert Klischees sind ergreifend" hat Umberto Eco einmal geschrieben, ein Bonmot, das sich Autorin und Regisseurin Rose Bosch bei ihrer dritten Regiearbeit sehr zu Herzen genommen zu haben scheint. Dass eine Komödie der Gegensätze von prägnant gezeichneten Kontrasten lebt, die im Lauf der Geschichte überwunden werden bzw. sich als gar nicht so groß erweisen, liegt auf der Hand. Doch Bosch trägt im Zweifelsfall nicht nur prägnant auf, sondern so dick, das jegliche Ambivalenz begraben wird.

Das beginnt schon in der ersten Szene, in der der wie gesagt stumme Théo versonnen aus dem Zugfenster schaut und die Musik Simon & Garfunkels "The Sounds of Silence" spielt. Das Théo stumm ist, dient im folgenden keinem weiteren Zweck, als noch einmal das Schweigen zwischen den Generationen und besonders zwischen Tochter und Großvater zu betonen. Unzählige weitere Beispiele ließen sich anführen, wobei besonders Pauls und Irenes ehemalige Reisepartner herausragen, die das Paar an längst vergangene wilde Zeiten erinnern: Per Motorrad reiste man damals um die Welt, ein Leben, das besonders Irène vermisst und das in einem Besuch einer greisen Horde alter Rocker mündet, die auch noch am Lagerfeuer Gitarre spielen und Countrysongs singen.

Gespür für die richtige Dosierung von Klischees und bekannten Erzählmustern besitzt Rose Bosch zwar nicht wirklich, doch zusammen mit ihrem Kameramann Stéphane le Parc gelingt es ihr, die malerische Landschaft der Provence in leuchtende Farben einzufangen, das traditionelle Dorfleben, die Feste des Sommers zu filmen und viel Atmosphäre zu erzeugen. In Kombination mit einem sympathischen Schauspielerensemble lassen sich so die unzähligen Klischees der Geschichte gut übersehen, so dass "Ein Sommer in der Provence" schließlich doch zu einem sehr leichten, luftigen Film wird.
 
Michael Meyns